Adventsbesinnung: Freitag in der 1. Adventswoche - 4. Dezember
17 Ist es nicht nur noch eine kurze
Zeit, / dann wandelt sich der Libanon in einen Baumgarten / und der
Baumgarten wird als Wald gelten?
18 Die Tauben werden an jenem Tag die
Worte des Buches hören / und aus Dunkel und Finsternis werden die
Augen der Blinden sehen.
19 Die Gedemütigten freuen sich
wieder am Herrn / und die Armen unter den Menschen jubeln über den
Heiligen Israels.
20 Denn der Unterdrücker ist nicht
mehr da, / der Spötter ist am Ende, / ausgerottet sind alle, die auf
Böses bedacht sind,
21 die durch ein Wort Menschen zur
Sünde verleiten, / die dem, der im Stadttor entscheidet, Fallen
stellen / und den Gerechten mit haltlosen Gründen wegdrängen.
22 Darum – so spricht der Herr zum
Haus Jakob, / der Herr, der Abraham losgekauft hat:
Nun braucht sich Jakob nicht mehr zu schämen, / sein
Gesicht muss nicht mehr erbleichen.
23 Denn wenn er seine Kinder, das
Werk meiner Hände, in seiner Mitte sieht, / werden sie meinen Namen
heilig halten.
Sie werden den Heiligen Jakobs heilig halten / und
den Gott Israels werden sie fürchten.
24 Dann werden, die verwirrten
Geistes waren, Einsicht erkennen, / und die murrten, nehmen Belehrung
an. (Jesaja 29, 17-24)
In
einem Bibelkommentar zu diesem Abschnitt des Jesajabuches heißt es:
Die
Umkehrung des Schicksals nimmt eine eigenwillige Wendung. Das Urteil
über diejenigen, die sich der Überprüfung durch JHWH entziehen
wollen, ist verständlich. Die Wende des Schicksals, die den Tauben,
Blinden, Sanftmütigen und Demütigen den Sieg beschert, ist in der
Vision zu erwarten, ebenso wie das Ende schlauer Hinterhältigkeit.
Aber das Wort über Jakob kommt überraschend. Gottes fortwährende
Liebe zu Israel und seine unsterbliche Hoffnung auf eine echte
Antwort sind Manifestationen seiner unendlichen Gnade.
aus:
WATTS, JOHN D. W.: Isaiah 1–33, Word Biblical Commentary. vol. 24.
Revised Edition. ed. Nashville : Thomas Nelson, Inc, 2005 (übersetzt
mit DeepL)
Besonders
auffällig in dieser Passage ist die 'Armentheologie' des Propheten:
nicht durch die Macht eines Königs wird Rettung erwartet, sondern am
Ende wird Gottes armes, gedemütigtes Volk das Heil finden. Damit ist
ein adventliches Thema angeschlagen, das im 'Magnificat', dem
Lobgesang Marias, seinen neutestamentlichen Ausdruck finden wird.
Das
soziale und wirtschaftliche Gefälle zwischen den Armen und den
Arroganten war gravierend und konnte nicht mehr lange andauern. Der
Prophet glaubte, dass eine Umkehr des Schicksals kommen würde. Gott
war im Begriff, für diejenigen zu handeln, die unterdrückt wurden.
Die Niedrigen und Armen werden Freude finden, während die Arroganten
verschwunden sein werden. Wenn die Frommen Gottes Handeln in ihrem
Namen sehen, wird ihr Glaube bestätigt werden, und sie werden zu
einer immer größeren Treue zu Gott geführt werden, denn sie werden
in Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit stehen.
aus: HOPPE, LESLIE
J. ; DURKEN, D. (ed.): Isaiah, The New Collegeville Bible Commentary.
vol. 13. Collegeville, MN : Liturgical Press, 2012 (übersetzt mit
DeepL)
Im
Tagesgebet der Messe vom Freitag in der 1. Adventswoche beten wir:
Biete
auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den
Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und
rette uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen
Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
M.
Wetzel