Donnerstag, 10. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Donnerstag in der zweiten Adventswoche - 10. Dezember


Die Tageslesung ist aus dem 41. Kapitel des Propheten Jesaja:

13 Denn ich bin der HERR, dein Gott, / der deine rechte Hand ergreift 
und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen. 
14 Fürchte dich nicht, du armer Wurm Jakob, / du kleines Israel! 
Ich habe dir geholfen – Spruch des HERRN. / Und dein Erlöser ist der Heilige Israels. 
15 Siehe, zu einem Dreschschlitten mache ich dich, / zu einem neuen Schlitten mit vielen Schneiden. 
Berge wirst du dreschen und sie zermalmen / und Hügel machst du zu Spreu. 
16 Du worfelst sie und es verweht sie der Wind, / es zerstreut sie der Sturm. 
Du aber jubelst über den HERRN, / du rühmst dich des Heiligen Israels. 

17 Die Elenden und Armen suchen Wasser, / doch es ist keines da; / ihre Zunge vertrocknet vor Durst. 
Ich, der HERR, will sie erhören, / ich, der Gott Israels, verlasse sie nicht. 
18 Auf den kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen / und Quellen inmitten der Täler. 
Ich mache die Wüste zum Wasserteich / und das ausgetrocknete Land zu sprudelnden Wassern. 
19 In der Wüste pflanze ich Zedern, / Akazien, Ölbäume und Myrten. 
In der Steppe setze ich Zypressen, / Platanen und auch Eschen, 
20 damit alle sehen und erkennen, / begreifen und verstehen, 
dass die Hand des HERRN dies gemacht hat, / dass der Heilige Israels es erschaffen hat. (Jesaja 41, 13-20)

Diese Lesung zeichnet sich aus durch ihre starken, eindrucksvollen Bilder: Gott ergreift die rechte Hand seines Volkes - Er macht sein Volk zum Werkzeug für seine große Ernte - Wasser,  Quellen und vielfältige Bäume stehen für Lebenskraft, Vitalität mitten in einer lebensfeindlichen Welt.

Die Lesung lädt ein, diese Bilder auf das eigene Leben zu übertragen: lasse ich mich von Gott ergreifen? Spüre ich die Quelle der Lebendigkeit, die von ihm ausgeht?

M. Wetzel

Mittwoch, 9. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Mittwoch in der zweiten Adventswoche - 9. Dezember

Mit Kapitel 40 beginnt im Jesajabuch ein zweiter, gewichtiger Teil: Es handelt sich um die Fortschreibung der ursprünglichen Jesajaworte aus der Königszeit durch einen Propheten ("Zweiter Jesaja" oder "Deuterojesaja" genannt), der in der späten Zeit des babylonischen Exils wirkte und auf die bisherige Geschichte Israels zurückblickt.

25 Mit wem wollt ihr mich vergleichen, / dass ich ihm gleich wäre, spricht der Heilige. 
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht: / Wer hat diese Gestirne erschaffen? 
Der vollzählig herausführt ihr Heer, / er ruft sie alle beim Namen. 
Wegen seiner Fülle an Kraft und mächtiger Stärke / fehlt kein einziges. 
27 Warum sagst du, Jakob, / warum sprichst du, Israel: 
Verborgen ist mein Weg vor dem HERRN, / meinem Gott entgeht mein Recht? 
28 Weißt du es nicht, hörst du es nicht? / Der HERR ist ein ewiger Gott, / der die Enden der Erde erschuf. 
Er wird nicht müde und matt, / unergründlich ist seine Einsicht. 
29 Er gibt dem Müden Kraft, / dem Kraftlosen verleiht er große Stärke. 
30 Die Jungen werden müde und matt, / junge Männer stolpern und stürzen. 
31 Die aber auf den HERRN hoffen, / empfangen neue Kraft, / wie Adlern wachsen ihnen Flügel. 
Sie laufen und werden nicht müde, / sie gehen und werden nicht matt. (Jesaja 40, 25-31)

"Zu sagen, dass Jahwe der Schöpfer ist, bedeutet kein vollständiges Verständnis von Jahwes Denkweise. Deutero-Jesaja weiß und wiederholt oft, dass Jahwe geheimnisvoll ist. Aber das Mysterium darf nicht zu einer Entschuldigung dafür werden, den Glauben an ihn aufzugeben. Jahwe ist ewig; er wird nicht wie die Menschen durch Alter und Müdigkeit schwächer. Dies ist für den Propheten kein Mittel, um das fade entschuldigende Argument vorzubringen, Jahwe handle zu seiner eigenen Zeit. Jahwe ist immer aktiv, und jede Zeit ist seine Zeit. Was der Prophet meint, ist, dass Jahwe denen, die an ihn glauben, etwas von der unerschöpflichen Kraft seiner Ewigkeit vermittelt. So wie Jahwe immer mit voller Kraft handelt, so finden auch diejenigen, die ihm vertrauen, ihre Kraft zu ewiger Fülle erneuert. Sie erhalten die Kraft, das zu tun, was sie tun müssen; sie können in einer Hoffnung leben, die so stark ist wie der, auf den sie hoffen. Israel muss seiner Zukunft mit der Überzeugung entgegentreten, dass die Verheißungen Jahwes nicht getrübt oder enttäuscht werden. Der Schöpfer hat seine Souveränität nicht an einen anderen abgetreten."
aus: MCKENZIE, JOHN L.: Second Isaiah: Introduction, Translation, and Notes, Anchor Yale Bible. vol. 20. New Haven; London : Yale University Press, 2008 (übersetzt mit DeepL)

M. Wetzel

Dienstag, 8. Dezember 2020

 Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria - Mariä Empfängnis - 8. Dezember


Das große Marienfest der Adventszeit feiert ein optimistisches Menschenbild: Unser Menschsein, das so unheilvoll verstrickt ist in eine Geschichte von Versagen, Schuld und Verhängnis, hat einen positiven Ausblick: In Maria erblicken wir bereits das neue, im Licht der Erlösungstat Christi erstrahlende Menschsein. Sünde und Schuld haben nicht das letzte Wort über unsere Menschengeschichte. Das letzte, entscheidende Wort Gottes ist Jesus Christus selbst: wer zu ihm gehört, ist bereits Teil der neuen, erlösten Schöpfung. Der Blick auf Maria zeigt uns, dass das nicht nur eine utopische Hoffnung ist, sondern dass diese neue Schöpfung jetzt schon eine lebbare Möglichkeit ist, dass auch wir jetzt schon ja sagen können zum neuen Leben in Christus. 

Das Tagesgebet bring dies gut zum Ausdruck:

Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Christi
hast du die selige Jungfrau Maria
schon im ersten Augenblick ihres Daseins
vor jeder Sünde bewahrt,
um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden
und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

M. Wetzel

Montag, 7. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Montag in der zweiten Adventswoche - 7. Dezember - Hl. Ambrosius von Mailand

Hl. Ambrosius - Mosaik aus Sant'Ambrogio, Mailand


Der Hl. Ambrosius von Mailand (339-397) ist einer der großen Kirchenlehrer der Alten Kirche. Der 7. Dezember ist der Tag seiner Bischofsweihe im Jahr 374 in Mailand. Neben zahlreichen Schriften zur Bibelauslegung und zu theologischen Fragen verfasste er auch mehrere Hymnen und führte sie in die Liturgie in seiner Bischofskirche in Mailand ein - von dort verbreiteten sie sich über die ganze westliche Kirche.
Einer dieser Hymnen, der adventliche Gesang 'Veni redemptor gentium' wurde später von Martin Luther übersetzt 'Nun komm, der Heiden Heiland' und findet sich in einer Neuübersetzung von Markus Jenny im Gotteslob (Nr. 227):

Komm, du Heiland aller Welt, Sohn der Jungfrau, mach dich kund,
darob staune, was das lebt: Also will Gott werden Mensch.

Nicht nach eines Menschen Sinn, sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch und erblüht aus Mutterschoß.

Wie die Sonne sich erhebt und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt, wesenhaft ganz Gott und Mensch.

Glanz strahlt von der Krippe auf, neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr, und der Glaube trägt das Licht.

Gott dem Vater Ehr und Preis und dem Sohne Jesus Christ,
Lob sei Gott dem Heilgen Geist jetzt und ewig. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Beginn der zweiten Adventswoche,

M. Wetzel

Sonntag, 6. Dezember 2020

Adventsbesinnung zum 2. Adventssontag - 6. Dezember


Heute kommen zwei adventliche Gestalten in Sicht: Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu, der in den Evangelien für die Vorgeschichte der Frohen Botschaft in der großen messianischen Hoffnung Israels steht. Und am 6. Dezember denken wir natürlich auch an den Heiligen Nikolaus.


Hier ein Nikolausgruß an den Kinderchor 'Ohrwürmer'

Bild: Melanie Slota

Sei gegrüßt, lieber Nikolaus! Wieder gehst du von Haus zu Haus!
Alle Kinder lieben dich, warten schon und freuen sich. Teilst du dann deine Gaben aus, dankeschön, dankeschön, lieber Nikolaus!

Johannes der Täufer und der Heilige Nikolaus stellen uns wichtige Fragen für die zweite Adventswoche: Wie steht es mit meiner persönlichen Vorbereitung auf die Begegnung mit Jesus? Wo müssen da erst noch die 'Wege bereitet' werden? Und welchen Stellenwert haben Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft - die Werte, für die der Hl. Nikolaus steht - in meinem Alltag? 

M. Wetzel

Samstag, 5. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Samstag in der 1. Adventswoche - 5. Dezember


Der Antwortpsalm der Messe vom Samstag in der 1. Adventswoche ist der Psalm 147, einer der sogenannten 'beschreibenden Lobpreispsalmen':


147 Halleluja!
Ja, gut ist es, unserem Gott zu singen und zu spielen,
ja, schön und geziemend ist Lobgesang.
Der Herr baut Jerusalem auf,
er sammelt die Versprengten Israels.
Er heilt, die gebrochenen Herzens sind,
er verbindet ihre Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne
und ruft sie alle mit Namen.
Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft,
seine Einsicht ist ohne Grenzen.
Der Herr hilft auf den Gebeugten,
er drückt die Frevler zu Boden.

Charakteristisch für beschreibende Lobpreispsalmen, spricht Psalm 147 sowohl von der Größe als auch von der Güte des Herrn. Seine Größe zeigt sich besonders in der Welt der Natur, und seine Güte zeigt sich besonders in seiner Fürsorge für die Menschen. Seine Größe zeigt sich in der Rückführung Israels aus dem Exil nach Jerusalem.

Eine wichtige Lehre aus Psalm 147 ist, dass das, was der Herr in seiner Welt tut, der Maßstab dafür ist, was er für sein Volk tun kann. Indem sie sich an die großen und guten Taten des Herrn erinnern und sie artikulieren, entwickeln sein Volk Vertrauen in ihn, wenn sie sich den Herausforderungen ihres Lebens stellen und motiviert sind, ihn zu preisen.“

aus: ESTES, DANIEL J. ; CLENDENEN, E. R. (Hrsg.): Psalms 73–150, New American Commentary. Bd. 13. Nashville, TN : B&H Publishing Group, 2019 (übersetzt mit DeepL)


Barmherziger Gott,

du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,

um die Menschen

aus der alten Knechtschaft zu erlösen.

Schenke allen, die auf deine Hilfe warten,

die Freiheit des neuen Lebens.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,

deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

(Tagesgebet vom Samstag der 1. Fastenwoche)


M. Wetzel


Freitag, 4. Dezember 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 4


Der erste Vers des Markusevangeliums dient als Überschrift, als Inhaltsangabe und verdient eine nähere Betrachtung:

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.

Für ‘Anfang’ steht im Griechischen das Wort archē, das einen weiten Bedeutungsumfang hat: es kann für Beginn, Anfang, Grundlage, Prinzip oder Ursache stehen. In Markus 1,1 klingen also verschiedene Aspekte an:

  • zunächst geht es schlicht um Anfang des Buches

  • außerdem ist damit die unmittelbar folgende Episode, nämlich die Taufe Jesu durch Johannes, als der Startpunkt des Auftretens Jesu, als Beginn der ‘Frohen Botschaft’ gekennzeichnet

  • zugleich ist eine Überschrift über das ganze Evangelium gesetzt: alles was in den 16 Kapiteln des Markusevangeliums erzählt wird, von der Taufe Jesu bis zur Kreuzigung und Auferstehung, ist ‘Grundlage’, ‘Prinzip’ der Verkündigung über Jesus als Messias (Christus) und Sohn Gottes

  • und zuletzt kann man in diesen Eingangsworten des Evangeliums einen Appell des Evangelisten an seine Hörer/Leser sehen: Das Markusevangelium ist nicht ein abgeschlossene Angelegenheit in der Vergangenheit, es steht für einen ‘Anfang’, dem eine Fortsetzung folgen muss: die gläubige Antwort der Hörer des Evangeliums ist der notwendige “2. Band” des Buches. Für diese Sicht des Evangelisten spricht auch der sehr offene Schluss des Evangeliums: der ursprüngliche Schlussvers ist Mk 16, 8, wo es von den Frauen am leeren Grab heißt: 

    8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.

Dieser ‘unbefriedigende’ Schlussvers ergibt dann einen Sinn, wenn man davon ausgeht, dass im Sinne des Evangelisten alles bis dahin erst der ‘Anfang’ war - jetzt, im Leben der Gemeinde Jesu, geht es mit dem Zeugnis für den Auferstandenen weiter.

M. Wetzel





 Adventsbesinnung: Freitag in der 1. Adventswoche - 4. Dezember


17 Ist es nicht nur noch eine kurze Zeit, / dann wandelt sich der Libanon in einen Baumgarten / und der Baumgarten wird als Wald gelten?

18 Die Tauben werden an jenem Tag die Worte des Buches hören / und aus Dunkel und Finsternis werden die Augen der Blinden sehen.

19 Die Gedemütigten freuen sich wieder am Herrn / und die Armen unter den Menschen jubeln über den Heiligen Israels.

20 Denn der Unterdrücker ist nicht mehr da, / der Spötter ist am Ende, / ausgerottet sind alle, die auf Böses bedacht sind,

21 die durch ein Wort Menschen zur Sünde verleiten, / die dem, der im Stadttor entscheidet, Fallen stellen / und den Gerechten mit haltlosen Gründen wegdrängen.

22 Darum – so spricht der Herr zum Haus Jakob, / der Herr, der Abraham losgekauft hat:

Nun braucht sich Jakob nicht mehr zu schämen, / sein Gesicht muss nicht mehr erbleichen.

23 Denn wenn er seine Kinder, das Werk meiner Hände, in seiner Mitte sieht, / werden sie meinen Namen heilig halten.

Sie werden den Heiligen Jakobs heilig halten / und den Gott Israels werden sie fürchten.

24 Dann werden, die verwirrten Geistes waren, Einsicht erkennen, / und die murrten, nehmen Belehrung an. (Jesaja 29, 17-24)


In einem Bibelkommentar zu diesem Abschnitt des Jesajabuches heißt es:


Die Umkehrung des Schicksals nimmt eine eigenwillige Wendung. Das Urteil über diejenigen, die sich der Überprüfung durch JHWH entziehen wollen, ist verständlich. Die Wende des Schicksals, die den Tauben, Blinden, Sanftmütigen und Demütigen den Sieg beschert, ist in der Vision zu erwarten, ebenso wie das Ende schlauer Hinterhältigkeit. Aber das Wort über Jakob kommt überraschend. Gottes fortwährende Liebe zu Israel und seine unsterbliche Hoffnung auf eine echte Antwort sind Manifestationen seiner unendlichen Gnade.
aus: WATTS, JOHN D. W.: Isaiah 1–33, Word Biblical Commentary. vol. 24. Revised Edition. ed. Nashville : Thomas Nelson, Inc, 2005 (übersetzt mit DeepL)


Besonders auffällig in dieser Passage ist die 'Armentheologie' des Propheten: nicht durch die Macht eines Königs wird Rettung erwartet, sondern am Ende wird Gottes armes, gedemütigtes Volk das Heil finden. Damit ist ein adventliches Thema angeschlagen, das im 'Magnificat', dem Lobgesang Marias, seinen neutestamentlichen Ausdruck finden wird.


Das soziale und wirtschaftliche Gefälle zwischen den Armen und den Arroganten war gravierend und konnte nicht mehr lange andauern. Der Prophet glaubte, dass eine Umkehr des Schicksals kommen würde. Gott war im Begriff, für diejenigen zu handeln, die unterdrückt wurden. Die Niedrigen und Armen werden Freude finden, während die Arroganten verschwunden sein werden. Wenn die Frommen Gottes Handeln in ihrem Namen sehen, wird ihr Glaube bestätigt werden, und sie werden zu einer immer größeren Treue zu Gott geführt werden, denn sie werden in Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit stehen.
aus: HOPPE, LESLIE J. ; DURKEN, D. (ed.): Isaiah, The New Collegeville Bible Commentary. vol. 13. Collegeville, MN : Liturgical Press, 2012 (übersetzt mit DeepL)


Im Tagesgebet der Messe vom Freitag in der 1. Adventswoche beten wir:

Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und rette uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.


M. Wetzel



Donnerstag, 3. Dezember 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 3


Interesse am Markusevangelium

Die Aufmerksamkeit für das Markusevangelium war in den vergangenen Jahrhunderten sehr unterschiedlich. Für die frühe Kirche hatte das Markusevangelium eine besondere Wertigkeit, weil der Verfasser als Schüler des Apostels Petrus galt - das gab seinem Evangelium eine besondere apostolische Autorität. Danach sank die Aufmerksamkeit für das Markusevangelium allerdings erheblich; seit der Zeit des Augustinus (5. Jhd.) sah man es bloß als eine gekürzte Fassung des Matthäusevangeliums und beachtete es daher nur wenig.
Dies änderte sich erheblich seit der Entwicklung der neuzeitlichen, historisch-kritischen Bibelauslegung, also seit dem 19. Jahrhundert. Nun wurde erkannt, dass das Markusevangelium das älteste der vier Evangelien ist und die literarische Gattung 'Evangelium' überhaupt erst geschaffen hat. Seitdem - bis heute - erscheinen zu keinem anderen Evangelium so viele bibelwissenschaftliche Veröffentlichungen wie zum Markusevangelium. In den letzten Jahrzehnten konzentriert sich die Forschung vor allem darauf, die besondere literarische Eigenart dieses Evangeliums, seine besonderen theologischen Fragestellungen und Antworten herauszuarbeiten

M. Wetzel

 Adventsbesinnung: Donnerstag in der 1. Adventswoche - 3. Dezember - Hl. Franz Xaver

Die Kirche feiert heute den Gedenktag eines der bedeutendsten Missionare: des Heiligen Franz Xaver.
Francisco Javier, einer der Mitbegründer des Jesuitenordens zusammen mit Ignatius von Loyola, ging als rastloser Missionar nach Indien und Japan, beim Versuch, auch in China das Evangelium zu verkündigen, starb er am 3. Dezember 1552 in der Nähe der Stadt Kanton.

Seine Berichte lösten eine Welle der Begeisterung für die Mission aus; im Grunde wurde die katholische Kirche erst in seiner Zeit zur 'Weltkirche' mit Gemeinden in den verschiedensten Regionen.

Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Gott, du Heil aller Menschen,

du hast durch das Wirken
des heiligen Franz Xaver
vielen Völkern den Weg zu dir gewiesen.
Wecke in deinen Gläubigen
den Sinn für die missionarische Arbeit
und schenke ihnen Eifer
für die Ausbreitung des Glaubens,
damit die Kirche überall auf der Welt erstarke und wachse.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


Der Tag des Heiligen Franz Xaver kann uns stärken in der Freude, zu einer weltweiten Gemeinschaft zu gehören. Es ist wunderbar, dass wir uns an jedem Tag gewiss sein können, dass Menschen in allen Kontinenten, in unzähligen Städten und Dörfern, gemeinsam mit uns das Vater Unser beten, die Sakramente empfangen, den Glauben der Kirche bekennen und eine große, weltweite Familie bilden. 'Mission' ist aber nicht nur ein Auftrag für große Gestalten wie Franz Xaver: der Auftrag Jesu gilt uns allen, jedem in seinen besonderen Lebensverhältnissen:

Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäusevangelium, 28, 19f)

M. Wetzel


Mittwoch, 2. Dezember 2020

 

Adventsbesinnung: Mittwoch in der 1. Adventswoche - 2. Dezember


Der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben

mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen,

mit den feinsten, fetten Speisen, / mit erlesenen, reinen Weinen.

Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, / und die Decke, die alle Nationen bedeckt.

Er hat den Tod für immer verschlungen / und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen

und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, / denn der Herr hat gesprochen.

An jenem Tag wird man sagen: / Siehe, das ist unser Gott,

auf ihn haben wir gehofft, / dass er uns rettet.

Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

10 Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg. / Moab aber wird an seiner Stätte zerstampft, / wie Stroh in der Jauche zerstampft wird. (Jesaja 25, 6-10a)

Die heutige Lesung ist geprägt von einem besonders eindrucksvollen Bild aus dem Propheten Jesaja: das messianische Festmahl, das Gott auf dem Zionsberg für alle Völker geben wird.


Zum neutestamentlichen Gebrauch dieses Bildes hier ein Zitat aus einem Bibellexikon:


Im Neuen Testament ist das Thema des messianischen Festmahls in der Tradition des Evangeliums besonders prominent. Jesu Vorkehrungen für die Hungrigen in seinen Speisewundern (Mt 14,13-21 = Markus 6,32-44 = Lukas 9,10-17 = Johannes 6,1-15; Mt 15,32-39 = Markus 8,1-10; Johannes 2,1-11) werden durch das Thema der Seligpreisungen parallelisiert: "Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden" (Lukas 6,21 [= Mt 5,6). In einem der Lieblingsbilder der Gleichnisse wird das Reich Gottes mit einem großen Festmahl verglichen (Mt 22,1-10 = Lk 14,16-24). In der Tat werden die Themen freudiges Mahl, Gericht, Pilgerfahrt der Völker und Gegenwart des Messias in der frühen Tradition auf wunderbare Weise zusammengeführt: "Der Menschensohn kam zum Essen und Trinken, und sie sagen: 'Siehe, ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder'" (Mt 11,19 = Lk 7,34). Dieses Thema wird dann von den Evangelienschreibern, insbesondere von Lukas, mit zahlreichen Hinweisen auf die Tischgemeinschaft mit Jesus aufgegriffen (Mt 9,10-13 = Markus 2,15-17 = Lukas 5,29-32).

Das Thema der Pilgerfahrt der Völker zu Tisch wird zum Appell für die entstehende Heidenkirche und wird in Verbindung mit dem Thema der göttlichen Umkehrung so interpretiert, dass sie den Platz Israels am Tisch einnehmen werden: "Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen, während die Söhne des Reiches in die äußere Finsternis geworfen werden; dort werden die Menschen weinen und mit den Zähnen knirschen" (Mt 8,11-12 [= Lk 13,28-29]; vgl. Lk 16,19-31; 14,16-24 [= Mt 22,1-10]; 22,28-30; Jeremia 1958: 59-63).

Das messianische Festmahl wird manchmal als Hochzeitsmahl dargestellt. Dieses Thema ist in der biblischen Literatur besonders prominent als Symbol für die Beziehung Gottes zum Volk Israel (Hos 2,1-23; Jes 54,4-8; Hes 16,7-8) oder, im NT, als Symbol für die Beziehung zwischen Christus und der Kirche (Joh 3,29; 2 Kor 11,2; Eph 5,23-32). Das Hochzeitsmahl als Spiegelbild des heiligen Hochzeitsthemas findet sich im Hohelied (2,4; 5,1), aber wichtiger für das apokalyptische Denken ist Jes 54,5-55,5, wo das Thema einer göttlichen Hochzeit (54,5) mit einem freudigen Fest verbunden wird, das sich durch eine Fülle von Speisen (55,1-2), die Rechtfertigung der Gerechten (54,6-17) und die Pilgerfahrt der Völker (55,5) auszeichnet. Dieses Thema wird dann im NT aufgegriffen, wo es zu einem herausragenden Bild für die Freuden des Reiches Gottes in der Tradition des Evangeliums wird, besonders in den Gleichnissen (Mt 9,15 = Markus 2,19-20 = Lukas 5,34-35; Mt 22,1-14; 25,1-13; Lk 14,7-11; vgl. Joh 3,29) und das Wunder zu Kana (Johannes 2,1-11). In der Offenbarung ist es das Hauptmotiv für das messianische Festmahl (19:7-9; 21:2, 9; 22:17).

aus: SMITH, DENNIS E.: Messianic Banquet, FREEDMAN, D. N. (ed.). The Anchor Yale Bible Dictionary, 4.
(übersetzt mit DeepL)

Wir können den Vorgeschmack auf dieses messianische Festmahl überall in unserem Leben wiederfinden: in Mahlzeiten mit Freunden und Verwandten, in einem festlichen Essen an Weihnachten, im heiligen Festmahl der Eucharistie.


M. Wetzel


Dienstag, 1. Dezember 2020

 

Adventsbesinnung: Dienstag in der 1. Adventswoche - 1. Dezember


Die Tageslesung vom Dienstag in der ersten Adventswoche stammt aus dem 11. Kapitel im Buch des Propheten Jesaja:

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.

Der Geist des Herrn ruht auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht,

der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.

Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des Herrn. / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht,

sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.

Er schlägt das Land / mit dem Stock seines Mundes

und tötet den Frevler / mit dem Hauch seiner Lippen.

Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften / und die Treue der Gürtel um seine Lenden.

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein.

Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Junge leitet sie.

Kuh und Bärin nähren sich zusammen, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter / und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.

Man tut nichts Böses / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg;

denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie die Wasser das Meer bedecken.

10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Feldzeichen für die Völker;

die Nationen werden nach ihm fragen / und seine Ruhe wird herrlich sein. (Jes 11, 1-16)


Lesungen aus Jesaja prägen die Adventszeit, und ganz besonders diese. Sie stellt zwei Bilder vor Augen: der neue Zweig, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst, verweist in der Zeit des Jesaja auf den Niedergang des Königtums in Jerusalem (Isai, der Vater des Königs David, steht für diese Dynastie), zugleich aber auf neue Hoffnung. Vielleicht hat der Prophet damit zunächst eine naheliegende Hoffnung gemeint: einen neuen König, der es besser machen soll als seine Vorgänger. Aber das zweite Bild: der umfassende, paradiesische Friede, in der Natur wie unter den Völkern, geht weit über das hinaus, was irgendein irdischer Herrscher bewirken könnte. Hier kommt die messianische Hoffnung Israels, die Hoffnung auf einen göttlichen Erlöser, in den Blick.


Dieser Text könnte uns heute anleiten, darüber nachzudenken, wie sich im eigenen Leben die kleinen, naheliegenden Hoffnungen und die großen, umfassenden Träume zueinander verhalten. Unmittelbare Erwartungen, Hoffnungen für das Nächstliegende sind leicht benannt: Gesundheit, Erfolg im Beruf, Harmonie in der Familie und vieles Andere. Ist das schon alles? Trauen wir uns noch, darüber hinaus zu hoffen, Großes zu erwarten? Umfassender Friede, Gerechtigkeit für alle Völker, Überwindung von Leid und Tod – das scheinen für Viele weltfremde Utopien zu sein. Als Christen bekennen wir uns dazu, dass diese großen Hoffnungen nicht sinnlos sind, dass sie nicht vergessen werden, dass sie im Auftreten Jesu einen konkreten Ort gefunden haben.


M. Wetzel


Montag, 30. November 2020

 

Adventsbesinnung: Montag, 30. November,

Fest des Apostels Andreas

Das Evangelium von heute passt gut zum Anfang der Adventszeit und zum Fest des Apostels Andreas, das die Kirche am 30. November feiert:

18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. 19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie 22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach. (Mat 4, 18-22)

Andreas gehört also zu den ersten Jüngern Jesu; nach dem Johannesevangelium war er sogar der Erste, der von Jesus gerufen wurde und der dann seinen Bruder Simon auch zu Jesus führte. Das Fest des Apostels Andreas hat auch eine ökumenische Bedeutung: es wird gemeinsam von orthodoxen und katholischen Christen am 30.11. gefeiert; Andreas hat (als Patron von Konstantinopel) für die orthodoxen Kirchen eine ähnliche Bedeutung wie Petrus für die römisch-katholische Kirche.

Zu Beginn des Advents lädt der Blick auf die ersten Jüngerberufungen ein, sich persönlich zu fragen: wie steht es mit meiner eigenen Geschichte mit Jesus? Höre ich seine Stimme, seine gute Einladung? Bin ich bereit, mit ihm einen Weg zu gehen? Kann ich vielleicht sogar andere zu dieser Weggemeinschaft einladen?


Allmächtiger Gott,

du hast deiner Kirche

den heiligen Apostel Andreas

als Boten des Glaubens und als Hirten gegeben.

Erhöre unser Gebet

und gib, dass auch die Kirche unserer Tage

die Macht seiner Fürsprache erfahre.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Beginn der ersten Adventswoche.

M. Wetzel


Sonntag, 29. November 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 2


Warum eigentlich vier Evangelien?

Ist es nicht merkwürdig, dass die frühe Kirche uns gleich vier Berichte über Jesus überliefert hat – die vier Evangelien nach Matthäus, Markus und Johannes? Wäre es der Klarheit und Eindeutigkeit der Glaubensverkündigung nicht zugute gekommen, wenn es nur eine Erzählung über die Taten und Worte Jesu geben würde? Immerhin gibt es ja eine ganze Reihe von Unterschieden und kleinen Abweichungen zwischen den vier Evangelien. Und gerade im Blick auf das Markusevangelium stellt sich die Frage: Wozu braucht es dieses Evangelium? Der größte Teil des Stoffes aus dem Markusevangelium findet sich auch bei Matthäus und Lukas. Und dann gibt es ja noch eine ganze Reihe anderer Evangelienschriften aus der Zeit der frühen Christenheit – das Thomasevangelium, ein Evangelium, das besonders Geschichten vom jungen Jesus berichtet und einige andere. Warum wurden sie nicht ins Neue Testament aufgenommen?

Ich denke, die Christen im ersten Jahrhundert haben heftig über diese Fragen gestritten. Und ich bin froh, dass sie sich entscheiden haben, uns gerade diese vier Evangelien zu überliefern, die wir heute in der Bibel finden. Sie sagen uns damit: es gibt viele Wege, zu Jesus zu finden und von ihm zu erzählen. Es geht nicht um den Buchstaben eines Buches, sondern um die lebendige, faszinierende Gestalt des Jesus von Nazareth. Es kommt nicht darauf an, dass seine Worte und Taten von allen mit dem gleichen Wortlaut erzählt werden, sondern darauf, dass sein Geist uns erfüllt, dass er lebendig bei uns ist. Es ist allerdings keine beliebige Geschichte, die man willkürlich ändern und ausgestalten könnte. Die vier Evangelien geben uns verlässlich den Glauben und die Überlieferung der ersten Christen wieder. 

Es ist richtig, dass wir fast jeden Vers aus dem Markusevangelium – oft in etwas anderer Formulierung – auch im Matthäusevangelium finden, und den größten Teil auch bei Lukas. Trotzdem hat es einen guten Sinn, dass uns das Markusevangelium als eigene Schrift überliefert ist. Es hat seine ganz eigene Sicht auf Jesus und seine Jünger und es ist nach nahezu übereinstimmender Ansicht der heutigen Bibelwissenschaftler das früheste Evangelium.


Die Beschäftigung mit einem Buch der Bibel soll nie nur in vergangene Zeiten blicken. Das Markusevangelium macht uns Mut, die eigne, ganz persönliche Geschichte mit Jesus zu entdecken.


M. Wetzel


Adventsbesinnung: Sonntag, 29. November, 1. Advent

Im neuen Kirchjahr werden wir am Sonntag in der Regel Abschnitte aus dem Markusevangelium hören. Am 1. Advent ist es der Schluss des 13. Kapitels, des ‚apokalyptischen‘ Kapitels bei Markus.

In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern:
33Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
34Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
35Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
36Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
37Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam! (Mk 13, 33-37)

Im Judentum der Zeit Jesu und der letzten 150 Jahre zuvor gab es eine reich entwickelte apokalyptische Literatur. Dabei ging es immer wieder um die ‚letzten Dinge‘: um das Gericht Gottes, und um die Katastrophen, die diesen großen Tag des Herrn einleiten sollten. Es fällt auf, dass diese apokalyptische Redeweise typisch für die Armen, die Entrechteten war: sie mussten erleben, dass die Mächtigen über sie hinweggingen, dass ihre Nöte keine Beachtung fanden, dass sie ihre Hoffnung allein auf ein wunderbares Eingreifen Gottes setzen konnten.

Diese Hoffnung Israels nimmt Jesus auf. Bei ihm geht es nicht um eine Spekulation über das Datum oder die Umstände des Weltendes, sondern darum, dass die ‚apokalyptische Situation‘ das Leben der Jüngerinnen und Jünger insgesamt prägen soll: sie sollen nicht auf die Pläne der Reichen und Mächtigen vertrauen, sondern den Schrei der Armen hören, sollen wach und aufmerksam leben, immer bereit, dem Herrn zu begegnen. Die nüchterne Bereitschaft, heute das Notwendige zu erkennen, heute so zu leben, als ob morgen Jesus wiederkommt, prägt die christliche Ethik. 

Dazu ein Zitat aus einem Bibelkommentar:

Christliche Lehrer und Prediger sind oft erschrocken über Markus 13 und andere apokalyptische Passagen aus dem Neuen Testament. Das ist deshalb so, weil die Begriffe und Bilder sehr fremd erscheinen und weil diese Texte im Laufe der Jahrhunderte von "falschen Messias und falschen Propheten" missbraucht wurden, um Menschen zu manipulieren und sie sogar zu destruktiven Handlungen zu bewegen. Dennoch spielt Markus 13, wie diese Interpretation zu zeigen versucht hat, eine wichtige Rolle in der christlichen Theologie und im christlichen Leben und sollte ernst genommen werden.

Der erste Schritt zum Abbau von Vorurteilen gegenüber der Apokalyptik besteht darin, ihre literarischen Konventionen zu würdigen, insbesondere ihre Wiederverwendung von Bildern und Mythen aus dem Alten Testament im neuen Kontext der zukünftigen Entfaltung von Gottes Plan. Der nächste Schritt besteht darin, die historischen Umstände zu würdigen, unter denen die jüdischen und christlichen Apokalypsen als "Literatur der Enteigneten" verfasst wurden. Der dritte Schritt besteht darin, zu versuchen, die bleibende theologische Bedeutung zu erfassen, die ein apokalyptischer Text wie Markus 13 haben könnte.

Markus 13 wendet sich mit den Konventionen der Apokalyptik an Christen, die um des Namens Jesu willen gelitten haben und noch mehr erwarten können. Diese Menschen stellten im römischen Reich eine winzige Minderheit dar und setzten ihre Hoffnung auf Rechtfertigung notwendigerweise auf Gott. In der apokalyptischen Vision fanden sie einen Grund für Jesu Leiden und ihr eigenes ("es ist notwendig") sowie die Verheißung, dass ihr Leiden bald in Herrlichkeit enden würde (so wie sie glaubten, dass das Leiden Jesu es tat). Die Sprache der jüdischen Apokalyptik - das Reich Gottes, Messias und Menschensohn, Auferstehung, das jüngste Gericht - lieferte viele ihrer wichtigsten theologischen Ideen. Die Überzeugung, dass die Welt verwandelt werden würde und dass sie mit dem auferstandenen Jesus in Herrlichkeit herrschen würden, gab ihnen einen Horizont der Hoffnung, vor dem sie ihre gegenwärtigen Leiden deuten konnten, und das Beharren auf ständiger Wachsamkeit half ihnen, Bedeutung und ethische Ausrichtung ihres Handelns in der Gegenwart zu finden.

 

Aus: DONAHUE, JOHN R. ; HARRINGTON, DANIEL J. ; HARRINGTON, D. J. (ed.): The Gospel of Mark, Sacra Pagina Series. vol. 2. Collegeville, MN : The Liturgical Press, 2002


 

 

 

 

 

Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Pfarrer Martin Wetzel


Samstag, 28. November 2020

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 1


Ein bisschen Statistik:
Das Markusevangelium ist das kürzeste der 4 Evangelien. Es umfasst 673 Verse in 16 Kapiteln: insgesamt 11.286 Wörter im griechischen Text. Das längste Evangelium ist das Lukasevangelium (19.446 Wörter)
Das häufigste Substantiv bei Markus ist der Name "Jesus": er kommt 82mal vor. Das häufigste Verb ist "légo"(deutsch: sagen, reden): es kommt 204mal vor.

Die Kürze des Markusevangeliums lädt dazu ein, diese Schrift des Neuen Testaments nicht nur 'häppchenweise' in den Sonntagsevangelien zu hören, sondern es einmal am Stück zu lesen. Dadurch wird der Zusammenhang der einzelnen Teile besser bewusst.

M. Wetzel

 Es geht weiter im Blog...

Im Advent werden Sie hier an jedem Tag eine kurze Besinnung finden.

Außerdem werde ich im Blog Infos und Erklärungen zum Markus-Evangelium posten, das uns im neuen Kirchenjahr in den Sonntagsevangelien begleiten wird.

M. Wetzel

Sonntag, 27. September 2020

 26. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis


Das Evangelium vom heutigen Sonntag ist aus dem 21. Kapitel des Matthäusevangeliums:

In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 32Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mat 21, 28-32)

Im 21. Kapitel des Matthäusevangeliums hat sich der Konflikt Jesu mit den ‚Hohepriestern und Ältesten‘, also mit den führenden Kreisen in Jerusalem, bereits sehr zugespitzt. Zuvor wurde der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem berichtet, bei dem er vom Volk als der erwartete Messias begrüßt wird, und die Tempelreinigung, mit der er gegen die Veräußerlichung des Tempelkultes Stellung bezieht. Im heutigen Evangelium greift Jesus die Hohepriester und Ältesten besonders heftig an:  „Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Jesus verlangt von seinen Zuhörern, auf dem „Weg der Gerechtigkeit“ konkrete Schritte zu gehen – bloßes Reden genügt nicht. Dies wird bei ihm jedoch nicht zu einer Leistungsethik, die schnell zur Selbstgerechtigkeit führen könnte, sondern zur Aufforderung, die Früchte der Umkehr überall mit Freude anzunehmen, auch bei den ‚Zöllnern und Dirnen‘. 

Im Tagesgebet der Sonntagsmesse beten wir:

Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 20. September 2020

 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der St. Josefskirche.


Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis


Am heutigen Sonntag hören wir aus dem Matthäusevangelium das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg:

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

1Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging,

um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

3Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten.

4Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.

5Und sie gingen.

Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.

6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen.

Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? 7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!8Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:

Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!

9Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár.

10Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denár.

11Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn 12und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt.

Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.

13Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? 14Nimm dein Geld und geh!

Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.

15Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?

Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?

16So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte. (Mat 20, 1-f)

Das Gleichnis nimmt eine Erfahrung aus, die jeder von uns kennt: bei Gott scheint es nicht immer gerecht zuzugehen. Der eine hat mühelos Glück und Erfolg in seinem Leben, ein anderer, der sich vielleicht mehr Mühe gegeben hat und alles richtig machen wollte, wird vom Unglück verfolgt. Das Handeln Jesu, der sich den Sündern, den Zöllnern zuwendet, verschärft dies noch: haben diejenigen, die immer fromm und gerecht waren, nicht Grund, sich zu beklagen? Das Gleichnis warnt davor, auf dieses Verhalten Jesu mit Neid zu reagieren: Böse zu sein, weil Gott gut ist. Aber Jesus belässt es nicht bei einem moralischen Appell: sei nicht neidisch! – er bietet auch eine Therapie gegen den Neid an: Weil wir Gottes überreiche Güte durch Jesus erfahren, weil jeder den vollen Lohn bekommt, der sich von ihm anwerben lässt, haben wir es nicht mehr nötig, neidisch und kleinlich gegeneinander zu sein. 


Im Tagesgebet der heutigen Messe beten wir:

Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe

zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen

als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.

Gib uns die Kraft,

dieses Gebot treu zu befolgen,

damit wir das ewige Leben erlangen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


Bitte beachten Sie: am kommenden Sonntag ist in der Maria Hilf Kirche keine Heilige Messe, sondern wir laden am 27.9. ein zum Ökumenischen Gottesdienst um 11.00 Uhr auf dem 48-er Platz.

In der St. Josefskirche ist am 27.9. der 11-Uhr-Gottesdienst eine Erstkommunionfeier, zu der keine Anmeldung möglich ist. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute kommende Woche,


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 13. September 2020

 24. Sonntag im Jahreskreis

Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Maria Hilf Kirche. 


Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis


Im Sonntagsevangelium hören wir heute das Ende der ‚Gemeinderede‘ Jesu im Matthäusevangelium:


In jener Zeit

21 trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,

wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?

22 Jesus sagte zu ihm:

Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.


23 Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. 24 Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

25 Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.

26 Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

27 Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.

28 Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war.

Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!

29 Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.

30 Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.

31 Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

32 Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.

33 Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

34 Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

35 Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt. (Mat 18, 21-35)


Das, was der Knecht im Gleichnis mit seinem Mitknecht macht, der ihm nur eine geringe Summe schuldig ist, ist eigentlich nichts Besonderes: so geht es eben zu in unserer Welt: Schulden müssen zurückgezahlt werden, jeder sucht seinen Vorteil, wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. 

Aber das Verhalten des Königs im Gleichnis – der natürlich für Gott steht – hat eine ganz andere Welt begründet: eine Welt, in der es Vergebung, Erlass von Schuld in unbegreiflichem Maß gibt. Eine Welt, die nicht mehr vom gegenseitigen Aufrechnen von Schuld und Versagen geprägt ist, sondern von großzügig schenkender Liebe. Der Knecht im Gleichnis war in diese Welt schon hineingezogen, der König hatte ihm seine gewaltigen, unbezahlbaren Schulden erlassen. Er scheitert daran, in dieser neuen Wirklichkeit zu leben und im gleichen Geist mit seinen Mitmenschen umzugehen. Die Mahnung, die der Evangelist uns geben will, ist klar: Wir sind als Jüngerinnen und Jünger bereits in die neue Wirklichkeit Gottes hineingenommen. Jeder von uns hat unbegreifliche, überströmende Liebe und Vergebung von Gott empfangen. Die Konsequenz muss sein, diese Liebe und Vergebung auch einander weiterzugeben, zumal in den Kleinigkeiten des Alltags. Wenn wir daran scheitern, wenn wir die neue Wirklichkeit Gottes verlassen, wenn wir untereinander hartherzig bleiben, verspielen wir auch für uns Gottes Barmherzigkeit und Liebe.


Im Tagesgebet der Messe beten wir:


Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns.

Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen

und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 6. September 2020

 23. Sonntag im Jahreskreis - Weltkirchlicher Tag der Gebetes und der Solidarität mit den Leidtragenden der Corona-Pandemie


Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der St. Josefs Kirche.


Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis


Im heutigen Evangelium lesen wir:


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

15Wenn dein Bruder gegen dich sündigt,

dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!

Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.

16Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir,

damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen

entschieden werde.

17Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde!

Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,

dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

18Amen, ich sage euch:

Alles, was ihr auf Erden binden werdet,

das wird auch im Himmel gebunden sein,

und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,

das wird auch im Himmel gelöst sein.

19Weiter sage ich euch:

Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten,

werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.

20Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,

da bin ich mitten unter ihnen. (Mat 18, 15-20)


Wir wissen es alle: das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe steht im Zentrum der Verkündigung Jesu. Aber manchmal fragen wir uns etwas ratlos: genügt das schon zur Lösung aller Probleme? Brauchen wir Menschen nicht handfestere Regeln und Gesetze? Aber wir würden Jesus missverstehen, wenn wir das Gebot der Liebe nur als eine allgemein gehaltene Aufforderung zur Sympathie ohne reale Konsequenzen verstehen würden. Das heutige Evangelium zeigt, dass Jesus das Liebesgebot in ganz konkreter, handfester Weise versteht: Im Konfliktfall den Anderen nicht bloßstellen, sondern zuerst unter vier Augen, dann mit wenigen anderen versuchen, die Sache zu klären: das heißt für Jesus: den Nächsten lieben. Am Ende, falls jede Einsicht fehlt, muss aber auch die Gemeinschaft vor dem Einzelnen geschützt werden, uns sei es durch dessen Ausschluss. 


Diesen Sonntag haben die Deutschen Bischöfe zu einem „Weltkirchlichen Sonntag des Gebets und der Solidarität mit den Leidtragenden“ angesichts der Corona-Pandemie ausgerufen. 


Wir beten

für alle Erkrankten – erbarme dich; 

für alle im Gesundheitswesen – erbarme dich; 

für alle, die Versorgung, Betreuung und Sicherheit gewährleisten – erbarme dich; 

für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft – erbarme dich; 

für alle, die Angst haben und verunsichert sind – erbarme dich; 

für die Alten und Kranken – erbarme dich; 

für die Kinder – erbarme dich; 

für die, die wirtschaftlich gefährdet sind – erbarme dich; 

für alle Menschen weltweit und für Solidarität miteinander – erbarme dich; 

für die Verstorbenen und Trauernden – erbarme dich. 

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, aller Seligen und Heiligen bitten wir um deine Hilfe. Wende uns dein Antlitz zu und sei uns gnädig. 

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.


Wir bitten Sie auch um Ihre Spende für die Hilfe in den Ländern, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind

Für die Aktion ist ein Sonderkonto für Spenden eingerichtet (Verband der Diözesen Deutschlands, Stichwort: Corona-Kollekte 2020, IBAN DE53 4006 0265 0003 8383 03, GENODEM1DKM, Darlehnskasse Münster). Mit dem Erlös fördert die Kirche in Deutschland die Arbeit ihrer weltkirchlichen Werke und der Orden, die in der internationalen Corona-Hilfe aktiv sind.:


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 23. August 2020

 21. Sonntag im Jahreskreis




Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium vom heutigen Sonntag hören wir das Bekenntnis des Petrus zu Jesus als dem Messias, dem Sohn des lebendigen Gottes, und das Verheißungswort Jesu an Petrus:

In jener Zeit,
13 als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
16 Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
17 Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
18 Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
20 Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei. (Mat 16, 13-20)

Wir erfahren hier das Entscheidende über Jesus, über die Kirche, und über Petrus. Damit sind wir an einer zentralen Stelle des Matthäusevangeliums angelangt. Der Glaube wird hier ganz konkret: Nicht irgendeine der großen Prophetengestalten des Alten Bundes wiederholt sich in Jesus, sondern Simon Petrus bekennt sich dazu, dass er in diesem Menschen, der vor ihm steht, den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes erkennt. Die große Hoffnung Israels hat nun ein Gesicht bekommen, Gott selber wird erkennbar im Blick auf Jesus von Nazareth. Jesus antwortet dem Petrus mit einer genauso konkreten Aussage: nicht in irgendeiner beliebigen Form wird seine Botschaft weitergegeben werden, sondern die neue Versammlung des Gottesvolkes – seine Kirche – wird ein konkretes Fundament haben: Petrus. Dieser Kirche wird Dauerhaftigkeit zugesagt: Die ‚Pforten der Unterwelt‘ – also die Macht des Todes – sollen sie nicht überwältigen. 
Die Auslegung der Verheißung an Petrus ist bis heute auch ein Streitpunkt zwischen den Konfessionen. Die katholische Kirche sieht hier nicht nur die persönliche Rolle des Simon Petrus angesprochen, sondern das Petrusamt, den Petrusdienst, die an die Nachfolger des Petrus weitergegeben werden bis zu unserem derzeitigen Papst. Natürlich lagen die späteren kirchengeschichtlichen Entwicklungen noch außerhalb des Horizonts des Evangelisten Matthäus. Aber der Sinn der Worte Jesu geht doch deutlich in die Richtung, dass er seine Lehre, seine Vollmacht hier in die Hände des Petrus legt – und bestimmt nicht will, dass seine Kirche nach dem Tod des Petrus ohne Führung, ohne Fundament, ohne einen Garanten der Einheit bleibt. Dieses Evangelium erinnert uns daran, dass die Nachfolge Jesu nicht im Allgemeinen und Abstrakten bleiben kann. Sie muss sich auf die konkreten Menschen, die Brüder und Schwestern an unserer Seite, einlassen. Sie steht in der konkreten Gemeinschaft mit der weltweiten Kirche und wird nicht von einer Idee oder einem Prinzip zusammengehalten, sondern von einer konkreten Person, die in der Vollmacht Jesu handelt: vom Nachfolger des Petrus, dem Bischof von Rom. 

Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, dass wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer  Martin Wetzel

Sonntag, 16. August 2020

 20. Sonntag im Jahreskreis


Hier finden Sie die Predigt vom 15. August zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.


Impuls zum 20. Sonntag im Jahreskreis


Das Evangelium vom heutigen Sonntag erzählt von dem Wunder, das Jesus auf Bitten einer heidnischen Frau wirkt:

In jener Zeit 21 zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

22Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm

und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!

Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.

23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort,

denn sie schreit hinter uns her!

24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

25Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!

26Er erwiderte:

Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.

27Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen,

die vom Tisch ihrer Herren fallen.

28Darauf antwortete ihr Jesus:

Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an

war ihre Tochter geheilt. (Mat 15, 21-28)

Am Ende sagt Jesus: „Frau, dein Glaube ist groß.“ Das steht in betontem Gegensatz zum „Kleinglauben“, der öfters den Jüngern bescheinigt wird. Dieses Evangelium kann uns einladen, darüber nachzudenken, wie wir dieses Wort ‚Glaube‘ verstehen können. Im Zusammenhang der Begegnung Jesu mit der heidnischen Frau bedeutet ‚Glaube‘ offensichtlich ganz und gar nicht ein passives Geschehenlassen oder nur eine stille Ergebung in Gottes Willen. Die heidnische Frau lässt sich nicht abweisen: sie argumentiert, ja sie streitet mit Jesus. Und Jesus weist dies keineswegs als unpassend oder ungehörig ab. Man gewinnt den Eindruck, dass er geradezu froh darüber ist, dass sie ihm ein Argument an die Hand gibt, das es ihm erlaubt, ihrer Tochter doch zu helfen. 

Für uns kann das bedeuten: ‚Glaube‘ kann auch in unserem Leben viele Formen annehmen. Dazu gehört auch die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit Gott, der Ärger und das Unverständnis, das wir vor ihm ausbreiten. Gott weist unsere Argumente nicht zurück. Am Ende erweist sich seine Liebe und Barmherzigkeit immer als größer, als wir für möglich gehalten haben. 


Das Tagesgebet der heutigen Messe lautet:


Barmherziger Gott, was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,

das hast du denen bereitet, die dich lieben.

Gib uns ein Herz,

das dich in allem und über alles liebt,

damit wir

den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,

der alles übersteigt, was wir ersehnen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 

der in der Einheit des Heiligen Geistes 

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


 Ich wünsche Ihnen einen frohen, gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


 Christi Himmelfahrt Predigt und Orgelspiel aus der Vorabendmesse M. Wetzel