Sonntag, 20. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: 4. Adventssonntag - 20. Dezember


26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35 Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. 36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. 37 Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38 Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lukas 1, 26-38)


Die Verkündigungsszene aus dem Lukasevangelium lädt uns ein, Weihnachten zu einem ganz persönlichen Erlebnis zu machen:
Ja sagen zu Gottes Plänen, so wie Maria: dann kommt Jesus an in unserem Leben. Glauben wie Maria: dann erfahren wir, dass für Gott nichts unmöglich ist.
Vertrauen wie Maria: dann dürfen wir persönlich die gute Zusage hören: Fürchte dich nicht.
Offen sein für die überraschenden Möglichkeiten Gottes: Dann wirkt sein Heiliger Geist auch bei uns.


Fürbitten

Beten wir für alle, die mit den besonderen Einschränkungen und Belastungen der Corona-Zeit nicht zurechtkommen, dass sie Unterstützung und menschliche Zuwendung finden.


Beten wir für alle, die im Gesundheitswesen einen schweren Dienst verrichten: dass sie von der Solidarität vieler getragen sein können.


Beten wir für alle Schwerkranken und Sterbenden, dass sie eine gesegnete Sterbestunde finden.


Im Tagesgebet der Messe vom 4. Advent beten wir:

Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


O-Antiphon vom 20. Dezember:

O clavis David -

O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel -
du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und niemand kann öffnen.
O komm und führe den Gefangenen und den, der in Finsternis und im Schatten des Todes sitzt, aus dem Kerker.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 4. Adventssonntag und eine gute letzte Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.


M. Wetzel


Samstag, 19. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: 19. Dezember


Der Antwortpsalm der heutigen Liturgie ist aus Psalm 71:3–4a, 5–6ab, 16–17:

3 Sei mir ein schützender Fels, 
zu dem ich allzeit kommen darf! 
Du hast geboten, mich zu retten, 
denn du bist mein Fels und meine Festung. 
4 Mein Gott, rette mich aus der Hand des Frevlers, 
aus der Faust des Bedrückers und Schurken! 

5 Denn du bist meine Hoffnung, 
Herr und GOTT, meine Zuversicht von Jugend auf. 
6 Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt, 
aus dem Schoß meiner Mutter hast du mich entbunden, 
dir gilt mein Lobpreis allezeit. 

16 Ich komme wegen der Machttaten GOTTES, des Herrn, 
an deine Gerechtigkeit allein will ich erinnern. 
17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf 
und bis heute verkünde ich deine Wunder. 

Bilder von Stärke und Zuverlässigkeit werden hier gebraucht: Gott wird als 'Fels' und 'Festung' angesprochen. Im Neuen Testament wird das Bild vom Felsen vor allem bei Matthäus aufgenommen: Jesus spricht davon, dass wir das Haus unseres Lebens auf Felsen, nicht auf Sand bauen sollen (Mat 7, 24); und er nennt Simon Petrus, der ihn als den Messias bekannt hat, den 'Felsen', auf den er seine Kirche bauen wird (Mat 16, 18).

Heute beginnt die Zeit, in der wir auf öffentliche Gottesdienste verzichten - um das Leben und die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden. Da hat es eine besondere Bedeutung, wenn wir in diesem Psalm lesen: 'Sei mir ein schützender Fels, zu dem ich allzeit kommen darf!'. Ja, auch ohne öffentliche Gottesdienste dürfen wir in vielfältigen Formen 'zu Gott kommen'. Wir sollten mit Phantasie und gläubiger Zuversicht die Wege zu ihm, zum sicheren Felsen unseres Lebens, neu entdecken.


Die O-Antiphon vom 19. Dezember:

O Radix Iesse -
Du Spross aus Isais Wurzel und Bannerzeichen der Völker
Könige verstummen vor dir, zu dir fliehen die Völker.
Zögere nicht länger, komm und befreie uns!


M. Wetzel

Freitag, 18. Dezember 2020

 Aktuelle Mitteilung


Aufgrund der hohen Infektionszahlen in Mannheim haben das Dekanats-Leitungsteam und die leitenden Pfarrer zusammen mit dem Dekan beschlossen: vom Samstag 19. Dezember bis zum Sonntag, 10. Januar werden im Dekanat Mannheim keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden. 


M. Wetzel

 Adventsbesinnung: 18. Dezember


5 Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN –, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. 6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. 7 Darum siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN –, da sagt man nicht mehr: So wahr der HERR lebt, der die Söhne Israels aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat!, 8 sondern: So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen Ländern, in die er sie verstoßen hatte, heraufgeführt und zurückgebracht hat! Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen. (Jeremia 23, 5-8)

In der Tageslesung aus dem Propheten Jeremia wird betont, dass die Erfahrungen, die Israel in der Gegenwart des Propheten machte - das babylonische Exil und die erwartete Rückkehr ins eigne Land - nicht geringer sind als die großen Heilstaten Gottes an seinem Volk in der Vergangenheit. Das ist eine Ermutigung für uns: 'Heilsgeschichte' heißt nicht, dass wir uns nach rückwärts orientieren, sondern dass der Blick in die Vergangenheit uns einen Vorgeschmack gibt auf das noch Größere, was wir erwarten.

In der 'O-Antiphon' des 18. Dezember wird die wichtigste Gottesanrede im Alten Testament aufgenommen: Adonai (=hebräisch: der Herr). Auch wenn in unseren Bibelausgaben in Großbuchstaben vom HERRN die Rede ist, ist im Hebräischen der Gottesname (mit den Konsonanten J-H-W-H) geschrieben, der als 'Adonai' gelesen wird. 

O Adonai

Adonai, du starker Gott, Führer des Hauses Israel!
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem Arm!


M. Wetzel ADONAI DU STARKER GOTT
Führer des Hauses Israel
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem 
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem Arm!

Donnerstag, 17. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: 17. Dezember


Die Wochentage ab dem 17. Dezember bilden die unmittelbare Vorbereitung auf Weihnachten und sind durch besondere liturgische Texte ausgezeichnet. Die Kehrverse der Vesper sind die 'O - Antiphone': Verse, die biblische Bilder der Sehnsucht aufnehmen und im Advent auf Christus hin gedeutet werden. Daraus spricht die Überzeugung der ersten Christen, dass die ganze Heilige Schrift von Christus spricht und auf ihn hin ausgelegt werden soll.








(Handschrift aus dem Mittelalter, Digital Library Köln)

O Sapentia - 
Weisheit des Höchsten, in Kraft und Milde ordnest du alles:

komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!


Das Thema der Weisheit steht in der Bibel für die Erfahrung, dass die Schöpfung wunderbar geordnet ist und diese Ordnung vom Menschen erkannt werden kann. Die Fülle der Weisheit Gottes ist Christus: in ihm kommt das schöpferische, vernünftige Wort Gottes ganz bei uns an.


M. Wetzel

Mittwoch, 16. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Mittwoch in der dritten Adventswoche - 16. Dezember


Die Lesung von heute ist wieder aus dem zweiten Teil des Jesaja-Buches:

Ich bin der Herr, und sonst niemand. Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt.

Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der Herr, will es vollbringen. Denn so spricht der Herr, der den Himmel erschuf, er ist der Gott, der die Erde geformt und gemacht hat - er ist es, der sie erhält, er hat sie nicht als Wüste geschaffen, er hat sie zum Wohnen gemacht -: Ich bin der Herr, und sonst niemand.

Es gibt keinen Gott außer mir; außer mir gibt es keinen gerechten und rettenden Gott. Wendet euch mir zu, und lasst euch erretten, ihr Menschen aus den fernsten Ländern der Erde; denn ich bin Gott, und sonst niemand.

Ich habe bei mir selbst geschworen, und mein Mund hat die Wahrheit gesprochen, es ist ein unwiderrufliches Wort: Vor mir wird jedes Knie sich beugen, und jede Zunge wird bei mir schwören: Nur beim Herrn - sagt man von mir - gibt es Rettung und Schutz. Beschämt kommen alle zu ihm, die sich ihm widersetzten. Alle Nachkommen Israels bekommen ihr Recht und erlangen Ruhm durch den Herrn. (Jesaja 45, 6b-8.18.21b-25)


Vers 8 dieser Lesung: 'Taut ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!' kennen wir aus Liedern und Gebeten der Adventszeit. In einer Auslegung zu diesem Vers liest man:

Die mit "Gerechtigkeit" und " Heil" übersetzten Begriffe entsprechen drei hebräischen abstrakten Substantiven. Das erste und das dritte ("Gerechtigkeit") bedeuten dasselbe. Die Neue Vulgata übersetzt sie als "iustitia" und "salvatio". Aber die Vulgata des heiligen Hieronymus interpretierte die ersten beiden als Adjektive - "gerecht" und "erlösend" - und las sie so, dass sie einen direkteren Bezug auf den Messias, den "Gerechten", den "Erlöser" haben, was zu einem Text führte, der in der Adventsliturgie verwendet wird: "Rorate coeli desuper, et nubes pluant iustum; aperiatur terra et germinet Salvatorem, et iustitia oriantur simul" ("Lass die Wolken den Gerechten herabregnen, und die Erde bringe einen Heiland hervor"). Eine dem heiligen Augustinus zugeschriebene Predigt sieht diese Worte in der Geburt Christi in Erfüllung gehen: "Heute ist diese Prophezeiung erfüllt: Es regne, o Himmel, von oben herab Gerechtigkeit; die Erde tue sich auf, dass das Heil hervorsprosse. Der Schöpfer wurde ein Geschöpf, damit der, der verloren war, gefunden werde. So lesen wir es in den Psalmen: Bevor ich erniedrigt wurde, habe ich gesündigt. Der Mensch sündigte und wurde ein Verbrecher; Gott wurde Mensch, damit der Verbrecher befreit werden konnte. Der Mensch fiel, aber Gott stieg [vom Himmel] herab; der Mensch fiel ins Elend, aber Gott kam in seiner Barmherzigkeit herab; der Mensch fiel durch seinen Stolz, Gott kam mit seiner Gnade" (Sermones, 128). Und der heilige Proclus von Konstantinopel, der diese Worte als Bild für die jungfräuliche Geburt Jesu liest, sagt: "Der Himmel regnet Gerechtigkeit herab: Die Sünde Evas wurde durch die Reinheit der Jungfrau und durch den, der von ihr geboren wurde, Gott und Mensch, ungeschehen gemacht und zerstört. An diesem Tag wird der Mensch aus dem Gefängnis der Sünde befreit und die Last der Finsternis, die ihn bedrückte, wird von ihm genommen" (De Navitate Domini, 1). 
aus: 
GAVIGAN, J. ; MCCARTHY, B. ; MCGOVERN, T. (eds.): Major Prophets, The Navarre Bible. Dublin; New York : Four Courts Press; Scepter Publishers, 2005 (übersetzt mit DeepL)

Ich wünsche Ihnen einen Adventstag voller Sehnsucht nach 'Gerechtigkeit' und 'Heil',

M. Wetzel

Dienstag, 15. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Dienstag in der dritten Adventswoche - 15. Dezember


Das Buch des Propheten Zephanja ist geprägt von besonders massiven Ansagen von Gericht und Untergang. Er ruft insbesondere der führenden Schicht in Jerusalem zu, dass sie geradewegs ins Verderben geht. Heute hören wir in der Tageslesung einen Abschnitt aus dem 3. Kapitel:


1 Wehe, trotzige und schmutzige, gewalttätige Stadt! 
2 Sie will nicht hören / und nimmt sich keine Warnung zu Herzen. 
Sie verlässt sich nicht auf den HERRN / und sucht nicht die Nähe ihres Gottes. 

9 Ja, dann werde ich die Lippen der Völker verwandeln / in reine Lippen, damit alle den Namen des HERRN anrufen, / ihm Schulter an Schulter dienen. 
10 Von jenseits der Ströme von Kusch / bringen mir meine Verehrer dann als Gabe / die Gemeinde meiner Verstreuten. 
11 An jenem Tag  brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, / die du gegen mich verübt hast. 
Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte die überheblichen Prahler 
und du wirst nicht mehr hochmütig sein / auf meinem heiligen Berg. 
12 Und ich lasse in deiner Mitte übrig / ein demütiges und armes Volk. Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des HERRN 
13 als der Rest von Israel.  Sie werden kein Unrecht mehr tun / und nicht mehr lügen, 
in ihrem Mund findet man / keine trügerische Rede mehr. 
Ja, sie gehen friedlich auf die Weide / und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen. (Zephanja 3, 1-2;9-13)

In den Versen 9-13 ändert sich allerdings die Stimmung: Nun kommt eine Hoffnungsperspektive in den Blick. Die Hoffnung richtet sich aber nicht mehr auf die Könige, die Reichen und Mächtigen: ihre Zeit geht definitiv zu Ende. Die Hoffnung ruht allein auf dem 'demütigen und armen Volk', dem 'Rest von Israel'. Diese 'Armentheologie' des Propheten führt in gerader Linie ins Neue Testament hinein: Im Lobgesang Marias (Magnificat) wird die Rede davon sein dass Gott die 'Mächtigen vom Thron stößt' und die 'Niedrigen erhöht'. In der Geschichte Jesu findet die prophetische Ansage des Zephanja ihre Bestätigung: das neue Gottesvolk wird aus den Armen, dem 'Rest Israels', gesammelt.

M. Wetzel

Montag, 14. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Montag in der 3. Adventswoche - 14. Dezember


Eine der klarsten und eindrucksvollsten messianischen Weissagungen des Alten Testamentes findet sich nicht etwa, wie man vermuten könnte, bei den großen Propheten, sondern - im Sinne einer besonderen erzählerischen Ironie - im Mund eines heidnischen Sehers (Bileam), von dem im Buch Numeri erzählt wird, dass Balak, der König von Moab, ihn beauftragt hat, seine Feinde, die Israeliten, zu verfluchen. Statt dessen segnet Bileam Israel - mit Worten, die weit in die Zukunft weisen und uns heute als adventlicher Hoffnungstext vor Augen gestellt werden: 


2 Als Bileam aufblickte, sah er Israel im Lager, nach Stämmen geordnet. Da kam der Geist Gottes über ihn, 3 er begann mit seinem Orakelspruch und sagte: 
Spruch Bileams, des Sohnes Beors, / 
Spruch des Mannes mit geöffnetem Auge, /
4 Spruch dessen, der Gottesworte hört, / 
der eine Vision des Allmächtigen sieht, / 
der niedersinkt mit entschleierten Augen: / 
5 Jakob, wie schön sind deine Zelte, / 
deine Wohnungen, Israel! /
6 Wie Bachtäler ziehen sie sich hin, / 
wie Gärten an einem Strom, / 
wie Aloebäume, vom HERRN gepflanzt, / 
wie Zedern am Wasser. / 
7 Von seinen Schöpfeimern rinnt das Wasser, / 
reichlich Wasser hat seine Saat. / 
Sein König möge Agag überlegen sein / 
und seine Königsherrschaft sich erheben.

15 Und er begann mit seinem Orakelspruch und sagte: 
Spruch Bileams, des Sohnes Beors, / 
Spruch des Mannes mit geöffnetem Auge, / 
16 Spruch dessen, der Gottesworte hört / 
und die Kunde des Höchsten kennt, / 
der eine Vision des Allmächtigen sieht, / 
der niedersinkt mit entschleierten Augen: / 
17 Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, / 
ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: / 
Ein Stern geht in Jakob auf, / 
ein Zepter erhebt sich in Israel. / 
Er zerschlägt Moab die Schläfen / 
und allen Söhnen Sets den Schädel (Numeri 24, 2-7.15-17)

Wo finde ich in meinem Leben Hoffnung von ganz unerwarteter Seite her? Die Lesung macht uns Mut, jedem Menschen, auch den 'Feinden', zuzutrauen, dass sie uns möglicherweise etwas Gutes, Sinnvolles zu sagen haben. Gottes Segenskraft ist stärker als alle destruktiven Absichten der Menschen.

M. Wetzel



Sonntag, 13. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Dritter Adventssonntag - 13. Dezember


Die zweite Lesung vom heutigen Sonntag bringt das Thema 'Freude', das den Sonntag Gaudete prägt, besonders zur Sprache:

16 Freut euch zu jeder Zeit! 17 Betet ohne Unterlass! 18 Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. 19 Löscht den Geist nicht aus! 20 Verachtet prophetisches Reden nicht! 21 Prüft alles und behaltet das Gute! 22 Meidet das Böse in jeder Gestalt! 
23 Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. 24 Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun. (1 Thessalonicher 5, 16-24)

Die Verse 16-18 enthalten drei Mahnungen, drei Imperative. In einer Auslegung zum 1. Thessalonicherbrief heißte es dazu:

 Der erste Imperativ befasst sich mit der Reaktion der Gemeinschaft auf das Christusereignis und seiner gegenwärtigen Wirkung. Im Wesentlichen ist die Freude, wie in Röm 12,12, in der Hoffnung verwurzelt und unterstreicht die tiefe Freude, die die Gläubigen in der täglichen Verwirklichung ihres Engagements zum Ausdruck bringen; daher werden sie ermahnt, Freude ("freut euch allezeit") als ihr Verhalten und ihre normale Haltung zu haben. Der zweite Imperativ konzentriert sich auf die Gläubigen und ihr Bedürfnis, sich im Gebet an Gott zu wenden. Dieser allgemeine Begriff gilt für alle Arten des Gebets, einschließlich festgelegter Gebetszeiten, und bezieht sich hier (im Gegensatz zum folgenden Imperativ) auf die Fürbitte im eigenen Namen und im Namen anderer (siehe auch 5,25). Die Thessalonicher werden zum Gebet als einem bewussten, kontinuierlichen Geisteszustand ermahnt. Der letzte Imperativ, der "Dank in allen Dingen" gebietet, verweist auf ein wichtiges paulinisches Thema, nämlich dass das, was Gott von den menschlichen Geschöpfen am meisten wünscht, Ehre und Dank ist (Röm 1,21). Diese Haltung, die von Freude, Fürbitte und Dank geprägt ist, soll schließlich Gottes Heilswillen durch das Christus-Ereignis umfassen (siehe 4,3). Alle drei Imperative werden als auf Gottes Plan für die Menschheit basierend charakterisiert, aber in diesem Fall konzentriert sich Paulus auf die christologischen Mittel, die Gott gewählt hat, um diesen Zustand der Heiligkeit ("in Christus Jesus") herbeizuführen; impliziert ist auch die paulinische Vorstellung, dass Christus die Domäne und Macht der christlichen Heiligkeit ist (siehe auch 5,12). Die allgemeinen paränetischen (ermahnenden) Gebote der Verse 15-18 enden daher mit einer suggestiven christologischen Note. Ihre Funktion, obwohl sie eindeutig als allgemeine Ermahnung verstanden werden, passt gut zu Paulus' Sorge um das Gemeinschaftsleben in Thessaloniki.
aus: HARRINGTON, DANIEL J.: Editor’s Preface. In: HARRINGTON, D. J. (ed.): First and Second Thessalonians, Sacra Pagina Series. vol. 11. Collegeville, MN : The Liturgical Press, 2007, pp. 278–279 (übersetzt mit DeepL)

M. Wetzel

Samstag, 12. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Samstag in der 2. Adventswoche - 12. Dezember


Am dritten Adventssonntag wird das Auftreten von Johannes dem Täufer im Mittelpunkt der biblischen Verkündigung stehen. Die Lesung von heute aus dem Buch Jesus Sirach, einem der am spätesten entstandenen Bücher des Alten Testamentes, stellt dies in den Zusammenhang der Hoffnung Israels, die sich mit der Sehnsucht nach einem 'neuen Elija' verbindet:


 1 Da stand Elija auf, ein Prophet wie Feuer, / sein Wort brannte wie eine Fackel. 
2 Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen / und verringerte sie mit seinem Eifer; 
3 durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, / ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen. 
4 Wie wurdest du verherrlicht, Elija, durch deine Wunder! / Wer wird sich gleich dir rühmen können? 

9 der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen wurde / in einem Wagen mit feurigen Pferden; 
10 der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, / um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, 
um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden / und um die Stämme Jakobs aufzurichten. 
11 Selig, die dich gesehen haben / und die in Liebe entschlafen sind; / denn auch wir werden gewiss leben. (Jesus Sirach 48, 1-4; 9-11)

Für Elija stehen also die Stichworte 'prophetisches Wort', 'Feuer', 'Eifer'; seine Wiederkunft verbindet sich mit der Hoffnung auf Versöhnung zwischen Gott und den Menschen, Versöhnung unter den Menschen, Leben. All diese Stichworte begegnen dann bei Johannes und bei der Taufe Jesu wieder. 
Advent kann nicht nur mit schönen Gefühlen und angenehmen Stimmungen zu tun haben, die prophetische Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die drängende Erwartung von Frieden und Versöhnung sollen stark werden in dieser Zeit. 

M. Wetzel

Freitag, 11. Dezember 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 5



Nochmals zum ersten Vers des Markusevangeliums:

'Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.'

was bedeutet ‘Evangelium’? ‘Evangelium von Jesus Christus’?


Der Begriff ‘Evangelium’ (=Frohe Botschaft) hat eine Vorgeschichte in der Heilserwartung, die hellenistischen Herrschern (und später römischen Kaisern) entgegengebracht wurde. Antike Inschriften bezeichnen die Ankunft des Herrschers als eine solche ‘Frohe Botschaft’, die die Erwartung auf allseitige Verbesserung der Verhältnisse beinhaltet. Wenn dieser Begriff im Neuen Testament übernommen und neu gedeutet wird, bekommt die Botschaft über Jesus also eine politische Dimension: nicht mehr durch die Macht der Herrscher, schon gar nicht durch ihre Verehrung als Götter wird das Heil erwartet - die Heilserwartung konzentriert sich ganz auf das, was Jesus sagt und tut.

Im Markusevangelium kommt das Wort ‘Evangelium’ 8 mal vor (Mk 1,1; Mk 1, 14; Mk 1,15; Mk 8,35; Mk 10, 29; Mk 13, 10; Mk 14, 9; Mk 16, 15). Bei Matthäus finden sich 4 Vorkommen; bei Lukas und Johannes fehlt das Wort ganz. Am häufigsten kommt es in den Paulusbriefen und den Pastoralbriefen vor.

Im ersten Vers des Markusevangeliums ist ‘Evangelium’ mit einem Genitiv-Attribut versehen: ‘Anfang des Evangeliums Jesu Christi’. Es ist nicht ganz klar, ob ‘Jesus Christus’ hier als Subjekt oder Objekt der Genitiv-Verbindung gesehen wird: geht es um die Frohe Botschaft, die Jesus (als Subjekt) verkündet und durch seine Taten deutlich macht, oder ist Jesus der Inhalt (Objekt) der Botschaft? Der Vers lässt beide Deutungen zu. Die Beifügung ‘Christus’ (=Messias) zum Namen Jesu deutet darauf hin, dass diese Kombination für den Verfasser des Markusevangeliums bereits formelhaft geworden ist, dass das Bekenntnis zum ‘Messias Jesus’ bereits wie ein erweiterter Name aufgefasst wurde.


M. Wetzel

 Adventsbesinnung: Freitag der zweiten Adventswoche - 11. Dezember - Hl. Damasus


Der Tagesheilige, Papst Damasus, war im 4. Jahrhundert Bischof von Rom.



















Bild:Alekjds, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Der Amtsantritt des Bischofs Damasus im Jahr 366 war von tragischen Ereignissen überschattet: Es kam zum Streit zwischen zwei Anwärtern auf den Bischofsstuhl, und als die Anhänger des Damasus eine Basilika anzündeten, kamen über 100 ihrer Gegner ums Leben. 
Damasus traf als Bischof zukunftsweisende Entscheidungen: während bis dahin in Liturgie und Theologie die griechische Sprache vorherrschend war, förderte er das Lateinische, also die Volkssprache im Westen des römischen Reiches. Zu diesem Zweck beauftragte er den Hl. Hieronymus mit der Anfertigung bzw. Revision einer lateinischen Bibelübersetzung. Die so entstandene 'Vulgata' war für Jahrhunderte die maßgebliche Bibelübersetzung in der katholischen Kirche.
Damasus griff auch in Streitfragen anderer Gemeinde als Schlichter ein und dehnte damit die Autorität des römischen Bischofs erheblich aus. Ein besonderes Anliegen für ihn war die Pflege der Märtyerergräber in den römischen Katakomben; er ließ an den Wänden der Grabstätten Verse anbringen, die die Taten der Märtyrer priesen.
Damasus, mit dem die römischen Bischöfe einen großen Schritt in Richtung auf das 'Papstttum' gingen, starb am 11. Dezember 384.

Herr und Gott,

der heilige Papst Damasus

hat den Sieg der Märtyrer gepriesen,

er hat sie geliebt

und ihr Andenken geehrt.

Gib, dass auch wir das Leben und Sterben

deiner Blutzeugen ehren,

und ermutige uns zu einem Leben aus dem Glauben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


M. Wetzel

Donnerstag, 10. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Donnerstag in der zweiten Adventswoche - 10. Dezember


Die Tageslesung ist aus dem 41. Kapitel des Propheten Jesaja:

13 Denn ich bin der HERR, dein Gott, / der deine rechte Hand ergreift 
und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen. 
14 Fürchte dich nicht, du armer Wurm Jakob, / du kleines Israel! 
Ich habe dir geholfen – Spruch des HERRN. / Und dein Erlöser ist der Heilige Israels. 
15 Siehe, zu einem Dreschschlitten mache ich dich, / zu einem neuen Schlitten mit vielen Schneiden. 
Berge wirst du dreschen und sie zermalmen / und Hügel machst du zu Spreu. 
16 Du worfelst sie und es verweht sie der Wind, / es zerstreut sie der Sturm. 
Du aber jubelst über den HERRN, / du rühmst dich des Heiligen Israels. 

17 Die Elenden und Armen suchen Wasser, / doch es ist keines da; / ihre Zunge vertrocknet vor Durst. 
Ich, der HERR, will sie erhören, / ich, der Gott Israels, verlasse sie nicht. 
18 Auf den kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen / und Quellen inmitten der Täler. 
Ich mache die Wüste zum Wasserteich / und das ausgetrocknete Land zu sprudelnden Wassern. 
19 In der Wüste pflanze ich Zedern, / Akazien, Ölbäume und Myrten. 
In der Steppe setze ich Zypressen, / Platanen und auch Eschen, 
20 damit alle sehen und erkennen, / begreifen und verstehen, 
dass die Hand des HERRN dies gemacht hat, / dass der Heilige Israels es erschaffen hat. (Jesaja 41, 13-20)

Diese Lesung zeichnet sich aus durch ihre starken, eindrucksvollen Bilder: Gott ergreift die rechte Hand seines Volkes - Er macht sein Volk zum Werkzeug für seine große Ernte - Wasser,  Quellen und vielfältige Bäume stehen für Lebenskraft, Vitalität mitten in einer lebensfeindlichen Welt.

Die Lesung lädt ein, diese Bilder auf das eigene Leben zu übertragen: lasse ich mich von Gott ergreifen? Spüre ich die Quelle der Lebendigkeit, die von ihm ausgeht?

M. Wetzel

Mittwoch, 9. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Mittwoch in der zweiten Adventswoche - 9. Dezember

Mit Kapitel 40 beginnt im Jesajabuch ein zweiter, gewichtiger Teil: Es handelt sich um die Fortschreibung der ursprünglichen Jesajaworte aus der Königszeit durch einen Propheten ("Zweiter Jesaja" oder "Deuterojesaja" genannt), der in der späten Zeit des babylonischen Exils wirkte und auf die bisherige Geschichte Israels zurückblickt.

25 Mit wem wollt ihr mich vergleichen, / dass ich ihm gleich wäre, spricht der Heilige. 
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht: / Wer hat diese Gestirne erschaffen? 
Der vollzählig herausführt ihr Heer, / er ruft sie alle beim Namen. 
Wegen seiner Fülle an Kraft und mächtiger Stärke / fehlt kein einziges. 
27 Warum sagst du, Jakob, / warum sprichst du, Israel: 
Verborgen ist mein Weg vor dem HERRN, / meinem Gott entgeht mein Recht? 
28 Weißt du es nicht, hörst du es nicht? / Der HERR ist ein ewiger Gott, / der die Enden der Erde erschuf. 
Er wird nicht müde und matt, / unergründlich ist seine Einsicht. 
29 Er gibt dem Müden Kraft, / dem Kraftlosen verleiht er große Stärke. 
30 Die Jungen werden müde und matt, / junge Männer stolpern und stürzen. 
31 Die aber auf den HERRN hoffen, / empfangen neue Kraft, / wie Adlern wachsen ihnen Flügel. 
Sie laufen und werden nicht müde, / sie gehen und werden nicht matt. (Jesaja 40, 25-31)

"Zu sagen, dass Jahwe der Schöpfer ist, bedeutet kein vollständiges Verständnis von Jahwes Denkweise. Deutero-Jesaja weiß und wiederholt oft, dass Jahwe geheimnisvoll ist. Aber das Mysterium darf nicht zu einer Entschuldigung dafür werden, den Glauben an ihn aufzugeben. Jahwe ist ewig; er wird nicht wie die Menschen durch Alter und Müdigkeit schwächer. Dies ist für den Propheten kein Mittel, um das fade entschuldigende Argument vorzubringen, Jahwe handle zu seiner eigenen Zeit. Jahwe ist immer aktiv, und jede Zeit ist seine Zeit. Was der Prophet meint, ist, dass Jahwe denen, die an ihn glauben, etwas von der unerschöpflichen Kraft seiner Ewigkeit vermittelt. So wie Jahwe immer mit voller Kraft handelt, so finden auch diejenigen, die ihm vertrauen, ihre Kraft zu ewiger Fülle erneuert. Sie erhalten die Kraft, das zu tun, was sie tun müssen; sie können in einer Hoffnung leben, die so stark ist wie der, auf den sie hoffen. Israel muss seiner Zukunft mit der Überzeugung entgegentreten, dass die Verheißungen Jahwes nicht getrübt oder enttäuscht werden. Der Schöpfer hat seine Souveränität nicht an einen anderen abgetreten."
aus: MCKENZIE, JOHN L.: Second Isaiah: Introduction, Translation, and Notes, Anchor Yale Bible. vol. 20. New Haven; London : Yale University Press, 2008 (übersetzt mit DeepL)

M. Wetzel

Dienstag, 8. Dezember 2020

 Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria - Mariä Empfängnis - 8. Dezember


Das große Marienfest der Adventszeit feiert ein optimistisches Menschenbild: Unser Menschsein, das so unheilvoll verstrickt ist in eine Geschichte von Versagen, Schuld und Verhängnis, hat einen positiven Ausblick: In Maria erblicken wir bereits das neue, im Licht der Erlösungstat Christi erstrahlende Menschsein. Sünde und Schuld haben nicht das letzte Wort über unsere Menschengeschichte. Das letzte, entscheidende Wort Gottes ist Jesus Christus selbst: wer zu ihm gehört, ist bereits Teil der neuen, erlösten Schöpfung. Der Blick auf Maria zeigt uns, dass das nicht nur eine utopische Hoffnung ist, sondern dass diese neue Schöpfung jetzt schon eine lebbare Möglichkeit ist, dass auch wir jetzt schon ja sagen können zum neuen Leben in Christus. 

Das Tagesgebet bring dies gut zum Ausdruck:

Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Christi
hast du die selige Jungfrau Maria
schon im ersten Augenblick ihres Daseins
vor jeder Sünde bewahrt,
um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden
und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

M. Wetzel

Montag, 7. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Montag in der zweiten Adventswoche - 7. Dezember - Hl. Ambrosius von Mailand

Hl. Ambrosius - Mosaik aus Sant'Ambrogio, Mailand


Der Hl. Ambrosius von Mailand (339-397) ist einer der großen Kirchenlehrer der Alten Kirche. Der 7. Dezember ist der Tag seiner Bischofsweihe im Jahr 374 in Mailand. Neben zahlreichen Schriften zur Bibelauslegung und zu theologischen Fragen verfasste er auch mehrere Hymnen und führte sie in die Liturgie in seiner Bischofskirche in Mailand ein - von dort verbreiteten sie sich über die ganze westliche Kirche.
Einer dieser Hymnen, der adventliche Gesang 'Veni redemptor gentium' wurde später von Martin Luther übersetzt 'Nun komm, der Heiden Heiland' und findet sich in einer Neuübersetzung von Markus Jenny im Gotteslob (Nr. 227):

Komm, du Heiland aller Welt, Sohn der Jungfrau, mach dich kund,
darob staune, was das lebt: Also will Gott werden Mensch.

Nicht nach eines Menschen Sinn, sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch und erblüht aus Mutterschoß.

Wie die Sonne sich erhebt und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt, wesenhaft ganz Gott und Mensch.

Glanz strahlt von der Krippe auf, neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr, und der Glaube trägt das Licht.

Gott dem Vater Ehr und Preis und dem Sohne Jesus Christ,
Lob sei Gott dem Heilgen Geist jetzt und ewig. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen guten Beginn der zweiten Adventswoche,

M. Wetzel

Sonntag, 6. Dezember 2020

Adventsbesinnung zum 2. Adventssontag - 6. Dezember


Heute kommen zwei adventliche Gestalten in Sicht: Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu, der in den Evangelien für die Vorgeschichte der Frohen Botschaft in der großen messianischen Hoffnung Israels steht. Und am 6. Dezember denken wir natürlich auch an den Heiligen Nikolaus.


Hier ein Nikolausgruß an den Kinderchor 'Ohrwürmer'

Bild: Melanie Slota

Sei gegrüßt, lieber Nikolaus! Wieder gehst du von Haus zu Haus!
Alle Kinder lieben dich, warten schon und freuen sich. Teilst du dann deine Gaben aus, dankeschön, dankeschön, lieber Nikolaus!

Johannes der Täufer und der Heilige Nikolaus stellen uns wichtige Fragen für die zweite Adventswoche: Wie steht es mit meiner persönlichen Vorbereitung auf die Begegnung mit Jesus? Wo müssen da erst noch die 'Wege bereitet' werden? Und welchen Stellenwert haben Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft - die Werte, für die der Hl. Nikolaus steht - in meinem Alltag? 

M. Wetzel

Samstag, 5. Dezember 2020

 Adventsbesinnung: Samstag in der 1. Adventswoche - 5. Dezember


Der Antwortpsalm der Messe vom Samstag in der 1. Adventswoche ist der Psalm 147, einer der sogenannten 'beschreibenden Lobpreispsalmen':


147 Halleluja!
Ja, gut ist es, unserem Gott zu singen und zu spielen,
ja, schön und geziemend ist Lobgesang.
Der Herr baut Jerusalem auf,
er sammelt die Versprengten Israels.
Er heilt, die gebrochenen Herzens sind,
er verbindet ihre Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne
und ruft sie alle mit Namen.
Groß ist unser Herr und gewaltig an Kraft,
seine Einsicht ist ohne Grenzen.
Der Herr hilft auf den Gebeugten,
er drückt die Frevler zu Boden.

Charakteristisch für beschreibende Lobpreispsalmen, spricht Psalm 147 sowohl von der Größe als auch von der Güte des Herrn. Seine Größe zeigt sich besonders in der Welt der Natur, und seine Güte zeigt sich besonders in seiner Fürsorge für die Menschen. Seine Größe zeigt sich in der Rückführung Israels aus dem Exil nach Jerusalem.

Eine wichtige Lehre aus Psalm 147 ist, dass das, was der Herr in seiner Welt tut, der Maßstab dafür ist, was er für sein Volk tun kann. Indem sie sich an die großen und guten Taten des Herrn erinnern und sie artikulieren, entwickeln sein Volk Vertrauen in ihn, wenn sie sich den Herausforderungen ihres Lebens stellen und motiviert sind, ihn zu preisen.“

aus: ESTES, DANIEL J. ; CLENDENEN, E. R. (Hrsg.): Psalms 73–150, New American Commentary. Bd. 13. Nashville, TN : B&H Publishing Group, 2019 (übersetzt mit DeepL)


Barmherziger Gott,

du hast deinen Sohn in diese Welt gesandt,

um die Menschen

aus der alten Knechtschaft zu erlösen.

Schenke allen, die auf deine Hilfe warten,

die Freiheit des neuen Lebens.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,

deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

(Tagesgebet vom Samstag der 1. Fastenwoche)


M. Wetzel


Freitag, 4. Dezember 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 4


Der erste Vers des Markusevangeliums dient als Überschrift, als Inhaltsangabe und verdient eine nähere Betrachtung:

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.

Für ‘Anfang’ steht im Griechischen das Wort archē, das einen weiten Bedeutungsumfang hat: es kann für Beginn, Anfang, Grundlage, Prinzip oder Ursache stehen. In Markus 1,1 klingen also verschiedene Aspekte an:

  • zunächst geht es schlicht um Anfang des Buches

  • außerdem ist damit die unmittelbar folgende Episode, nämlich die Taufe Jesu durch Johannes, als der Startpunkt des Auftretens Jesu, als Beginn der ‘Frohen Botschaft’ gekennzeichnet

  • zugleich ist eine Überschrift über das ganze Evangelium gesetzt: alles was in den 16 Kapiteln des Markusevangeliums erzählt wird, von der Taufe Jesu bis zur Kreuzigung und Auferstehung, ist ‘Grundlage’, ‘Prinzip’ der Verkündigung über Jesus als Messias (Christus) und Sohn Gottes

  • und zuletzt kann man in diesen Eingangsworten des Evangeliums einen Appell des Evangelisten an seine Hörer/Leser sehen: Das Markusevangelium ist nicht ein abgeschlossene Angelegenheit in der Vergangenheit, es steht für einen ‘Anfang’, dem eine Fortsetzung folgen muss: die gläubige Antwort der Hörer des Evangeliums ist der notwendige “2. Band” des Buches. Für diese Sicht des Evangelisten spricht auch der sehr offene Schluss des Evangeliums: der ursprüngliche Schlussvers ist Mk 16, 8, wo es von den Frauen am leeren Grab heißt: 

    8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.

Dieser ‘unbefriedigende’ Schlussvers ergibt dann einen Sinn, wenn man davon ausgeht, dass im Sinne des Evangelisten alles bis dahin erst der ‘Anfang’ war - jetzt, im Leben der Gemeinde Jesu, geht es mit dem Zeugnis für den Auferstandenen weiter.

M. Wetzel





 Adventsbesinnung: Freitag in der 1. Adventswoche - 4. Dezember


17 Ist es nicht nur noch eine kurze Zeit, / dann wandelt sich der Libanon in einen Baumgarten / und der Baumgarten wird als Wald gelten?

18 Die Tauben werden an jenem Tag die Worte des Buches hören / und aus Dunkel und Finsternis werden die Augen der Blinden sehen.

19 Die Gedemütigten freuen sich wieder am Herrn / und die Armen unter den Menschen jubeln über den Heiligen Israels.

20 Denn der Unterdrücker ist nicht mehr da, / der Spötter ist am Ende, / ausgerottet sind alle, die auf Böses bedacht sind,

21 die durch ein Wort Menschen zur Sünde verleiten, / die dem, der im Stadttor entscheidet, Fallen stellen / und den Gerechten mit haltlosen Gründen wegdrängen.

22 Darum – so spricht der Herr zum Haus Jakob, / der Herr, der Abraham losgekauft hat:

Nun braucht sich Jakob nicht mehr zu schämen, / sein Gesicht muss nicht mehr erbleichen.

23 Denn wenn er seine Kinder, das Werk meiner Hände, in seiner Mitte sieht, / werden sie meinen Namen heilig halten.

Sie werden den Heiligen Jakobs heilig halten / und den Gott Israels werden sie fürchten.

24 Dann werden, die verwirrten Geistes waren, Einsicht erkennen, / und die murrten, nehmen Belehrung an. (Jesaja 29, 17-24)


In einem Bibelkommentar zu diesem Abschnitt des Jesajabuches heißt es:


Die Umkehrung des Schicksals nimmt eine eigenwillige Wendung. Das Urteil über diejenigen, die sich der Überprüfung durch JHWH entziehen wollen, ist verständlich. Die Wende des Schicksals, die den Tauben, Blinden, Sanftmütigen und Demütigen den Sieg beschert, ist in der Vision zu erwarten, ebenso wie das Ende schlauer Hinterhältigkeit. Aber das Wort über Jakob kommt überraschend. Gottes fortwährende Liebe zu Israel und seine unsterbliche Hoffnung auf eine echte Antwort sind Manifestationen seiner unendlichen Gnade.
aus: WATTS, JOHN D. W.: Isaiah 1–33, Word Biblical Commentary. vol. 24. Revised Edition. ed. Nashville : Thomas Nelson, Inc, 2005 (übersetzt mit DeepL)


Besonders auffällig in dieser Passage ist die 'Armentheologie' des Propheten: nicht durch die Macht eines Königs wird Rettung erwartet, sondern am Ende wird Gottes armes, gedemütigtes Volk das Heil finden. Damit ist ein adventliches Thema angeschlagen, das im 'Magnificat', dem Lobgesang Marias, seinen neutestamentlichen Ausdruck finden wird.


Das soziale und wirtschaftliche Gefälle zwischen den Armen und den Arroganten war gravierend und konnte nicht mehr lange andauern. Der Prophet glaubte, dass eine Umkehr des Schicksals kommen würde. Gott war im Begriff, für diejenigen zu handeln, die unterdrückt wurden. Die Niedrigen und Armen werden Freude finden, während die Arroganten verschwunden sein werden. Wenn die Frommen Gottes Handeln in ihrem Namen sehen, wird ihr Glaube bestätigt werden, und sie werden zu einer immer größeren Treue zu Gott geführt werden, denn sie werden in Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit stehen.
aus: HOPPE, LESLIE J. ; DURKEN, D. (ed.): Isaiah, The New Collegeville Bible Commentary. vol. 13. Collegeville, MN : Liturgical Press, 2012 (übersetzt mit DeepL)


Im Tagesgebet der Messe vom Freitag in der 1. Adventswoche beten wir:

Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und rette uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.


M. Wetzel



Donnerstag, 3. Dezember 2020

 

Das Markusevangelium - Infos und Erklärungen 3


Interesse am Markusevangelium

Die Aufmerksamkeit für das Markusevangelium war in den vergangenen Jahrhunderten sehr unterschiedlich. Für die frühe Kirche hatte das Markusevangelium eine besondere Wertigkeit, weil der Verfasser als Schüler des Apostels Petrus galt - das gab seinem Evangelium eine besondere apostolische Autorität. Danach sank die Aufmerksamkeit für das Markusevangelium allerdings erheblich; seit der Zeit des Augustinus (5. Jhd.) sah man es bloß als eine gekürzte Fassung des Matthäusevangeliums und beachtete es daher nur wenig.
Dies änderte sich erheblich seit der Entwicklung der neuzeitlichen, historisch-kritischen Bibelauslegung, also seit dem 19. Jahrhundert. Nun wurde erkannt, dass das Markusevangelium das älteste der vier Evangelien ist und die literarische Gattung 'Evangelium' überhaupt erst geschaffen hat. Seitdem - bis heute - erscheinen zu keinem anderen Evangelium so viele bibelwissenschaftliche Veröffentlichungen wie zum Markusevangelium. In den letzten Jahrzehnten konzentriert sich die Forschung vor allem darauf, die besondere literarische Eigenart dieses Evangeliums, seine besonderen theologischen Fragestellungen und Antworten herauszuarbeiten

M. Wetzel

 Adventsbesinnung: Donnerstag in der 1. Adventswoche - 3. Dezember - Hl. Franz Xaver

Die Kirche feiert heute den Gedenktag eines der bedeutendsten Missionare: des Heiligen Franz Xaver.
Francisco Javier, einer der Mitbegründer des Jesuitenordens zusammen mit Ignatius von Loyola, ging als rastloser Missionar nach Indien und Japan, beim Versuch, auch in China das Evangelium zu verkündigen, starb er am 3. Dezember 1552 in der Nähe der Stadt Kanton.

Seine Berichte lösten eine Welle der Begeisterung für die Mission aus; im Grunde wurde die katholische Kirche erst in seiner Zeit zur 'Weltkirche' mit Gemeinden in den verschiedensten Regionen.

Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Gott, du Heil aller Menschen,

du hast durch das Wirken
des heiligen Franz Xaver
vielen Völkern den Weg zu dir gewiesen.
Wecke in deinen Gläubigen
den Sinn für die missionarische Arbeit
und schenke ihnen Eifer
für die Ausbreitung des Glaubens,
damit die Kirche überall auf der Welt erstarke und wachse.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


Der Tag des Heiligen Franz Xaver kann uns stärken in der Freude, zu einer weltweiten Gemeinschaft zu gehören. Es ist wunderbar, dass wir uns an jedem Tag gewiss sein können, dass Menschen in allen Kontinenten, in unzähligen Städten und Dörfern, gemeinsam mit uns das Vater Unser beten, die Sakramente empfangen, den Glauben der Kirche bekennen und eine große, weltweite Familie bilden. 'Mission' ist aber nicht nur ein Auftrag für große Gestalten wie Franz Xaver: der Auftrag Jesu gilt uns allen, jedem in seinen besonderen Lebensverhältnissen:

Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäusevangelium, 28, 19f)

M. Wetzel


Mittwoch, 2. Dezember 2020

 

Adventsbesinnung: Mittwoch in der 1. Adventswoche - 2. Dezember


Der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben

mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen,

mit den feinsten, fetten Speisen, / mit erlesenen, reinen Weinen.

Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, / und die Decke, die alle Nationen bedeckt.

Er hat den Tod für immer verschlungen / und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen

und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, / denn der Herr hat gesprochen.

An jenem Tag wird man sagen: / Siehe, das ist unser Gott,

auf ihn haben wir gehofft, / dass er uns rettet.

Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

10 Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg. / Moab aber wird an seiner Stätte zerstampft, / wie Stroh in der Jauche zerstampft wird. (Jesaja 25, 6-10a)

Die heutige Lesung ist geprägt von einem besonders eindrucksvollen Bild aus dem Propheten Jesaja: das messianische Festmahl, das Gott auf dem Zionsberg für alle Völker geben wird.


Zum neutestamentlichen Gebrauch dieses Bildes hier ein Zitat aus einem Bibellexikon:


Im Neuen Testament ist das Thema des messianischen Festmahls in der Tradition des Evangeliums besonders prominent. Jesu Vorkehrungen für die Hungrigen in seinen Speisewundern (Mt 14,13-21 = Markus 6,32-44 = Lukas 9,10-17 = Johannes 6,1-15; Mt 15,32-39 = Markus 8,1-10; Johannes 2,1-11) werden durch das Thema der Seligpreisungen parallelisiert: "Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden" (Lukas 6,21 [= Mt 5,6). In einem der Lieblingsbilder der Gleichnisse wird das Reich Gottes mit einem großen Festmahl verglichen (Mt 22,1-10 = Lk 14,16-24). In der Tat werden die Themen freudiges Mahl, Gericht, Pilgerfahrt der Völker und Gegenwart des Messias in der frühen Tradition auf wunderbare Weise zusammengeführt: "Der Menschensohn kam zum Essen und Trinken, und sie sagen: 'Siehe, ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder'" (Mt 11,19 = Lk 7,34). Dieses Thema wird dann von den Evangelienschreibern, insbesondere von Lukas, mit zahlreichen Hinweisen auf die Tischgemeinschaft mit Jesus aufgegriffen (Mt 9,10-13 = Markus 2,15-17 = Lukas 5,29-32).

Das Thema der Pilgerfahrt der Völker zu Tisch wird zum Appell für die entstehende Heidenkirche und wird in Verbindung mit dem Thema der göttlichen Umkehrung so interpretiert, dass sie den Platz Israels am Tisch einnehmen werden: "Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen, während die Söhne des Reiches in die äußere Finsternis geworfen werden; dort werden die Menschen weinen und mit den Zähnen knirschen" (Mt 8,11-12 [= Lk 13,28-29]; vgl. Lk 16,19-31; 14,16-24 [= Mt 22,1-10]; 22,28-30; Jeremia 1958: 59-63).

Das messianische Festmahl wird manchmal als Hochzeitsmahl dargestellt. Dieses Thema ist in der biblischen Literatur besonders prominent als Symbol für die Beziehung Gottes zum Volk Israel (Hos 2,1-23; Jes 54,4-8; Hes 16,7-8) oder, im NT, als Symbol für die Beziehung zwischen Christus und der Kirche (Joh 3,29; 2 Kor 11,2; Eph 5,23-32). Das Hochzeitsmahl als Spiegelbild des heiligen Hochzeitsthemas findet sich im Hohelied (2,4; 5,1), aber wichtiger für das apokalyptische Denken ist Jes 54,5-55,5, wo das Thema einer göttlichen Hochzeit (54,5) mit einem freudigen Fest verbunden wird, das sich durch eine Fülle von Speisen (55,1-2), die Rechtfertigung der Gerechten (54,6-17) und die Pilgerfahrt der Völker (55,5) auszeichnet. Dieses Thema wird dann im NT aufgegriffen, wo es zu einem herausragenden Bild für die Freuden des Reiches Gottes in der Tradition des Evangeliums wird, besonders in den Gleichnissen (Mt 9,15 = Markus 2,19-20 = Lukas 5,34-35; Mt 22,1-14; 25,1-13; Lk 14,7-11; vgl. Joh 3,29) und das Wunder zu Kana (Johannes 2,1-11). In der Offenbarung ist es das Hauptmotiv für das messianische Festmahl (19:7-9; 21:2, 9; 22:17).

aus: SMITH, DENNIS E.: Messianic Banquet, FREEDMAN, D. N. (ed.). The Anchor Yale Bible Dictionary, 4.
(übersetzt mit DeepL)

Wir können den Vorgeschmack auf dieses messianische Festmahl überall in unserem Leben wiederfinden: in Mahlzeiten mit Freunden und Verwandten, in einem festlichen Essen an Weihnachten, im heiligen Festmahl der Eucharistie.


M. Wetzel


Dienstag, 1. Dezember 2020

 

Adventsbesinnung: Dienstag in der 1. Adventswoche - 1. Dezember


Die Tageslesung vom Dienstag in der ersten Adventswoche stammt aus dem 11. Kapitel im Buch des Propheten Jesaja:

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.

Der Geist des Herrn ruht auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht,

der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.

Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des Herrn. / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht,

sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.

Er schlägt das Land / mit dem Stock seines Mundes

und tötet den Frevler / mit dem Hauch seiner Lippen.

Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften / und die Treue der Gürtel um seine Lenden.

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein.

Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Junge leitet sie.

Kuh und Bärin nähren sich zusammen, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter / und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.

Man tut nichts Böses / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg;

denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie die Wasser das Meer bedecken.

10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Feldzeichen für die Völker;

die Nationen werden nach ihm fragen / und seine Ruhe wird herrlich sein. (Jes 11, 1-16)


Lesungen aus Jesaja prägen die Adventszeit, und ganz besonders diese. Sie stellt zwei Bilder vor Augen: der neue Zweig, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst, verweist in der Zeit des Jesaja auf den Niedergang des Königtums in Jerusalem (Isai, der Vater des Königs David, steht für diese Dynastie), zugleich aber auf neue Hoffnung. Vielleicht hat der Prophet damit zunächst eine naheliegende Hoffnung gemeint: einen neuen König, der es besser machen soll als seine Vorgänger. Aber das zweite Bild: der umfassende, paradiesische Friede, in der Natur wie unter den Völkern, geht weit über das hinaus, was irgendein irdischer Herrscher bewirken könnte. Hier kommt die messianische Hoffnung Israels, die Hoffnung auf einen göttlichen Erlöser, in den Blick.


Dieser Text könnte uns heute anleiten, darüber nachzudenken, wie sich im eigenen Leben die kleinen, naheliegenden Hoffnungen und die großen, umfassenden Träume zueinander verhalten. Unmittelbare Erwartungen, Hoffnungen für das Nächstliegende sind leicht benannt: Gesundheit, Erfolg im Beruf, Harmonie in der Familie und vieles Andere. Ist das schon alles? Trauen wir uns noch, darüber hinaus zu hoffen, Großes zu erwarten? Umfassender Friede, Gerechtigkeit für alle Völker, Überwindung von Leid und Tod – das scheinen für Viele weltfremde Utopien zu sein. Als Christen bekennen wir uns dazu, dass diese großen Hoffnungen nicht sinnlos sind, dass sie nicht vergessen werden, dass sie im Auftreten Jesu einen konkreten Ort gefunden haben.


M. Wetzel


 Christi Himmelfahrt Predigt und Orgelspiel aus der Vorabendmesse M. Wetzel