Sonntag, 27. September 2020

 26. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis


Das Evangelium vom heutigen Sonntag ist aus dem 21. Kapitel des Matthäusevangeliums:

In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:
28Was meint ihr?
Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
29Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe.
Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin.
31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste.
Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 32Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mat 21, 28-32)

Im 21. Kapitel des Matthäusevangeliums hat sich der Konflikt Jesu mit den ‚Hohepriestern und Ältesten‘, also mit den führenden Kreisen in Jerusalem, bereits sehr zugespitzt. Zuvor wurde der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem berichtet, bei dem er vom Volk als der erwartete Messias begrüßt wird, und die Tempelreinigung, mit der er gegen die Veräußerlichung des Tempelkultes Stellung bezieht. Im heutigen Evangelium greift Jesus die Hohepriester und Ältesten besonders heftig an:  „Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Jesus verlangt von seinen Zuhörern, auf dem „Weg der Gerechtigkeit“ konkrete Schritte zu gehen – bloßes Reden genügt nicht. Dies wird bei ihm jedoch nicht zu einer Leistungsethik, die schnell zur Selbstgerechtigkeit führen könnte, sondern zur Aufforderung, die Früchte der Umkehr überall mit Freude anzunehmen, auch bei den ‚Zöllnern und Dirnen‘. 

Im Tagesgebet der Sonntagsmesse beten wir:

Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 20. September 2020

 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der St. Josefskirche.


Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis


Am heutigen Sonntag hören wir aus dem Matthäusevangelium das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg:

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

1Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging,

um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

3Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten.

4Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.

5Und sie gingen.

Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.

6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen.

Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? 7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!8Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:

Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!

9Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár.

10Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denár.

11Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn 12und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt.

Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.

13Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? 14Nimm dein Geld und geh!

Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.

15Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?

Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?

16So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte. (Mat 20, 1-f)

Das Gleichnis nimmt eine Erfahrung aus, die jeder von uns kennt: bei Gott scheint es nicht immer gerecht zuzugehen. Der eine hat mühelos Glück und Erfolg in seinem Leben, ein anderer, der sich vielleicht mehr Mühe gegeben hat und alles richtig machen wollte, wird vom Unglück verfolgt. Das Handeln Jesu, der sich den Sündern, den Zöllnern zuwendet, verschärft dies noch: haben diejenigen, die immer fromm und gerecht waren, nicht Grund, sich zu beklagen? Das Gleichnis warnt davor, auf dieses Verhalten Jesu mit Neid zu reagieren: Böse zu sein, weil Gott gut ist. Aber Jesus belässt es nicht bei einem moralischen Appell: sei nicht neidisch! – er bietet auch eine Therapie gegen den Neid an: Weil wir Gottes überreiche Güte durch Jesus erfahren, weil jeder den vollen Lohn bekommt, der sich von ihm anwerben lässt, haben wir es nicht mehr nötig, neidisch und kleinlich gegeneinander zu sein. 


Im Tagesgebet der heutigen Messe beten wir:

Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe

zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen

als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.

Gib uns die Kraft,

dieses Gebot treu zu befolgen,

damit wir das ewige Leben erlangen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


Bitte beachten Sie: am kommenden Sonntag ist in der Maria Hilf Kirche keine Heilige Messe, sondern wir laden am 27.9. ein zum Ökumenischen Gottesdienst um 11.00 Uhr auf dem 48-er Platz.

In der St. Josefskirche ist am 27.9. der 11-Uhr-Gottesdienst eine Erstkommunionfeier, zu der keine Anmeldung möglich ist. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute kommende Woche,


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 13. September 2020

 24. Sonntag im Jahreskreis

Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Maria Hilf Kirche. 


Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis


Im Sonntagsevangelium hören wir heute das Ende der ‚Gemeinderede‘ Jesu im Matthäusevangelium:


In jener Zeit

21 trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,

wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?

22 Jesus sagte zu ihm:

Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.


23 Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. 24 Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

25 Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.

26 Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

27 Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.

28 Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war.

Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!

29 Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.

30 Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.

31 Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

32 Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.

33 Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

34 Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

35 Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt. (Mat 18, 21-35)


Das, was der Knecht im Gleichnis mit seinem Mitknecht macht, der ihm nur eine geringe Summe schuldig ist, ist eigentlich nichts Besonderes: so geht es eben zu in unserer Welt: Schulden müssen zurückgezahlt werden, jeder sucht seinen Vorteil, wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. 

Aber das Verhalten des Königs im Gleichnis – der natürlich für Gott steht – hat eine ganz andere Welt begründet: eine Welt, in der es Vergebung, Erlass von Schuld in unbegreiflichem Maß gibt. Eine Welt, die nicht mehr vom gegenseitigen Aufrechnen von Schuld und Versagen geprägt ist, sondern von großzügig schenkender Liebe. Der Knecht im Gleichnis war in diese Welt schon hineingezogen, der König hatte ihm seine gewaltigen, unbezahlbaren Schulden erlassen. Er scheitert daran, in dieser neuen Wirklichkeit zu leben und im gleichen Geist mit seinen Mitmenschen umzugehen. Die Mahnung, die der Evangelist uns geben will, ist klar: Wir sind als Jüngerinnen und Jünger bereits in die neue Wirklichkeit Gottes hineingenommen. Jeder von uns hat unbegreifliche, überströmende Liebe und Vergebung von Gott empfangen. Die Konsequenz muss sein, diese Liebe und Vergebung auch einander weiterzugeben, zumal in den Kleinigkeiten des Alltags. Wenn wir daran scheitern, wenn wir die neue Wirklichkeit Gottes verlassen, wenn wir untereinander hartherzig bleiben, verspielen wir auch für uns Gottes Barmherzigkeit und Liebe.


Im Tagesgebet der Messe beten wir:


Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns.

Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen

und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 6. September 2020

 23. Sonntag im Jahreskreis - Weltkirchlicher Tag der Gebetes und der Solidarität mit den Leidtragenden der Corona-Pandemie


Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der St. Josefs Kirche.


Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis


Im heutigen Evangelium lesen wir:


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

15Wenn dein Bruder gegen dich sündigt,

dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!

Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.

16Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir,

damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen

entschieden werde.

17Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde!

Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,

dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

18Amen, ich sage euch:

Alles, was ihr auf Erden binden werdet,

das wird auch im Himmel gebunden sein,

und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,

das wird auch im Himmel gelöst sein.

19Weiter sage ich euch:

Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten,

werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.

20Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,

da bin ich mitten unter ihnen. (Mat 18, 15-20)


Wir wissen es alle: das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe steht im Zentrum der Verkündigung Jesu. Aber manchmal fragen wir uns etwas ratlos: genügt das schon zur Lösung aller Probleme? Brauchen wir Menschen nicht handfestere Regeln und Gesetze? Aber wir würden Jesus missverstehen, wenn wir das Gebot der Liebe nur als eine allgemein gehaltene Aufforderung zur Sympathie ohne reale Konsequenzen verstehen würden. Das heutige Evangelium zeigt, dass Jesus das Liebesgebot in ganz konkreter, handfester Weise versteht: Im Konfliktfall den Anderen nicht bloßstellen, sondern zuerst unter vier Augen, dann mit wenigen anderen versuchen, die Sache zu klären: das heißt für Jesus: den Nächsten lieben. Am Ende, falls jede Einsicht fehlt, muss aber auch die Gemeinschaft vor dem Einzelnen geschützt werden, uns sei es durch dessen Ausschluss. 


Diesen Sonntag haben die Deutschen Bischöfe zu einem „Weltkirchlichen Sonntag des Gebets und der Solidarität mit den Leidtragenden“ angesichts der Corona-Pandemie ausgerufen. 


Wir beten

für alle Erkrankten – erbarme dich; 

für alle im Gesundheitswesen – erbarme dich; 

für alle, die Versorgung, Betreuung und Sicherheit gewährleisten – erbarme dich; 

für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft – erbarme dich; 

für alle, die Angst haben und verunsichert sind – erbarme dich; 

für die Alten und Kranken – erbarme dich; 

für die Kinder – erbarme dich; 

für die, die wirtschaftlich gefährdet sind – erbarme dich; 

für alle Menschen weltweit und für Solidarität miteinander – erbarme dich; 

für die Verstorbenen und Trauernden – erbarme dich. 

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, aller Seligen und Heiligen bitten wir um deine Hilfe. Wende uns dein Antlitz zu und sei uns gnädig. 

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.


Wir bitten Sie auch um Ihre Spende für die Hilfe in den Ländern, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind

Für die Aktion ist ein Sonderkonto für Spenden eingerichtet (Verband der Diözesen Deutschlands, Stichwort: Corona-Kollekte 2020, IBAN DE53 4006 0265 0003 8383 03, GENODEM1DKM, Darlehnskasse Münster). Mit dem Erlös fördert die Kirche in Deutschland die Arbeit ihrer weltkirchlichen Werke und der Orden, die in der internationalen Corona-Hilfe aktiv sind.:


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 23. August 2020

 21. Sonntag im Jahreskreis




Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium vom heutigen Sonntag hören wir das Bekenntnis des Petrus zu Jesus als dem Messias, dem Sohn des lebendigen Gottes, und das Verheißungswort Jesu an Petrus:

In jener Zeit,
13 als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
16 Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
17 Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
18 Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
20 Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei. (Mat 16, 13-20)

Wir erfahren hier das Entscheidende über Jesus, über die Kirche, und über Petrus. Damit sind wir an einer zentralen Stelle des Matthäusevangeliums angelangt. Der Glaube wird hier ganz konkret: Nicht irgendeine der großen Prophetengestalten des Alten Bundes wiederholt sich in Jesus, sondern Simon Petrus bekennt sich dazu, dass er in diesem Menschen, der vor ihm steht, den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes erkennt. Die große Hoffnung Israels hat nun ein Gesicht bekommen, Gott selber wird erkennbar im Blick auf Jesus von Nazareth. Jesus antwortet dem Petrus mit einer genauso konkreten Aussage: nicht in irgendeiner beliebigen Form wird seine Botschaft weitergegeben werden, sondern die neue Versammlung des Gottesvolkes – seine Kirche – wird ein konkretes Fundament haben: Petrus. Dieser Kirche wird Dauerhaftigkeit zugesagt: Die ‚Pforten der Unterwelt‘ – also die Macht des Todes – sollen sie nicht überwältigen. 
Die Auslegung der Verheißung an Petrus ist bis heute auch ein Streitpunkt zwischen den Konfessionen. Die katholische Kirche sieht hier nicht nur die persönliche Rolle des Simon Petrus angesprochen, sondern das Petrusamt, den Petrusdienst, die an die Nachfolger des Petrus weitergegeben werden bis zu unserem derzeitigen Papst. Natürlich lagen die späteren kirchengeschichtlichen Entwicklungen noch außerhalb des Horizonts des Evangelisten Matthäus. Aber der Sinn der Worte Jesu geht doch deutlich in die Richtung, dass er seine Lehre, seine Vollmacht hier in die Hände des Petrus legt – und bestimmt nicht will, dass seine Kirche nach dem Tod des Petrus ohne Führung, ohne Fundament, ohne einen Garanten der Einheit bleibt. Dieses Evangelium erinnert uns daran, dass die Nachfolge Jesu nicht im Allgemeinen und Abstrakten bleiben kann. Sie muss sich auf die konkreten Menschen, die Brüder und Schwestern an unserer Seite, einlassen. Sie steht in der konkreten Gemeinschaft mit der weltweiten Kirche und wird nicht von einer Idee oder einem Prinzip zusammengehalten, sondern von einer konkreten Person, die in der Vollmacht Jesu handelt: vom Nachfolger des Petrus, dem Bischof von Rom. 

Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, dass wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer  Martin Wetzel

Sonntag, 16. August 2020

 20. Sonntag im Jahreskreis


Hier finden Sie die Predigt vom 15. August zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel.


Impuls zum 20. Sonntag im Jahreskreis


Das Evangelium vom heutigen Sonntag erzählt von dem Wunder, das Jesus auf Bitten einer heidnischen Frau wirkt:

In jener Zeit 21 zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

22Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm

und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!

Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.

23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort,

denn sie schreit hinter uns her!

24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

25Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!

26Er erwiderte:

Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.

27Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen,

die vom Tisch ihrer Herren fallen.

28Darauf antwortete ihr Jesus:

Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an

war ihre Tochter geheilt. (Mat 15, 21-28)

Am Ende sagt Jesus: „Frau, dein Glaube ist groß.“ Das steht in betontem Gegensatz zum „Kleinglauben“, der öfters den Jüngern bescheinigt wird. Dieses Evangelium kann uns einladen, darüber nachzudenken, wie wir dieses Wort ‚Glaube‘ verstehen können. Im Zusammenhang der Begegnung Jesu mit der heidnischen Frau bedeutet ‚Glaube‘ offensichtlich ganz und gar nicht ein passives Geschehenlassen oder nur eine stille Ergebung in Gottes Willen. Die heidnische Frau lässt sich nicht abweisen: sie argumentiert, ja sie streitet mit Jesus. Und Jesus weist dies keineswegs als unpassend oder ungehörig ab. Man gewinnt den Eindruck, dass er geradezu froh darüber ist, dass sie ihm ein Argument an die Hand gibt, das es ihm erlaubt, ihrer Tochter doch zu helfen. 

Für uns kann das bedeuten: ‚Glaube‘ kann auch in unserem Leben viele Formen annehmen. Dazu gehört auch die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit Gott, der Ärger und das Unverständnis, das wir vor ihm ausbreiten. Gott weist unsere Argumente nicht zurück. Am Ende erweist sich seine Liebe und Barmherzigkeit immer als größer, als wir für möglich gehalten haben. 


Das Tagesgebet der heutigen Messe lautet:


Barmherziger Gott, was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,

das hast du denen bereitet, die dich lieben.

Gib uns ein Herz,

das dich in allem und über alles liebt,

damit wir

den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,

der alles übersteigt, was wir ersehnen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 

der in der Einheit des Heiligen Geistes 

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


 Ich wünsche Ihnen einen frohen, gesegneten Sonntag!


Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 9. August 2020

 19. Sonntag im Jahreskreis

Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis


Auch an diesem Sonntag hören wir im Evangelium von einer Wundertat Jesu:

22 Gleich darauf drängte Jesus die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. 23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. 24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
25 In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See.
26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. 27 Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
28 Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. 30 Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!
31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du. (Mat 14, 22-33)

Die Begegnung der Jünger mit Jesus mitten auf dem See findet sich ähnlich auch im Markusevangelium und im Johannesevangelium. Nur bei Matthäus lesen wir aber die Episode von Petrus, der Jesus zunächst auf dem Wasser entgegengeht und dann, als er Angst bekommt, unterzugehen droht und von Jesus gerettet wird. Es ist ganz typisch für den Evangelisten Matthäus, dass die Jünger Jesu nicht wie bei Markus einfach als unverständig und noch ohne Glauben gekennzeichnet werden. Vielmehr werden die Jünger im Matthäusevangelium immer wieder ‚kleingläubig‘ genannt – das ist nicht nur eine abwertender Ausdruck, sondern auch die Anerkennung, dass da schon ein Anfang des Glaubens gemacht ist, dass die Jünger auf dem Weg sind, Jesus richtig kennenzulernen und zu verstehen. Für diesen Lernprozess der Jünger steht hier Petrus stellvertretend: Wir können uns in ihm wiedererkennen – sowohl in der Freude über die Begegnung mit Jesus und im raschen Vertrauen auf ihn, wie auch im ängstlichen Starren auf die eigenen begrenzten Möglichkeiten. Der Ruf des Petrus: ‚Herr, rette mich!‘ ist der Ruf jedes Jüngers und jeder Jüngerin Jesu: Unser Glaube ist nicht ein fester Besitzt, sondern ein immer neues auf-Jesus-Zugehen, ein immer neues Einüben des Vertrauens zu ihn, ein immer neues Ergreifen seiner rettenden Hand.


Im Tagesgebet der Messe lesen wir:

Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, dass wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 2. August 2020

18. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 18. Sonntag im Jahreskreis


Das Wunder der Brotvermehrung, von dem wir im Evangelium vom heutigen Sonntag hören, hat eine besondere Stellung im Neuen Testament: als einziges Wunder Jesu wird es von allen vier Evangelisten berichtet. Und es ist eingebunden in eine Fülle von Mahl-Erzählungen, die offenbar ganz typisch für Jesus waren. Am Ende wird er alles, was er seiner Gemeinde hinterlassen wird, im Letzten Abendmahl zusammenfassen. 

13 Als Jesus das hörte, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach.
14 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. 15 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! 16 Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.
18 Er antwortete: Bringt sie mir her!
19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten 20 und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll.
21 Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder. (Mat 14, 13-21)

Unmittelbar vor dem Wunder der Brotvermehrung wird im 14. Kapitel des Matthäusevangeliums von einem anderen Mahl erzählt: von dem Festmahl des Herodes, einem üppig-ausschweifenden Mahl, das am Ende zu einer Gewalttat an einem Unschuldigen führt: zur Ermordung Johannes‘ des Täufers. Diese beiden Mahlfeiern stehen in scharfem Kontrast: Herodes feiert sich selbst und seine Macht mit dem, was dem armen  und unterdrücken Volk abgepresst wurde. Jesus feiert fern von den Reichen und Mächtigen mit Menschen, die nicht mehr als ein paar Brote und Fische dabei haben. Fülle entsteht bei seinem Mahl nicht durch Raub und Gewalt, sondern durch Gottes freies Geschenk. Beim Mahl des Herodes kreisen Menschen, die keine Zukunft haben, um sich selbst – beim Mahl Jesu wird das neue Gottesvolk versammelt, so wie einst das Volk Israel sich beim Weg durch die Wüste als Bundesvolk Gottes versammeln konnte. 
Wir müssen uns fragen lassen: bei welchem Mahl bin ich zu Hause, wo feiere ich die Feste meines Lebens? Mit Herodes oder mit Jesus? Nur wenn wir uns von den Gewalt- und Unrechtsstrukturen dieser Welt distanzieren, wenn wir an der Seite der Armen das Fest mit Jesus feiern, können wir an seiner Fülle Anteil haben.


Im Tagesgebet der Messe beten wir:

Gott, unser Vater, steh deinen Dienern bei
und erweise allen, die zu dir rufen,
Tag für Tag deine Liebe.
Du bist unser Schöpfer
und der Lenker unseres Lebens.
Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen,
und erhalte, was du erneuert hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrsch in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute sommerliche Zeit,

Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 26. Juli 2020

17. Sonntag im Jahreskreis


hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Josefskirche.


Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis

Das Evangelium vom Sonntag führt uns zum Ende der Gleichnisrede Jesu im Matthäusevangelium: (Mat 13, 42-53)

44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.
47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen. 48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern 50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.
52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, zog er weiter.


Für die ersten Hörer des Evangeliums war wohl sehr einleuchten, was mit dem Doppelgleichnis vom Schatz im Acker und von der wertvollen Perle gemeint ist: es war für sie ein klares Risiko, Christ zu werden. Dabei konnten sie alles verlieren: ihre Familien, ihren Besitz, alle Entfaltungsmöglichkeiten in ihrem Leben. Und trotzdem gingen sie dieses Risiko ein, setzten alles auf ein Karte: weil sie den ‚Schatz im Acker‘ die wertvolle Perle, gefunden hatten: weil sie die Gemeinschaft mit Christus und seinen Brüdern und Schwestern gefunden hatten, die alles andere aufwiegt.
Uns stellen diese Gleichnisse vor die Frage: Ist mein Christsein zu sehr eine Sache der Gewohnheit, eine bloße Routine geworden? Müsste ich neu entdecken, dass es mein Herz mit Freude über ein Abenteuer erfüllen kann, wenn ich mich für Christus entscheide? Das Abenteuer der Freiheit, das Abenteuer des neuen Lebens in der Gemeinde der Jüngerinnen und Jünger.

Im Tagesgebet der Messe beten wir:
Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
dass wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 19. Juli 2020

16. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis


Mit drei Gleichnissen spricht Jesus im heutigen Evangelium über das Himmelreich:

24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?
29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.
30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist:
Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, / ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. 
36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!
37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel.‘
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre! (Mat 13, 24-42)

Im Laufe der Kirchengeschichte sind diese Gleichnisse oft schnell auf die Entwickelung der Kirche gedeutet worden: aus kleinsten Anfängen, den wenigen Jüngern Jesu, entstand die große, weltumspannende christliche Kirche. Eine solche Deutung fällt uns heute schwer: wir sehen die Geschichte der Kirche nicht als eine geradlinige Erfolgsgeschichte, sondern als eine Geschichte voller Brüche und Katastrophen, nicht zuletzt in unserer eigenen Zeit oft eher eine Verfallsgeschichte als eine Wachstumsgeschichte. Aber die Deutung auf die Geschichte der Kirche entspricht ja auch gar nicht dem, was in diesen Gleichnissen gesagt wird: ‚Der Acker ist die Welt‘ heißt es in der Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Acker. Gerade dieses Gleichnis redet auch von einem schwierigen Nebeneinander von Weizen und Unkraut, von der Geduld, die nötig ist, bis Gott seine Ernte einbringen kann. Nicht triumphale Erfolgsgeschichten werden uns hier vor Augen gestellt, sondern es wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass überall da, wo der ‚gute Samen‘ des Gotteswortes ausgesät wird, es sich um unscheinbare, kümmerliche Anfänge handelt – heute nicht weniger als vor 2000 Jahren. Aber es wird auch unser Vertrauen gestärkt, dass Gott aus diesen unscheinbaren Anfängen seine große Ernte machen kann, seinen großen Baum wachsen lassen kann.  

Im Tagesgebet der Messe vom 16. Sonntag im Jahreskreis beten wir um das, was unerlässliche Voraussetzung dafür ist, dass aus den kleinen Anfängen etwas Gutes wachsen kann: Glaube, Hoffnung und Liebe:

Herr, unser Gott, 
sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hast.
Mach uns stark im Glauben,
in der Hoffnung und in der Liebe,
damit wir immer wachsam sind
und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche,

M. Wetzel

Sonntag, 12. Juli 2020

15. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis


1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. 
Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
9 Wer Ohren hat, der höre!
10 Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
11 Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
12 Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. 14 An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. / Mit ihren Ohren hören sie schwer / und ihre Augen verschließen sie, / damit sie mit ihren Augen nicht sehen / und mit ihren Ohren nicht hören / und mit ihrem Herzen / nicht zur Einsicht kommen / und sich bekehren und ich sie heile.
16 Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.
17 Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Mat 13, 1-17)

Das Gleichnis vom Sämann leitet die dritte große Rede Jesus im Matthäusevangelium ein: Die Gleichnisrede. Bei den Gleichnissen Jesu handelt es sich nicht nur um eine Methode, die Botschaft bildhaft und anschaulich darzustellen. Es geht um eine Notwendigkeit: die Botschaft vom anbrechenden Gottesreich kann nur so gesagt werden. Denn diese Botschaft kann nicht wie irgendeine menschliche Weisheit gelehrt und verstanden werden. Sie fordert den Hörer unmittelbar zu einer Antwort heraus. Jesus und die ersten Jünger machten die Erfahrung, dass diese Botschaft, auch wenn sie öffentlich gesagt und weithin zugänglich ist, doch eine verschlüsselte, codierte Botschaft ist, zu der Viele keinen Zugang finden. Nicht, weil Jesus nicht wollte, dass alle ihn verstehen, sondern weil wir selbst uns dem richtigen Verstehen verschließen. Aber was ist dann der richtige Code, der Schlüssel zum Verständnis der Botschaft? Gerade in der Gleichnisrede wird deutlich: der Schlüssel ist nicht irgendein verborgenes, geheimes Wissen, der Schlüssel liegt im Leben, in der Existenz der Menschen. ‚Eure Augen sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.‘ Der Schlüssel für das Verständnis ist die Jüngerschaft, die Nachfolge Jesu. Wer mit ihm unterwegs ist, lernt zu verstehen, worum es ihm geht – wer sich nicht auf den Weg macht, kann ihn nur missverstehen. 
Das Bild von dem vierfach verschiedenen Acker, auf den der Samen fällt, hat einen mahnenden und einen tröstlichen Aspekt: mahnend, indem es uns klar macht, dass es nicht reicht, das Wort äußerlich zu hören, sich aber nicht wirklich auf den Weg Jesu zu machen. Tröstend, indem es deutlich macht, dass trotz all unserer Unzulänglichkeit das Wort Gottes am Ende reiche Ernte einbringen wird. 

Auch im Tagesgebet der Messe wird das Bild vom Weg aufgegriffen:

Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft,
zu meiden, was diesem Namen widerspricht
und zu tun, was unserem Glauben entspricht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.  

Ich wünsche Ihnen einen frohen, gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 5. Juli 2020

14. Sonntag im Jahreskreis




Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis hören wir einen Jubelruf Jesu:

25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Mat 11, 25-30)
Jesus spricht mit Begeisterung, mit jubelnder Freude: er hat seinen Jüngerinnen und Jüngern etwas Großartiges anzubieten, er spricht eine wunderbare Einladung aus. Wie geht es uns damit? Kennen Sie auch den Jubel darüber, dass diese Einladung Jesu bei Ihnen angekommen ist, dass Sie zu ihm gehören dürfen, dass Sie in seiner Kirche sein dürfen? Oft schein uns der Glaube, das Christsein etwas Schwieriges, Kompliziertes oder gar Bedrückendes zu sein. In diesem Evangelium werden wir wieder auf den Kern unseres Glaubens aufmerksam gemacht: Durch Jesus finden wir ganz zu Gott, durch ihn finden wir zur Fülle und zum Ziel unseres Lebens. 

Die Stimmung der jubelnden Freude über den Messias, der den Frieden bringt, begegnet uns auch in der ersten Lesung aus dem Propheten Sacharja:

9 Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.
10 Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim / und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. / Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer / und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9, 9-10)

Und auch im Tagesgebet der Messe beten wir: ‚Erfülle uns mit Freude über die Erlösung‘. Da wird ganz deutlich, dass diese Freude nicht nur eine menschliche Stimmung ist, die kommen und gehen kann, sondern dass sie ein wunderbares Gottesgeschenk ist, das uns auch an schweren Tagen begleitet.

Barmherziger Gott, durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, 
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie bei allem Schwerem, das unser Leben und unsere Zeit mit sich bringt, doch auch sagen können: Ich freue mich, das ich Christ sein kann! Ich freue mich, dass ich in der Taufe eine wunderbare Verbindung zu Jesus Christus aufgenommen habe und von ihm zum Vater im Himmel geführt werde. Ich freue mich, dass ich zu seiner Kirche gehören darf, das ist das Beste, was mir in meinem Leben geschenkt werden kann.

Einen frohen Sonntag wünscht Ihnen

Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 28. Juni 2020

13. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis


Der Eröffnunsvers der Messe vom 13. Sonntag im Jahrskreis lautet:

Ihr Völker alle, klatscht in die Hände,
jauchzt Gott zu mit lautem Jubel. (Psalm 47, 2)

Dieser Psalmvers kann zu einer persönlichen Besinnung einladen: wo gibt es in meinem Leben Grund zur Freude, Grund, Gott zu danken? Oder sehe ich immer nur das Negative und habe verlernt, mich wie ein Kind über eine Kleinigkeit zu freuen?

Im Sonntagsevangelium hören wir heute das Ende der Aussendungsrede Jesu im Matthäusevangelium, noch einmal wendet er sich mit Mahnungen und auch mit Verheißungen an seine Apostel:


37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. (Mat 10, 37-42)


Wenn heute etwas positiv wahrgenommen wird vom Handeln der Kirche, dann ist das oft der Einsatz für die Familien: Kinderkrippen und Kindergärten, Krabbelgruppen, Jugendfreizeiten und die Gestaltung von Familienfesten etwa bei Taufe und Erstkommunion: das wird auch von vielen geschätzt, die sonst der Kirche distanziert gegenüberstehen. Und nun hören wir im Evangelium Sätze, die dieser Familienorientierung geradewegs widersprechen: Wer Vater, Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Man mag ja noch verstehen, dass dies für die Zeit der ersten christlichen Generation galt, als es vor allem Wandermissionare waren, die ohne jede Familienbindung unterwegs waren, um Menschen für Christus zu gewinnen. Erstaunlich ist allerdings, dass uns der Evangelist Matthäus diese radikalen Worte Jesu überliefert hat, obwohl zu seiner Zeit die christlichen Gemeinden bereits weitgehend ortsfest geworden waren und normalerweise keineswegs von einem Christen erwartet wurde, seine Familie aufzugeben und zurückzulassen. Trotzdem war auch für diese Christen das Bewusstsein lebendig geblieben, dass Christsein immer auch Aufbruch bedeutet, dass es einen kritischen Blick auf die Mächte und Bindungen dieser Welt beinhaltet, die Veränderung und Neuanfang oft erschweren. Für uns kann dieses Evangelium zu einer Herausforderung werden, neu darüber nachzudenken: wo habe ich mich allzu gemütlich in den Strukturen dieser Welt eingerichtet? Wo müsste ich mit neuer Offenheit den Ruf Jesu zur Umkehr und zum Aufbruch hören? Was bedeutet es für mich, Jesus zu lieben – mehr als alles andere?


Das Tagesgebet vom 13. Sonntag im Jahreskreis lädt uns ein, in Freude uns zu unserer Gemeinschaft mit Jesus Christus zu bekennen, die durch die Taufe begründet ist:

Gott, unser Vater, du hast uns in der Taufe
zu Kindern des Lichtes gemacht.
Lass nicht zu,
dass die Finsternis des Irrtums
über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns,
im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, seinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht
in alle Ewigkeit. Amen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

M. Wetzel


Sonntag, 21. Juni 2020

12. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Der Eröffnungsvers (Introitus) des Gottesdienstes am 12. Sonntag im Jahreskreis ist ein Wort aus Psalm 28 (Ps 28, 8-9), das Mut und Hoffnung geben kann:

Der Herr ist die Stärke seines Volkes,
er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe,
führe und trage es in Ewigkeit.

Im Evangelium hören wir an diesem Tag einen Abschnitt aus dem letzten Teil der 'Aussendungsrede' Jesu im 10. Kapitel des Matthäusevangeliums:

In jeder Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. 27 Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! 28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! 29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. 30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. 31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. 32 Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. 33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (Mat 10, 26-33)

Jesus macht seinen Aposteln nichts vor: sie müssen, wenn sie als seine Boten auftreten, mit dem Schlimmsten rechnen – auch mit Verfolgung und gewaltsamem Tod. Das wäre normalerweise Grund genug, davonzulaufen oder sich zu verstecken: aber Jesus ruft den Aposteln drei mal in diesem Abschnitt zu: 'Fürchtet euch nicht!' Das ist die Grundaussage dieses Evangeliums: die Apostel sollen mutig und zuversichtlich sein, selbst mitten in lebensgefährlichen Situationen. Und im Laufe dieser 'Aussendungsrede' im Matthäusevangelium wird auch immer deutlicher: Jesus redet hier nicht nur von den 12 Aposteln und ihrem ersten Auftreten als Boten Jesu, er redet von allen seinen Jüngerinnen und Jüngern – auch von uns.
Zwei Gründe für die Furchtlosigkeit der Jünger nennt Jesus: Erstens weist er auf die große Perspektive hin, auf das was am Ende, am Jüngsten Tag zu erwarten ist: dann wird sich alles klären, das Verborgene wird bekannt werden und es wird deutlich werden, dass die Jünger Jesu zurecht ihre Hoffnung auf ihn gesetzt hatten. Und zweitens sagt er: wir sollen nicht vor den Mächten dieser Welt Anst haben, die doch nur Äußerliches bewirken können – wir sollen vielmehr Gott fürchten, von dem unser letztes Glück und unsere ganze Zukunft abhängen.
Diese Aufforderung zur 'Gottesfurcht' empfinden wir heute oft als Zumutung: sollen wir etwa ängstlich und bedrückt Gott gegenüber sein? Verkündet uns Jesus nicht den liebenden, gnädigen Gott?
Gewiß tut er das! Aber die Rede von dem liebenden Gott darf nicht zu einer Verharmlosung und Verflachung des Gottesbildes führen, als ob es letztlich um nichts ginge. Jesus sagt: Es geht um Alles! Wir sollen die richtigen Prioritäten setzen: uns nicht verwirren lassen und betäuben lassen von den vielen scheinbar so wichtigen Angelegenheiten unseres Alltags: entscheidend ist letztlich nur eines: den Weg der Nachfolge Jesu, den Weg der Jüngerschaft mutig und furchtlos zu gehen.

Diese Haltung wird auch im Tagesgebet der heutigen Messe ausgedrückt, wenn es heißt, dass wir Gott 'fürchten und lieben' sollen: der scheinbare Widerspruch wird für den verständlich, der sich vertrauensvoll auf den Weg der Nachfolge macht, der die Größe und Unbegreiflichkeit Gottes ganz anerkennt und in Jesus ganz seine Liebe und Fürsorge erfährt.


Heiliger Gott, gib, dass wir deinen Namen
allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen



Ich wünsch Ihnen einen guten, gesegneten Sonntag und eine erfüllte kommende Woche.

M. Wetzel

Sonntag, 14. Juni 2020

11. Sonntag im Jahreskreis

Nach der österlichen Zeit, dem Pfingstfest, dem Dreifaltigkeitssonntag und dem Fronleichnamsfest sind wir nun wieder bei den 'normalen' Sonntagen im Jahreskreis angekommen. Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Josefskirche.

 Frau Gemeindereferentin Gerda Hofmann hat für diesen Sonntag den Predigtimpuls im youtube-channel der Katholischen Kirche in Mannheim gestaltet.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

M. Wetzel

Montag, 8. Juni 2020

Mit Gott unterm Baum - 2. Juni 2020

Letzten Dienstag feierten wir Premiere - der erste "Mit Gott unterm Baum" - Gottesdienst!
Es war richtig toll: das Wetter hat mitgespielt und 46 Schwestern und Brüder waren bei dieser Feier dabei.
Morgen heißt es um 18 Uhr wieder: "Mit Gott unterm Baum" - Herzliche Einladung an alle!
 
 
 

Sonntag, 7. Juni 2020

Dreifaltigkeitssonntag

Bild: Foto: Martin Manigatterer / Kunst: Glaswerkstätten im Stift Schlierbach / Standort: Fatimakapelle Schardenberg

In: Pfarrbriefservice.de

Hier finden Sie eine Kurzpredigt zum heutigen Sonntag

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag


4 Da hieb Mose zwei Tafeln aus Stein zurecht wie die ersten. Früh am Morgen stand er auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der HERR aufgetragen hatte. Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.
5 Der HERR aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen des HERRN aus.
6 Der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief:
Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue:
8 Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden. 9 Er sagte: Wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte! Weil es ein hartnäckiges Volk ist, musst du uns unsere Schuld und Sünde vergeben und uns dein Eigentum sein lassen!

Das ist die erste Lesung vom Dreifaltigkeitssonntag – aus dem 34. Kapitel des Buches Exodus. Zum Thema ‚Dreifaltigkeit‘ schein sie zunächst einmal nichts beizutragen. In der Tat: Die Lehre von der Dreifaltigkeit findet sich noch nicht im Alten Testament. Diese feierliche Begegnung des Mose mit dem Gott Israels am Berg Sinai stellt einen Höhepunkt der Gottesoffenbarung des Alten Bundes dar: Gott, der eine und einzige, der Herr über alles, offenbart sich als der gnädige, barmherzige und langmütige, reich an Huld und Treue. Er ist  jenseits dieser Welt und doch zugleich den Menschen nahe, er begleitet die Geschichte seines Volkes. Diese Lesung stellt also unser christliches Bekenntnis vom drein-einen Gott ganz in den Zusammenhang der großen Gotteserfahrung Israels: der Vater, der Sohn, der Heilige Geist: das ist kein anderer als der eine und einzige Gott, der sich dem Mose offenbarte. 
Im Johannesevangelium hören wir dann wie in einer Kurzfassung des christlichen Glaubensbekenntnisses von dem Miteinander und Füreinander des Vaters und des Sohnes:

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. (Joh 3, 16-18)

Was im Alten Testament bereits geahnt wird als Lebensfülle Gottes offenbart sich im Neuen Testament in der Sendung des Sohnes durch den Vater zu Rettung der Welt. Die frühen Christen konnten gar nicht anders von Gott reden, wenn sie der ganzen beglückenden Erfahrung mit Jesus Christus treu bleiben wollten: Sie mussten reden vom Vater, der den Sohn in die Welt sendet, vom Sohn, der den Vater verherrlicht und vom Geist der Liebe und des Lebens, der vom Vater und vom Sohn ausgeht und die Jüngerinnen und Jünger Jesu erfüllt. Am Dreifaltigkeitssonntag bekennen wir uns dazu, dass unser Reden von Gott nie langweilig, weltfremd und formelhaft werden darf. Vom einen und dreieinen Gott zu reden heißt: immer auch zugleich von der spannenden Freiheitsgeschichte des Gottesvolkes zu reden, von der Fülle des Lebens und der Liebe, von der Sehnsucht nach Glück und Gemeinschaft. 

Im Tagesgebet vom Dreifaltigkeitssonntag beten wir:

Lasst uns beten. 
Herr, himmlischer Vater, du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren. 
Gib, dass wir im wahren Glauben die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen und die Einheit der drei Personen in ihrem machtvollen Wirken verehren. 
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Dreifaltigkeitssonntag und eine gute Woche,

Ihr

Pfarrer M. Wetzel

Samstag, 30. Mai 2020

Pfingsten

Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini).jpg
Von Dnalor 01 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, Link
Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini)


Impuls zum Pfingstfest


An Pfingsten hören wir im Evangelium eine Szene vom Abend des Ostertages, aus dem 20.
Kapitel des Johannesevangeliums:

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei
verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die
Jünger, als sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den
Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie
behaltet, sind sie behalten.

Hier schließt sich im Johannesevangelium der Kreis: Am Anfang, in den ersten Versen, war
von der Schöpfung die Rede, von dem Wort, das von Anfang an bei Gott war und durch das
alles geworden ist. Nun, am Ende des Evangeliums, wird auf die Szene von der Erschaffung Adams Bezug genommen: So wie Gott dem Adam den Lebensatem eingibt, so haucht Jesus seine Jünger an und übergibt ihnen den Heiligen Geist. Es geht hier also nicht etwa nur um die Gründung einer Organisation, eines Vereins: es geht um neue Schöpfung, um Vollendung der Menschwerdung. Unmittelbare Konsequenz der Übergabe des Geistes ist die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Die Gemeinde Jesu hat die Aufgabe, Menschen aus der Gottesferne (das eigentlich meint ‚Sünde‘) herauszuführen, sie hat die Verantwortung, in der Welt an Gott zu erinnern und die Verbindung mit ihm aufrechtzuerhalten.
In der Apostelgeschichte wird uns das Pfingstereignis in einer Erzählung vor Augen gestellt
(Apg 2, 1-11):

1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.
2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden,
wie es der Geist ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von
Pontus und der Provinz Asien, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Das Verhängnis des Nicht-Verstehen-Könnens (im Buch Genesis in der Geschichte vom
Turmbau zu Babel erzählt) wird hier in einem göttlichen Schöpfungsakt geheilt: Menschen
verschiedenster Sprachen und Völker können die eine gute Botschaft verstehen.

Und hier eine Kurzpredigt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes, geisterfülltes Pfingstfest,

M. Wetzel

 Christi Himmelfahrt Predigt und Orgelspiel aus der Vorabendmesse M. Wetzel