Sonntag, 26. Juli 2020

17. Sonntag im Jahreskreis


hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Josefskirche.


Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis

Das Evangelium vom Sonntag führt uns zum Ende der Gleichnisrede Jesu im Matthäusevangelium: (Mat 13, 42-53)

44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.
47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen. 48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern 50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.
52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, zog er weiter.


Für die ersten Hörer des Evangeliums war wohl sehr einleuchten, was mit dem Doppelgleichnis vom Schatz im Acker und von der wertvollen Perle gemeint ist: es war für sie ein klares Risiko, Christ zu werden. Dabei konnten sie alles verlieren: ihre Familien, ihren Besitz, alle Entfaltungsmöglichkeiten in ihrem Leben. Und trotzdem gingen sie dieses Risiko ein, setzten alles auf ein Karte: weil sie den ‚Schatz im Acker‘ die wertvolle Perle, gefunden hatten: weil sie die Gemeinschaft mit Christus und seinen Brüdern und Schwestern gefunden hatten, die alles andere aufwiegt.
Uns stellen diese Gleichnisse vor die Frage: Ist mein Christsein zu sehr eine Sache der Gewohnheit, eine bloße Routine geworden? Müsste ich neu entdecken, dass es mein Herz mit Freude über ein Abenteuer erfüllen kann, wenn ich mich für Christus entscheide? Das Abenteuer der Freiheit, das Abenteuer des neuen Lebens in der Gemeinde der Jüngerinnen und Jünger.

Im Tagesgebet der Messe beten wir:
Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
dass wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 19. Juli 2020

16. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis


Mit drei Gleichnissen spricht Jesus im heutigen Evangelium über das Himmelreich:

24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?
29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.
30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist:
Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, / ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. 
36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!
37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel.‘
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre! (Mat 13, 24-42)

Im Laufe der Kirchengeschichte sind diese Gleichnisse oft schnell auf die Entwickelung der Kirche gedeutet worden: aus kleinsten Anfängen, den wenigen Jüngern Jesu, entstand die große, weltumspannende christliche Kirche. Eine solche Deutung fällt uns heute schwer: wir sehen die Geschichte der Kirche nicht als eine geradlinige Erfolgsgeschichte, sondern als eine Geschichte voller Brüche und Katastrophen, nicht zuletzt in unserer eigenen Zeit oft eher eine Verfallsgeschichte als eine Wachstumsgeschichte. Aber die Deutung auf die Geschichte der Kirche entspricht ja auch gar nicht dem, was in diesen Gleichnissen gesagt wird: ‚Der Acker ist die Welt‘ heißt es in der Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Acker. Gerade dieses Gleichnis redet auch von einem schwierigen Nebeneinander von Weizen und Unkraut, von der Geduld, die nötig ist, bis Gott seine Ernte einbringen kann. Nicht triumphale Erfolgsgeschichten werden uns hier vor Augen gestellt, sondern es wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass überall da, wo der ‚gute Samen‘ des Gotteswortes ausgesät wird, es sich um unscheinbare, kümmerliche Anfänge handelt – heute nicht weniger als vor 2000 Jahren. Aber es wird auch unser Vertrauen gestärkt, dass Gott aus diesen unscheinbaren Anfängen seine große Ernte machen kann, seinen großen Baum wachsen lassen kann.  

Im Tagesgebet der Messe vom 16. Sonntag im Jahreskreis beten wir um das, was unerlässliche Voraussetzung dafür ist, dass aus den kleinen Anfängen etwas Gutes wachsen kann: Glaube, Hoffnung und Liebe:

Herr, unser Gott, 
sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hast.
Mach uns stark im Glauben,
in der Hoffnung und in der Liebe,
damit wir immer wachsam sind
und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche,

M. Wetzel

Sonntag, 12. Juli 2020

15. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis


1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. 
Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
9 Wer Ohren hat, der höre!
10 Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
11 Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
12 Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. 14 An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. / Mit ihren Ohren hören sie schwer / und ihre Augen verschließen sie, / damit sie mit ihren Augen nicht sehen / und mit ihren Ohren nicht hören / und mit ihrem Herzen / nicht zur Einsicht kommen / und sich bekehren und ich sie heile.
16 Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.
17 Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Mat 13, 1-17)

Das Gleichnis vom Sämann leitet die dritte große Rede Jesus im Matthäusevangelium ein: Die Gleichnisrede. Bei den Gleichnissen Jesu handelt es sich nicht nur um eine Methode, die Botschaft bildhaft und anschaulich darzustellen. Es geht um eine Notwendigkeit: die Botschaft vom anbrechenden Gottesreich kann nur so gesagt werden. Denn diese Botschaft kann nicht wie irgendeine menschliche Weisheit gelehrt und verstanden werden. Sie fordert den Hörer unmittelbar zu einer Antwort heraus. Jesus und die ersten Jünger machten die Erfahrung, dass diese Botschaft, auch wenn sie öffentlich gesagt und weithin zugänglich ist, doch eine verschlüsselte, codierte Botschaft ist, zu der Viele keinen Zugang finden. Nicht, weil Jesus nicht wollte, dass alle ihn verstehen, sondern weil wir selbst uns dem richtigen Verstehen verschließen. Aber was ist dann der richtige Code, der Schlüssel zum Verständnis der Botschaft? Gerade in der Gleichnisrede wird deutlich: der Schlüssel ist nicht irgendein verborgenes, geheimes Wissen, der Schlüssel liegt im Leben, in der Existenz der Menschen. ‚Eure Augen sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.‘ Der Schlüssel für das Verständnis ist die Jüngerschaft, die Nachfolge Jesu. Wer mit ihm unterwegs ist, lernt zu verstehen, worum es ihm geht – wer sich nicht auf den Weg macht, kann ihn nur missverstehen. 
Das Bild von dem vierfach verschiedenen Acker, auf den der Samen fällt, hat einen mahnenden und einen tröstlichen Aspekt: mahnend, indem es uns klar macht, dass es nicht reicht, das Wort äußerlich zu hören, sich aber nicht wirklich auf den Weg Jesu zu machen. Tröstend, indem es deutlich macht, dass trotz all unserer Unzulänglichkeit das Wort Gottes am Ende reiche Ernte einbringen wird. 

Auch im Tagesgebet der Messe wird das Bild vom Weg aufgegriffen:

Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft,
zu meiden, was diesem Namen widerspricht
und zu tun, was unserem Glauben entspricht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.  

Ich wünsche Ihnen einen frohen, gesegneten Sonntag!

Pfarrer Martin Wetzel

Sonntag, 5. Juli 2020

14. Sonntag im Jahreskreis




Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis hören wir einen Jubelruf Jesu:

25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Mat 11, 25-30)
Jesus spricht mit Begeisterung, mit jubelnder Freude: er hat seinen Jüngerinnen und Jüngern etwas Großartiges anzubieten, er spricht eine wunderbare Einladung aus. Wie geht es uns damit? Kennen Sie auch den Jubel darüber, dass diese Einladung Jesu bei Ihnen angekommen ist, dass Sie zu ihm gehören dürfen, dass Sie in seiner Kirche sein dürfen? Oft schein uns der Glaube, das Christsein etwas Schwieriges, Kompliziertes oder gar Bedrückendes zu sein. In diesem Evangelium werden wir wieder auf den Kern unseres Glaubens aufmerksam gemacht: Durch Jesus finden wir ganz zu Gott, durch ihn finden wir zur Fülle und zum Ziel unseres Lebens. 

Die Stimmung der jubelnden Freude über den Messias, der den Frieden bringt, begegnet uns auch in der ersten Lesung aus dem Propheten Sacharja:

9 Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.
10 Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim / und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. / Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer / und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9, 9-10)

Und auch im Tagesgebet der Messe beten wir: ‚Erfülle uns mit Freude über die Erlösung‘. Da wird ganz deutlich, dass diese Freude nicht nur eine menschliche Stimmung ist, die kommen und gehen kann, sondern dass sie ein wunderbares Gottesgeschenk ist, das uns auch an schweren Tagen begleitet.

Barmherziger Gott, durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, 
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie bei allem Schwerem, das unser Leben und unsere Zeit mit sich bringt, doch auch sagen können: Ich freue mich, das ich Christ sein kann! Ich freue mich, dass ich in der Taufe eine wunderbare Verbindung zu Jesus Christus aufgenommen habe und von ihm zum Vater im Himmel geführt werde. Ich freue mich, dass ich zu seiner Kirche gehören darf, das ist das Beste, was mir in meinem Leben geschenkt werden kann.

Einen frohen Sonntag wünscht Ihnen

Pfarrer Martin Wetzel


Sonntag, 28. Juni 2020

13. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis


Der Eröffnunsvers der Messe vom 13. Sonntag im Jahrskreis lautet:

Ihr Völker alle, klatscht in die Hände,
jauchzt Gott zu mit lautem Jubel. (Psalm 47, 2)

Dieser Psalmvers kann zu einer persönlichen Besinnung einladen: wo gibt es in meinem Leben Grund zur Freude, Grund, Gott zu danken? Oder sehe ich immer nur das Negative und habe verlernt, mich wie ein Kind über eine Kleinigkeit zu freuen?

Im Sonntagsevangelium hören wir heute das Ende der Aussendungsrede Jesu im Matthäusevangelium, noch einmal wendet er sich mit Mahnungen und auch mit Verheißungen an seine Apostel:


37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. (Mat 10, 37-42)


Wenn heute etwas positiv wahrgenommen wird vom Handeln der Kirche, dann ist das oft der Einsatz für die Familien: Kinderkrippen und Kindergärten, Krabbelgruppen, Jugendfreizeiten und die Gestaltung von Familienfesten etwa bei Taufe und Erstkommunion: das wird auch von vielen geschätzt, die sonst der Kirche distanziert gegenüberstehen. Und nun hören wir im Evangelium Sätze, die dieser Familienorientierung geradewegs widersprechen: Wer Vater, Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Man mag ja noch verstehen, dass dies für die Zeit der ersten christlichen Generation galt, als es vor allem Wandermissionare waren, die ohne jede Familienbindung unterwegs waren, um Menschen für Christus zu gewinnen. Erstaunlich ist allerdings, dass uns der Evangelist Matthäus diese radikalen Worte Jesu überliefert hat, obwohl zu seiner Zeit die christlichen Gemeinden bereits weitgehend ortsfest geworden waren und normalerweise keineswegs von einem Christen erwartet wurde, seine Familie aufzugeben und zurückzulassen. Trotzdem war auch für diese Christen das Bewusstsein lebendig geblieben, dass Christsein immer auch Aufbruch bedeutet, dass es einen kritischen Blick auf die Mächte und Bindungen dieser Welt beinhaltet, die Veränderung und Neuanfang oft erschweren. Für uns kann dieses Evangelium zu einer Herausforderung werden, neu darüber nachzudenken: wo habe ich mich allzu gemütlich in den Strukturen dieser Welt eingerichtet? Wo müsste ich mit neuer Offenheit den Ruf Jesu zur Umkehr und zum Aufbruch hören? Was bedeutet es für mich, Jesus zu lieben – mehr als alles andere?


Das Tagesgebet vom 13. Sonntag im Jahreskreis lädt uns ein, in Freude uns zu unserer Gemeinschaft mit Jesus Christus zu bekennen, die durch die Taufe begründet ist:

Gott, unser Vater, du hast uns in der Taufe
zu Kindern des Lichtes gemacht.
Lass nicht zu,
dass die Finsternis des Irrtums
über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns,
im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, seinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht
in alle Ewigkeit. Amen.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

M. Wetzel


Sonntag, 21. Juni 2020

12. Sonntag im Jahreskreis



Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Der Eröffnungsvers (Introitus) des Gottesdienstes am 12. Sonntag im Jahreskreis ist ein Wort aus Psalm 28 (Ps 28, 8-9), das Mut und Hoffnung geben kann:

Der Herr ist die Stärke seines Volkes,
er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe,
führe und trage es in Ewigkeit.

Im Evangelium hören wir an diesem Tag einen Abschnitt aus dem letzten Teil der 'Aussendungsrede' Jesu im 10. Kapitel des Matthäusevangeliums:

In jeder Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. 27 Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! 28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! 29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. 30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. 31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. 32 Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. 33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (Mat 10, 26-33)

Jesus macht seinen Aposteln nichts vor: sie müssen, wenn sie als seine Boten auftreten, mit dem Schlimmsten rechnen – auch mit Verfolgung und gewaltsamem Tod. Das wäre normalerweise Grund genug, davonzulaufen oder sich zu verstecken: aber Jesus ruft den Aposteln drei mal in diesem Abschnitt zu: 'Fürchtet euch nicht!' Das ist die Grundaussage dieses Evangeliums: die Apostel sollen mutig und zuversichtlich sein, selbst mitten in lebensgefährlichen Situationen. Und im Laufe dieser 'Aussendungsrede' im Matthäusevangelium wird auch immer deutlicher: Jesus redet hier nicht nur von den 12 Aposteln und ihrem ersten Auftreten als Boten Jesu, er redet von allen seinen Jüngerinnen und Jüngern – auch von uns.
Zwei Gründe für die Furchtlosigkeit der Jünger nennt Jesus: Erstens weist er auf die große Perspektive hin, auf das was am Ende, am Jüngsten Tag zu erwarten ist: dann wird sich alles klären, das Verborgene wird bekannt werden und es wird deutlich werden, dass die Jünger Jesu zurecht ihre Hoffnung auf ihn gesetzt hatten. Und zweitens sagt er: wir sollen nicht vor den Mächten dieser Welt Anst haben, die doch nur Äußerliches bewirken können – wir sollen vielmehr Gott fürchten, von dem unser letztes Glück und unsere ganze Zukunft abhängen.
Diese Aufforderung zur 'Gottesfurcht' empfinden wir heute oft als Zumutung: sollen wir etwa ängstlich und bedrückt Gott gegenüber sein? Verkündet uns Jesus nicht den liebenden, gnädigen Gott?
Gewiß tut er das! Aber die Rede von dem liebenden Gott darf nicht zu einer Verharmlosung und Verflachung des Gottesbildes führen, als ob es letztlich um nichts ginge. Jesus sagt: Es geht um Alles! Wir sollen die richtigen Prioritäten setzen: uns nicht verwirren lassen und betäuben lassen von den vielen scheinbar so wichtigen Angelegenheiten unseres Alltags: entscheidend ist letztlich nur eines: den Weg der Nachfolge Jesu, den Weg der Jüngerschaft mutig und furchtlos zu gehen.

Diese Haltung wird auch im Tagesgebet der heutigen Messe ausgedrückt, wenn es heißt, dass wir Gott 'fürchten und lieben' sollen: der scheinbare Widerspruch wird für den verständlich, der sich vertrauensvoll auf den Weg der Nachfolge macht, der die Größe und Unbegreiflichkeit Gottes ganz anerkennt und in Jesus ganz seine Liebe und Fürsorge erfährt.


Heiliger Gott, gib, dass wir deinen Namen
allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen



Ich wünsch Ihnen einen guten, gesegneten Sonntag und eine erfüllte kommende Woche.

M. Wetzel

Sonntag, 14. Juni 2020

11. Sonntag im Jahreskreis

Nach der österlichen Zeit, dem Pfingstfest, dem Dreifaltigkeitssonntag und dem Fronleichnamsfest sind wir nun wieder bei den 'normalen' Sonntagen im Jahreskreis angekommen. Hier finden Sie die Predigt aus der Vorabendmesse in der Josefskirche.

 Frau Gemeindereferentin Gerda Hofmann hat für diesen Sonntag den Predigtimpuls im youtube-channel der Katholischen Kirche in Mannheim gestaltet.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

M. Wetzel

Montag, 8. Juni 2020

Mit Gott unterm Baum - 2. Juni 2020

Letzten Dienstag feierten wir Premiere - der erste "Mit Gott unterm Baum" - Gottesdienst!
Es war richtig toll: das Wetter hat mitgespielt und 46 Schwestern und Brüder waren bei dieser Feier dabei.
Morgen heißt es um 18 Uhr wieder: "Mit Gott unterm Baum" - Herzliche Einladung an alle!
 
 
 

Sonntag, 7. Juni 2020

Dreifaltigkeitssonntag

Bild: Foto: Martin Manigatterer / Kunst: Glaswerkstätten im Stift Schlierbach / Standort: Fatimakapelle Schardenberg

In: Pfarrbriefservice.de

Hier finden Sie eine Kurzpredigt zum heutigen Sonntag

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag


4 Da hieb Mose zwei Tafeln aus Stein zurecht wie die ersten. Früh am Morgen stand er auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der HERR aufgetragen hatte. Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.
5 Der HERR aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen des HERRN aus.
6 Der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief:
Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue:
8 Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden. 9 Er sagte: Wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte! Weil es ein hartnäckiges Volk ist, musst du uns unsere Schuld und Sünde vergeben und uns dein Eigentum sein lassen!

Das ist die erste Lesung vom Dreifaltigkeitssonntag – aus dem 34. Kapitel des Buches Exodus. Zum Thema ‚Dreifaltigkeit‘ schein sie zunächst einmal nichts beizutragen. In der Tat: Die Lehre von der Dreifaltigkeit findet sich noch nicht im Alten Testament. Diese feierliche Begegnung des Mose mit dem Gott Israels am Berg Sinai stellt einen Höhepunkt der Gottesoffenbarung des Alten Bundes dar: Gott, der eine und einzige, der Herr über alles, offenbart sich als der gnädige, barmherzige und langmütige, reich an Huld und Treue. Er ist  jenseits dieser Welt und doch zugleich den Menschen nahe, er begleitet die Geschichte seines Volkes. Diese Lesung stellt also unser christliches Bekenntnis vom drein-einen Gott ganz in den Zusammenhang der großen Gotteserfahrung Israels: der Vater, der Sohn, der Heilige Geist: das ist kein anderer als der eine und einzige Gott, der sich dem Mose offenbarte. 
Im Johannesevangelium hören wir dann wie in einer Kurzfassung des christlichen Glaubensbekenntnisses von dem Miteinander und Füreinander des Vaters und des Sohnes:

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. (Joh 3, 16-18)

Was im Alten Testament bereits geahnt wird als Lebensfülle Gottes offenbart sich im Neuen Testament in der Sendung des Sohnes durch den Vater zu Rettung der Welt. Die frühen Christen konnten gar nicht anders von Gott reden, wenn sie der ganzen beglückenden Erfahrung mit Jesus Christus treu bleiben wollten: Sie mussten reden vom Vater, der den Sohn in die Welt sendet, vom Sohn, der den Vater verherrlicht und vom Geist der Liebe und des Lebens, der vom Vater und vom Sohn ausgeht und die Jüngerinnen und Jünger Jesu erfüllt. Am Dreifaltigkeitssonntag bekennen wir uns dazu, dass unser Reden von Gott nie langweilig, weltfremd und formelhaft werden darf. Vom einen und dreieinen Gott zu reden heißt: immer auch zugleich von der spannenden Freiheitsgeschichte des Gottesvolkes zu reden, von der Fülle des Lebens und der Liebe, von der Sehnsucht nach Glück und Gemeinschaft. 

Im Tagesgebet vom Dreifaltigkeitssonntag beten wir:

Lasst uns beten. 
Herr, himmlischer Vater, du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren. 
Gib, dass wir im wahren Glauben die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen und die Einheit der drei Personen in ihrem machtvollen Wirken verehren. 
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Dreifaltigkeitssonntag und eine gute Woche,

Ihr

Pfarrer M. Wetzel

Samstag, 30. Mai 2020

Pfingsten

Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini).jpg
Von Dnalor 01 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, Link
Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini)


Impuls zum Pfingstfest


An Pfingsten hören wir im Evangelium eine Szene vom Abend des Ostertages, aus dem 20.
Kapitel des Johannesevangeliums:

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei
verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die
Jünger, als sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den
Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie
behaltet, sind sie behalten.

Hier schließt sich im Johannesevangelium der Kreis: Am Anfang, in den ersten Versen, war
von der Schöpfung die Rede, von dem Wort, das von Anfang an bei Gott war und durch das
alles geworden ist. Nun, am Ende des Evangeliums, wird auf die Szene von der Erschaffung Adams Bezug genommen: So wie Gott dem Adam den Lebensatem eingibt, so haucht Jesus seine Jünger an und übergibt ihnen den Heiligen Geist. Es geht hier also nicht etwa nur um die Gründung einer Organisation, eines Vereins: es geht um neue Schöpfung, um Vollendung der Menschwerdung. Unmittelbare Konsequenz der Übergabe des Geistes ist die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Die Gemeinde Jesu hat die Aufgabe, Menschen aus der Gottesferne (das eigentlich meint ‚Sünde‘) herauszuführen, sie hat die Verantwortung, in der Welt an Gott zu erinnern und die Verbindung mit ihm aufrechtzuerhalten.
In der Apostelgeschichte wird uns das Pfingstereignis in einer Erzählung vor Augen gestellt
(Apg 2, 1-11):

1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.
2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt,
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden,
wie es der Geist ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von
Pontus und der Provinz Asien, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Das Verhängnis des Nicht-Verstehen-Könnens (im Buch Genesis in der Geschichte vom
Turmbau zu Babel erzählt) wird hier in einem göttlichen Schöpfungsakt geheilt: Menschen
verschiedenster Sprachen und Völker können die eine gute Botschaft verstehen.

Und hier eine Kurzpredigt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes, geisterfülltes Pfingstfest,

M. Wetzel

Sonntag, 24. Mai 2020

Impuls zum 7. Sonntag in der Osterzeit




Die Lesung des 7. Sonntags der Osterzeit ist aus dem 1. Kapitel der Apostelgeschichte:

12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Eine Ur-Szene von Kirche wird hier dargestellt: die erste Gemeinde, einmütig im Gebet versammelt mit den Aposteln und mit Maria. Christliche Gemeinde soll das Beste und Schönste von Gott selbst erwarten: das ist der Sinn des einmütigen, inständigen Gebets: Offenheit für Gottes Wirken, Bereitschaft, seinen Heiligen Geist zu empfangen. Die Apostel werden namentlich aufgeführt: Jesus hat sie als Verkörperung seiner Absicht gerufen, das Gottesvolk neu zu versammeln. Es geht nicht um eine abstrakte Idee, es geht um die Versammlung konkreter Menschen. Es ist eine verletzte Gemeinschaft: einer fehlt, Judas, der Verräter. Andere, selbst Petrus, haben Jesus noch vor kurzem verleugnet. Die Kirche steht in der Nachfolge dieser verletzten Gemeinschaft – aber auch unter dem Auftrag Jesu, auch in unserer Zeit das Gottesvolk zu versammeln. Die Erwähnung Marias schlägt den Bogen ganz zum Anfang des Evangeliums: Sie steht nicht für irgendwelche menschlichen Vorzüge, sondern für ihr ‚Ja‘ zu den Plänen Gottes.
Im Evangelium lesen wir aus den Abschiedsreden Jesu, im 17. Kapitel des Johannesevangeliums:

1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! 2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. 4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. 5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!

In diesem Abschnitt aus dem Johannesevangeliums wird uns dasselbe, was wir in der Apostelgeschichte als Erzählung gehört haben, gewissermaßen aus der Innenperspektive dargestellt: ein dramatisches Spiel zwischen Gott dem Vater – Jesus, seinem Sohn – dem Heiligen Geist – und den Menschen, die zu Jesus gehören. Ein Spiel, bei dem ein Begriff immer wieder auftaucht: Herrlichkeit – Verherrlichung.
In der Sprache der Bibel bedeutet „Verherrlichen“ hier etwa: eine Person ins recht Licht setzen. Sie so sehen, wie Gott es will. ‚Herrlichkeit‘ meint Göttliches Licht, das alles mit neuer Klarheit erfüllt. Gott der Vater verherrlicht den Sohn – er beglaubigt den Lebensentwurf des liebenden, leidenden, sterbenden Jesus. Jesus verherrlicht den Vater: er ermöglicht uns erst, Gott recht zu erkennen, ihm als dem liebenden Vater zu vertrauen. Durch seine Gemeinde wird Jesus verherrlicht: Sie bezeugt ihn vor der Welt. Und auf die Menschen, die sich auf dieses göttliche Spiel der Verherrlichung einlassen, fällt dann selbst ein neues Licht: sie treten aus der Zufälligkeit und Nichtigkeit dieser Welt ein in die wunderbare Welt der Gnade und der Liebe Gottes. 

Ich wünsche Ihnen einen frohen Sonntag und die Gaben des Heiligen Geistes,

M. Wetzel

Donnerstag, 21. Mai 2020

Christi Himmelfahrt

1075 Himmelfahrt Christi anagoria
Anagoria / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)
Relief mit der Himmelfahrt Christi; Oströmisches Reich, 2. Hälfte des 11. Jhd.; Museum für Byzantinische Kunst (Inv. 580), Bodemuseum Berlin


Impuls zum Fest Christi Himmelfahrt

In der Lesung hören wir aus dem 1. Kapitel der Apostelgeschichte:

11 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von
Anfang an getan und gelehrt hat, 2 bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel
aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist
erwählt hatte, Weisung gegeben. 3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele
Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern
wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! 5 Denn
Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem
Heiligen Geist getauft werden. 6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr,
stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? 7 Er sagte zu ihnen: Euch steht
es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt
hat. 8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch
herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa
und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke
nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. 10 Während sie unverwandt ihm nach zum
Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei
ihnen 11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum
Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde,
wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.


Die ersten Verse der Apostelgeschichte stehen an einem Übergang: literarisch geht es um
den Übergang zum zweiten Band des Doppelwerkes Lukasevangelium – Apostelgeschichte.
Ganz knapp wird noch einmal der Inhalt des ersten Bandes referiert: Jesus hat gelehrt und
gewirkt, er hat gelitten und ist nach seiner Auferstehung den Jüngern erschienen. Und das
führt dann gleich zur zentralen Frage der Apostel: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für
Israel wieder her? In der Tat – die Verkündigung des ‚Reiches Gottes‘ stand im Mittelpunkt
der Botschaft Jesu, die Apostel haben recht, wenn sie fragen, was nun daraus wird. Jesus
weist die Frage keineswegs ab, es geht ihm aber nicht um Spekulationen über den Zeitpunkt,
es geht ihm darum, dass seine Jünger ein tieferes Verständnis des Gottesreiches finden: Es
kann anbrechen, wenn sie beisammen bleiben, wenn sie auf sein Wort vertrauen, wenn sie
sich von ihm mit den Gaben des Heiligen Geistes ausstatten lassen.

Die Himmelfahrt Jesu ist notwendiger Teil des Übergangs, des Neuanfangs, von dem an
Anfang der Apostelgeschichte die Rede ist. Die Situation der Jüngerinnen und Jünger, die
Jesus nicht mehr unmittelbar bei sich haben, aber dennoch von seinem Geist erfüllt sind,
steht für die Situation des mündigen, freien Christen: er soll nicht ‚in den Himmel starren‘
oder auf Erfahrungen der Vergangenheit fixiert sein, sondern im Vertrauen auf den
lebendigen Gottesgeist mutig den Weg Jesu weitergehen und sein Zeuge in der Welt sein.

Im Tagesgebet von Christi Himmelfahrt beten wir:

Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle unser Herz mit Freude und Dankbarkeit,
denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.
Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist, der in der Einheit des Heiligen Geistes

Ich wünsche Ihnen ein schönes Fest Christi Himmelfahrt und eine gute Vorbereitung auf das
Pfingstfest,

M. Wetzel

Mittwoch, 20. Mai 2020

Sonntag, 17. Mai 2020

6. Sonntag in der Osterzeit


Hier finden Sie einen Impuls zum heutigen Sonntag, hier auch eine Kurzpredigt.

Tagesgebet vom 6. Sonntag der Osterzeit: 


Allmächtiger Gott, lass uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis, das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt. 
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, 
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

M. Wetzel

Sonntag, 10. Mai 2020

Wieder Gottesdienste in unseren Kirchen


Ab dem 16./17. Mai werden wir wieder mit der Feier der Gottesdienste in den Kirchen der Seelsorgeeinheit Mannheim Südwest beginnen. 
Dafür sind strikte Regeln im Sinne des Infektionsschutzes einzuhalten, allein schon der vorgeschriebene Mindestabstand von 2 Metern wird dafür sorgen, dass die Zahl der Gottesdienstteilnehmer sehr überschaubar sein wird (voraussichtlich ca. 30-40 Personen). Daher bitten wir sie zumindest für die Sonntagsgottesdienste um eine telefonische Voranmeldung. 
Die Gottesdienste werden zu den gewohnten Zeiten stattfinden (Samstag, 16. Mai um 18.00 Uhr in St. Josef; Sonntag, 17. Mai um 9.30 Uhr in St. Jakobus; Sonntag, 17. Mai um 11.00 Uhr in Maria Hilf). Wenn Sie an einem der Gottesdienste teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte telefonisch zu den Bürozeiten bei einem unserer Pfarrbüros an. 
Bitte beachten Sie: Personen mit Fieber oder Atemwegserkrankungen können nicht am Gottesdienst teilnehmen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung während des Gottesdienstes ist empfohlen (aber nicht verpflichtend). 
Unser Bischof hat auch weiterhin die kirchenrechtliche Verpflichtung der Gläubigen zum Besuch des Sonntagsgottesdienstes ausgesetzt. Die Fernseh- und Internetangebote (natürlich auch die Angebote über dieses Blog) für die Feier des Sonntagsgottesdienstes zu Hause wird es weiterhin geben.
Auch die Werktags-Messfeiern werden ab dem 18. Mai zu den gewohnten Zeiten stattfinden. 

M. Wetzel

Sonntag Cantate Domino

Am Songtag "Cantate Domino" (nach dem Eröffnungsvers 'Singt dem Herrn ein neues Lied') vermissen wir festliche Kirchemusik und Gemeindegesang ganz besonders. 
Schön, dass uns unser Kirchenmusiker Wolfgang Schubardt ein Lied zum Marienmonat eingspielt hat: "Gegrüßet seist du, Königin", hier auch als Video.

Marien-Mosaik in der Maria Hilf Kirche
M. Wetzel

5. Sonntag in der Osterzeit


Sie finden hier einen Impuls zum heutigen Sonntag und hier eine Kurzpredigt.

Gesegneten Sonntag,

M. Wetzel

Freitag, 8. Mai 2020

Nie wieder!

Lassen Sie uns heute an alle denken, die durch die barbarische Herrschaft der Nationalsozialisten ihr Leben lassen mussten,
an alle, die ihre Heimat verloren haben,
an alle, die unter unsäglichen Grausamkeiten leiden mussten,
an alle, die in irgendeiner Weise Unrecht erfahren haben!
Maria Hilf

St. Josef

St. Jakobus
An den Eingängen finden Sie diese Zettel „Friede sei mit dir“" zum Mitnehmen auf der Rückseite können Sie auch einen Namen schreiben. Gerne auch die Flyer vom "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge", der einen ganz wichtigen Betrag seit Jahrzehnten leistet zum Gedenken, zur Gräberfürsorge, zur Bildung.
Nie wieder - Krieg, Faschismus, Rassismus
Wir werden allen Opfern dieser barbarischen Zeit im Gebet gedenken und es werden Kerzen für sie brennen.
  
„Ich bitte alle Deutschen: Gedenken Sie heute in Stille der Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus!“ Bundespräsident Steinmeier hat an die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert. Er betonte: „Der 8. Mai 1945 war nicht das Ende der Befreiung – Freiheit und Demokratie sind sein bleibender Auftrag, unser Auftrag!“

"Die persönliche Schuld mögen die Täter mit ins Grab genommen haben. Doch die Verantwortung, den Schwur "Nie wieder" einzulösen, tragen wir als nachkommende Generationen für alle Zeiten." Martin Schulz








5. Mai 2020 - 75 Jahre Kriegsende



8. Mai 2020 – der Tag der Befreiung

75 Jahre Kriegsende
Der 8. Mai ist der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Unsägliches Leid ist durch die Herrschaft der Nationalsozialisten über Deutschland, Europa, die Welt gekommen.

Nie wieder – Krieg, Rassismus, Nationalismus, Ausgrenzung

Ja zu – Völkerverständigung, Nächstenliebe, Toleranz, Aussöhnung

Währet den Anfängen – Zivilcourage in einer Zeit, in der nationalistisches, rassistisches Denken wieder salonfähig scheint.
Die Stimme erheben für die Nächste/den Nächsten, für Friede auf der Welt, gegen Ungerechtigkeiten, für den Schutz jeden menschlichen Lebens.

 
 
 
Geplant war ein ökumenischer Gottesdienst – bedingt durch die Coronakrise, wird es eine Stellwand in jeder unserer Kirchen geben.

Wir wollen an diesen Tag erinnern, an die Zeiten davor und danach!

Viele, viele von uns sind betroffen, sei es als Zeitzeugin/Zeitzeuge oder als Nachkriegskinder und Nachkriegsenkelkinder.

Wir laden Sie ein, in das ausgelegte Buch Ihre Gedanken, Gefühle, Gebete zu schreiben – aber auch die Namen derer, die aus Ihren Familien diese Zeit nicht überlebt haben.


Nehmen Sie an den Ausgängen den Zettel „Friede sei mit dir" mit, auf der Rückseite können Sie auch einen Namen schreiben.

Wir werden allen Opfern dieser barbarischen Zeit im Gebet gedenken und es werden Kerzen für sie brennen.


Kein Mensch ist vergessen!
Kath. Seelsorgeeinheit Mannheim Südwest Rheingoldstr. 3 68199 Mannheim Tel:0621/30085600

Sabine Hansen, Past.ref.

 Christi Himmelfahrt Predigt und Orgelspiel aus der Vorabendmesse M. Wetzel