Samstag, 27. März 2021

Palmsonntag / Karwoche

 

Der Einzug Jesu in Jerusalem ist ein Spektakel, ein großes Erlebnis: Jesus ist am Ziel seines Weges gekommen. „Sie haben das Ziel erreicht“ würde unser Navi sagen.

Am Ziel in Jerusalem aber wird sich zeigen, wer Jesus ist. Großes steht ihm noch bevor - das ahnen nur viele, die Jesus heute zujubeln, nicht so richtig.  


 

 

 Ganz großes Kino

Es gibt Texte in der Bibel, die sind für mich als eingefleischten Cineasten „ganz großes Kino“: Wenn ich sie höre oder lese, stellen sich sofort lebendige Bilder ein. Und ziemlich weit vorne steht da bei mir die biblische Geschichte zum heutigen Palmsonntag. Der Evangelist Markus, dessen Texte wir in diesem Kirchenjahr hören, erzählt sie so:

„Es war einige Tage vor dem Paschafest.

Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Bétfage und Betánien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger aus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet das Fohlen los und bringt es her!

Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht es; er lässt es bald wieder zurückbringen.

Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße ein Fohlen angebunden und sie banden es los.

Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, das Fohlen loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren.

Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten.

Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt.
Hosanna in der Höhe!“

(Mk 11, 1–10)

Ein Mann auf einem Esel, die ihm zujubelnde Menge, die sogar ihre Kleidung und Zweige auf den Weg wirft - das ist für mich wie in einem großen Film - wirklich großes Kino!

„Und der Oscar für den besten Nebendarsteller geht an …!“

Im April findet zum 93. Mal die Oscar-Verleihung statt. Der Oscar ist der bekannteste Filmpreis der Filmindustrie Und dafür möchte ich heute noch jemanden in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ nominieren: Den Esel!
Denn der Esel hat am Palmsonntag eine im wörtlichen Sinn „tragende Rolle“ und sollte meiner Meinung nach im Rampenlicht stehen.

Esel waren damals beliebte Transporttiere. Sie kommen in vielen Erzählungen der Bibel vor – denken Sie nur an die Weihnachtskrippe! Der Esel ist mit seinem Kollegen, dem Ochsen, fester Bestandteil im Stall zu Bethlehem – er gehört zum Jesuskind, zur Heiligen Familie und den Hirten.

Später, auf der Flucht vor König Herodes nach Ägypten, dient der Esel der Heiligen Familie als Lasttier

Auch taucht der Esel in der Bibel versteckt auf – so zum Beispiel bei der Erzählung vom „Barmherzigen Samariter“. Dieser leistet am Opfer eines Raubüberfalls Erste Hilfe: Er „hob ihn auf sein Tier, um ihm in eine Herberge zu bringen.“
Das Tier war bestimmt ein Esel!

Und das zeigt, warum der Esel für mich insgesamt der beste Nebendarsteller ist!

Jesus wechselt, bevor er nach Jerusalem kommt, sein Fortbewegungsmittel:
Vorher war Jesus mit seinen Jüngern zu Fuß unterwegs; am Palmsonntag sitzt er auf dem Rücken eines Esels. Diesen Wechsel hat Jesus sorgfältig organisiert und inszeniert.

In den kommenden Tagen folgen dramatischere, abgründigere Ereignisse:
Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, seine Gefangennahme und der Prozess, Jesu Tod am Kreuz, seine Grabesruhe ‒ und schließlich die glückliche Wende: seine Auferstehung.

Doch die Geschichte vom Palmsonntag hat ihren eigenen Reiz:
Jesus schickt zwei Jünger los, um ein Eselfohlen zu holen. Er tut das ganz souverän, denn Jesus weiß, dass im Dorf ein Esel wartet - und es ist ganz klar, dass der Besitzer ihm dieses Tier überlässt. Da gibt es keinen Widerspruch!

Erstaunlich:  Sonst ist es immer Jesus, der gibt. Die Eselaktion ist eine absolute Symbolhandlung – mit biblischem Hintergrund: Jesus kommt auf einem Esel: Der gerechte König, der hilft, der Waffen zerstört und Frieden bringt. Das ist sein Erkennungszeichen - nicht die Krone und das Schwert!

Jesus wird bejubelt - doch nur kurze Zeit – dann ist er der „Anti-König“. Nur wenige Tage später ruft die Menge „Kreuzige ihn“. Aus der ersten Begeisterung ist blanker Hass geworden - was ist da geschehen?

Die Stimmung der Öffentlichkeit ist wankelmütig. In Zeiten von Social Media würde man das heute so ausdrücken: Vor kurzem noch unglaublich viele Likes, dann ein vernichtender Shitstorm: Daumen hoch und Daumen runter liegen ganz dicht beieinander – das kennen wir alle!.

Am Palmsonntag beginnt eine Woche voll Triumph und Leiden: Am Beginn der triumphale Einzug von Jesus auf dem Esel, dann ein dunkler Tag: Der Karfreitag, an dem in Leiden und Tod das letzte Wort zu haben scheinen. Aber -zum Glück – nur bis zum Ostermorgen, an dem Gott Jesus auferweckt hat!

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen allen, dass Sie den Weg durch diese Karwoche mit Jesus gut gehen können!

„Hosanna, dem Sohne Davids“

Jörg Riebold, Diakon

(Foto: privat)

Montag, 22. März 2021

 Bußgottesdienst vor Ostern


Am Sonntag fand in der St. Josefskirche der Bußgottesdienst unter dem Motto: 'Blüh' auf, gefrorner Christ!' statt. 
Die Texte zum Bußgottesdienst können Sie hier abrufen.


Die Texte mit den Besinnungsfragen liegen auch in der Josefskirche aus und können dort abgeholt werden.

Die Lesung beim Bußgottesdienst war ein eher weniger bekannter Text aus dem Propheten Jesaja:

2 An jenem Tag gibt es einen begehrenswerten Weinberg. / Besingt ihn! 
3 Ich, der Herr, bin sein Wächter, / alle Augenblicke bewässere ich ihn. 
Damit niemand ihn heimsucht, / bewache ich ihn bei Nacht und bei Tag. 
4 Zorn hege ich nicht. / Fände ich Dornen und Disteln, 
würde ich im Kampf gegen sie einschreiten, / ich würde sie allesamt verbrennen! 
5 Außer man ergreift meinen Schutz, / schließt Frieden mit mir, ja Frieden mit mir. 
6 In künftigen Tagen schlägt Jakob Wurzel, / blüht und gedeiht Israel / und der Erdkreis füllt sich mit Früchten. (Jes 27, 2-6)

M. Wetzel

 Montag der 5. Fastenwoche




M. Wetzel

Samstag, 20. März 2021

5. Fastensonntag

 
    „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt…“

Das Evangelium vom 5. Fastensonntag verbreitet eine eigentümliche Stimmung.
Es beginnt mit der Schilderung der letzten öffentlichen Rede Jesu, die von kurzen Rufen durch das Volk unterbrochen wird, und es endet mit einer Selbstoffenbarung Jesu und einer Hinführung zur Passion. Mitten hinein dazwischen hören wir das Bildwort vom Weizenkorn, das sterben muss, um Frucht zu bringen.
Dieses Bildwort ist uns wohlbekannt.
Wir singen dieses Wort gerne:

Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein; der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

So gab der Herr sein Leben, verschenkte sich wie Brot. Wer dieses Brot genommen, verkündet seinen Tod. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Wer dies Geheimnis feiert, soll selber sein wie Brot; so lässt er sich verzehren von aller Menschennot. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt; wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben. (GL 210)

Wenn wir Samen oder Körner einsäen sterben sie biologisch eigentlich nicht. Vielmehr findet durch Luft, Wasser und Sonne eine Verwandlung, eine Transformation statt. Dieses Bild aus der Landwirtschaft – damals noch gut bekannt – stellt uns Jesus vor Augen, um uns anschaulich zu erklären, dass sein Tod nicht das Ende, sondern eben auch so eine Verwandlung, Transformation zu neuem Leben ist.
Er selbst wird durch den Tod zur Auferstehung gehen und so dem Leben eine neue Gestalt geben.
Ich habe auf der Homepage des Bistums Limburg gelesen: „Ohne das eigene Loslassen, kann nichts Neues wachsen“.
Jesus hat sein Leben losgelassen, um neues Leben für uns alle zu ermöglichen.
Dieser Gedanke des Loslassens trifft unsere Zeit an einem wunden Punkt.
Gesellschaftlich, politisch und kirchlich gesehen, kann es kein „weiter so“ geben.
Wir müssen loslassen.
Es hilf nicht rückwärtsgewandt zu denken und zu leben:
„Nur was sich ändert, bleibt bestehen.“ (Johann W. von Goethe)
„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ (Sprichwort aus China)
Wenn Jesus uns zur Nachfolge ruft, dann nicht um seine Botschaft in den Kirchen zu konservieren, sondern sie in die heutige Zeit zu übersetzen, neue Wege zu suchen, sie allen Menschen zu bringen, egal welchen Geschlechts, welchen Standes, welcher Hautfarbe, welcher geschlechtlichen Orientierung…
Auferstehung bedeutet immer auch Neubeginn, Aufbruch und vielleicht sogar Aufstand! Aufstand gegen alles was lähmt, blockiert, verletzt, ausgrenzt, wertet…
Vielleicht können wir uns mit diesem Evangelium heute auch selbst hinterfragen:
Was muss in mir alles „sterben“, was muss ich alles loslassen, damit ich, damit andere wirklich leben können?
Alte Gewohnheiten, enges, ausgrenzendes Denken, Wertungen über andere, starres Beharren, weil es schon immer so war, Egoismus…
Jesus zeigt uns den Weg des Loslassens: wenn ich mein Leben in Liebe einsetze, dann wird es Frucht tragen
Oder wie es im Lied heißt: „wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt.“

Jesus,
du warst mit deinem ganzen Leben
wie ein Weizenkorn,
voller Kraft, voller Leben, voller Liebe.
Du hast dich ausgesät, du hast dich verschenkt.
Dabei hast du aus der Kraft der Liebe gelebt die von Anfang an dir inne war.
Auch ich habe von Gott Anteil
an dieser Kraft und Liebe.
Lass sie mich leben, lass mich wachsen.
Lass mich mein Ich loslassen,
mich hergeben und verschenken.
Lass mich zu Brot werden für meine Nächsten.
Amen
(Bistum Limburg)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Loslassen können, dass Sie neue Wege gehen können, dass Sie den Menschen immer über Vorschriften und Gewohnheiten stellen, dass Sie mit Ihrer Liebe Frucht bringen.

Einen von Gott gesegneten Sonntag und eine fruchtbare neue Woche,
Ihre Sabine Hansen, Pastoralreferentin

Freitag, 19. März 2021

 19. März - Fest des Heiligen Josef, Bräutigam der Gottesmutter



Dieses Relief an der Nordfassade der St. Josefskirche auf dem Lindenhof zeigt den alttestamentlichen Josef, den Sohn Jakobs, von dem im Buch Genesis erzählt wird, dass er sich in jungen Jahren mit seinen Träumen in große Schwierigkeiten brachte (Genesis 37, 9ff): der Traum dass die Sonne, der Mond und 11 Sterne sich vor ihm niederwerfen, zieht ihm den Hass seiner Brüder zu, was dann dazu führt, dass er nach Ägypten als Sklave verkauft wird - aber letztlich hat Gott einen guten Plan: in Ägypten erringt Josef nach vielen Abenteuern eine einflussreiche Position und kann schließlich seine Familie in einer Hungersnot retten. Der Künstler, der dieses Relief gestaltet hat, wollte den alttestamentlichen Josef in Beziehung setzen zu Josef, dem Bräutigam Marias: hier erscheinen die im Alten Testament angelegten Motive sozusagen in gereinigter und erhöhter Form: der Traum des neutestamentlichen Josef ist nicht mehr von Überheblichkeit und Selbstüberhöhung belastet, sondern Josef bekommt  im Matthäusevangelium den Auftrag, sich selbstlos in den Dienst Marias und ihres Kindes zu stellen. Nach Ägypten zieht er nicht mehr, um Karriere zu machen, sondern als verfolgter Flüchtling vor dem König Herodes, als Beschützer der Heiligen Familie. Wie in der Geschichte aus dem Alten Testament läuft es darauf hinaus, dass der gute Plan Gottes gelingen soll - jetzt aber nicht nur für eine Familie, sondern in Jesus Christus für die ganze Menschheit.

M. Wetzel

Donnerstag, 18. März 2021

 Kurzpredigt vom 18.3.2021


Hier aus der Werktagsmesse in der St. Josefskirche: Evangelium und Kurzpredigt. (Ich bitte um Entschuldigung, dass die Kurzpredigt etwas unvermittelt abbricht- die Batterie des Aufnahmegerätes war zu Ende.)

M. Wetzel

Samstag, 13. März 2021

 Besinnung zur 4. Fastenwoche


"Ich will das gar nicht sehen!" So geht es mir bei manchen Bildern in den Nachrichten, die mir zu grausam und zu erschreckend sind. Es gibt Meldungen, da würde ich mir am liebsten die Ohren zuhalten, die Augen verschließen und schnell weiterschalten. Wenn ich ein Kreuz sehe, kommen mir manchmal auch trauernde Gedanken. Der Körper Jesu, blutend und geschunden, von anderen Menschen ans Kreuz geschlagen. Einfach nur schrecklich und furchtbar, was Menschen einander antun können! Am liebsten würde ich wegschauen. Und doch sagt etwas in mir: "Schau hin! Lauf nicht weg, sondern stell dich der Realität. Sieh dem Gekreuzigten ins Gesicht!"

Schmerzhaftes zu verdrängen ist eine normale menschliche Reaktion, ein Schutzmechanismus, der an manchen Stellen sehr sinnvoll sein kann. Dennoch ist es keine Lösung, immer nur wegzuschauen und dem Leid auszuweichen. Niemandem ist damit geholfen. Im Gegenteil: Damit sich etwas zum Guten verändern kann, ist es notwendig, die Dinge so anzuerkennen, wie sie wirklich sind. Ich brauche den Mut, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, sie bei Licht zu betrachten. Das kann auch manchmal zeitintensiv sein. Doch nur auf diesem Weg kann sich etwas zum Guten verändern, kann etwas heilsam werden.

Der tote Körper Jesu als Zeichen für das entsetzliche Leid so vieler Unschuldiger – Für mich steht dahinter die Botschaft: "Schau hin! Verschließe deine Augen nicht vor dem, was schmerzhaft ist, sondern schau die Welt und dich selbst mutig und ohne Furcht an, auch dann wenn es schmerzt." Denn nur was ich angenommen und akzeptiert habe, kann auch geheilt werden. Jesus ist vor der Realität nicht davongelaufen, sondern er hat am Kreuz alles Leid und alle Schuld auf sich genommen und dadurch Erlösung gebracht. Ihm kann ich diese Welt und mein Leben anvertrauen, im festen Glauben, dass er nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. 
In diesem Wissen, dass Jesus auch mir persönlich Erlösung schenkt kann ich die Fastenzeit und die momentane Situation für mich selbst besser hinnehmen.


Gemeindereferentin Sandra Nitsche

Samstag, 6. März 2021

 Ein großes Jubiläum: 1700 Jahre Sonntagsgebot

...nur: wann hat Kaiser Konstantin das Edikt, das die Sonntagsruhe seither bestimmt und regelt, erlassen: Am Dienstag, 3. März oder Samstag, 7. März 321? Im Studium vor 35 jahren lernte ich, dass es am 7. März war - dafür gibt es auch heute noch viele Veröffentlichungen, die das vertreten, aber auch viele, die den 3. März angeben. 

Im Codex Justinianum, Corpus Iuris Civilis 2 Codex Iustinianus 3, 12, 2. steht: 

Imperator Constantinus. Omnes iudices urbanaeque plebes et artium officia cunctarum venerabili die solis quiescant. ruri tamen positi agrorum culturae libere licenterque inserviant, quoniam frequenter evenit, ut non alio aptius die frumenta sulcis aut vineae scrobibus commendentur, ne occasione momenti pereat commoditas caelesti provisione concessa.
„Kaiser Konstantin. Alle Richter und Einwohner der Städte und die Dienstleistungen aller Gewerbe sollen am verehrungswürdigen Tage der Sonne ruhen. Doch die Landleute sollen frei und ungehindert Ackerbau betreiben, da es ja häufig geschieht, dass kein anderer Tag besser geeignet ist, das Getreide den Ackerfurchen oder die Weinstöcke den Setzköchern anzuvertrauen, damit nicht der durch himmlische Vorsehung gegebene Vorteil bei der günstigen Gelegenheit eines Moments verlorengeht.“

Es ist für die Geschichte nicht ausschlaggebend, ob es nun am 3. oder 7. März erlassen wurde - Konstantins Edikt an sich ist es, das das Leben der Menschen seit 1700 bestimmt. "Ohne Sonntage gibt es nur noch Werktage" ist der gängige Aphorismus unbekannter Herkunft. Die Sonntagsruhe ist ein großer Schatz - in jeglicher Hinsicht für uns. Die Vorsitzenden der großen Kirchen und aller kirchlichen Gemeinschaften in der ACK haben  zum 1700 Jahre - Jubiläum diesen umfassenden und aktuellen Text geschrieben:


Der Sonntag unterbricht den Alltag, gibt dem Leben Rhythmus, schafft individuelle Freiräume, verbindet Menschen und fördert das Gemeinwohl. Im Bewusstsein vieler Menschen ist der Sonntag daher als wichtiges und schützenswertes „Kulturgut“ tief verankert.

Wie sehr Menschen eine „Struktur der Zeit“ brauchen, haben uns die Erfahrungen der Corona-Pandemie einmal mehr ins Bewusstsein gerufen: Die sonntäglichen Besuche bei der Verwandtschaft oder Angehörigen im Pflegeheim konnten nicht stattfinden, die Fußballmannschaft der Tochter durfte nicht mehr spielen, Gottesdienstbesuche waren gar nicht oder nur unter strengen Auflagen möglich. Der Sonntag gibt eigentlich Gelegenheit zur gemeinsam frei gestalteten Zeit. So gut wie jeder von uns muss sich aber in der Pandemie von Gewohntem und Geschätztem, mitunter sogar Notwendigem, verabschieden. Zugleich verschwimmt mehr und mehr der für uns Menschen wichtige Rhythmus zwischen Arbeits- und Freizeiten durch Homeoffice, mobiles Arbeiten oder asynchrone Arbeitszeiten. Digitale Transformation wird nicht nur das Arbeiten verändern, sie wird auch den Sonntag verändern, das Miteinander, die Begegnungen, das gemeinsame Feiern, Leben – und womöglich uns selbst. Denn: Die Seele braucht die Unterbrechung des Alltags. Und der Sonntag ist so ein Tag zum Abschalten, im wörtlichen wie übertragenen Sinne.
 
1.700 Jahre Schutz des Sonntags. Inmitten der Pandemieerfahrungen unterbricht uns nun dieses Jubiläum, lässt uns innehalten, um den Wert des arbeitsfreien Sonntags zu würdigen: Der Sonntag ist in Artikel 140 unseres Grundgesetzes als Tag „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ gesetzlich geschützt. Der zweite Aspekt ist auch ein Hinweis auf die religiösen Wurzeln des Sonntags: Für Christinnen und Christen hat der Sonntag seine herausragende Bedeutung als Tag der Auferstehung Jesu Christi. Der sonntägliche Gottesdienst steht daher im Mittelpunkt des Lebens der Kirche. Die ersten staatlichen Maßnahmen zum Schutz dieses religiös motivierten Feiertags reichen weit zurück: Vor 1.700 Jahren verfügte der römische Kaiser Konstantin I. den dies solis (= Tag der Sonne) zum reichsweiten Feiertag und stellte ihn unter besonderen Schutz. Dieser 3. März 321 gilt als der erste Moment staatlicher Sonntagsschutzgesetzgebung.

Auch andere Religionen, wie zum Beispiel der Islam und das Judentum, kennen und feiern wöchentlich wiederkehrende Tage der Ruhe, Besinnung und Feier. Die christliche Tradition eines gemeinsamen, regelmäßig wiederkehrenden Ruhetags entstammt dem Schabbat des Judentums, mit dem wir als Christen so zentrale Texte wie die Schöpfungsgeschichte und die Zehn Gebote gemeinsam haben. In einem Jahr, in dem wir ebenfalls 1.700 Jahre Judentum in Deutschland feiern dürfen, wollen wir daran erinnern, dass neben vielen anderen Werten und Traditionen auch der Tag ohne Arbeit ein Geschenk der jüdisch-christlichen Tradition an alle Menschen ist. Unter den christlichen Denominationen feiert beispielsweise die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten den Schabbat.

Den Tag ohne Arbeit können allerdings nicht alle in Anspruch nehmen. Zahlreiche Menschen arbeiten, um die Grundversorgung für alle Menschen aufrechtzuerhalten und unaufschiebbaren Bedürfnissen zu begegnen. So sind in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, im Nahverkehr, an Tankstellen, in der Strom- oder Wasserversorgung, im Nachrichtenwesen und vielen anderen Bereichen zahlreiche Menschen trotz des Sonntags beschäftigt. Auch in Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen arbeiten Menschen für den Sonntagsgenuss anderer. Diese Tätigkeiten sind keine Selbstverständlichkeiten und sollten auch nicht als solche betrachtet werden. Menschen, die sich trotz des Sonntags oder für den Sonntag betätigen, verdienen unsere Wertschätzung und eine besondere Form der Vergütung oder des Dankes, wenn sie ihre Sonntagsruhe aufgeben, um sie anderen zu ermöglichen. Sonntagsarbeit ist allerdings keine reguläre Arbeit. Daher sollten Berufsgruppen, die sonntags arbeiten, eng umgrenzt werden, Ausnahmen nur zurückhaltend und auf das absolut Notwendigste beschränkt gewährt werden.
 
Der Sonntag ist kein gewöhnlicher Tag und darf es auch nicht werden. Ohne Arbeit kann der Mensch nicht leben, sie ist notwendig. Doch ist der Mensch nicht für die Arbeit da, sondern umgekehrt. Das betont auch Papst Franziskus: „Der arbeitsfreie Sonntag – mit Ausnahme der notwendigen Dienstleistungen – besagt, dass die Priorität nicht im wirtschaftlichen, sondern im menschlichen Bereich liegt, in der Unentgeltlichkeit, nicht in kommerziellen, sondern in familiären, freundschaftlichen Beziehungen, für die Gläubigen in der Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft. Vielleicht ist der Augenblick gekommen, uns zu fragen, ob die Sonntagsarbeit eine wahre Freiheit ist.“
 
Jeder und jedem von uns kommt die Aufgabe eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Zeit zu. Durch unser eigenes Tun und Lassen entscheiden wir Menschen darüber, welchen Wert und welche Qualität der Sonntag für uns hat. Wie der Staat aufgerufen ist, den arbeitsfreien Sonntag zu schützen und dessen Erosion zu verhindern, so sind wir alle aufgerufen, dafür zu sorgen, dass wir aufgrund des Strebens nach vermeintlicher Freiheit nicht unsere tatsächliche Freiheit aufgeben, die wir in der segensreichen Errungenschaft eines gemeinsamen arbeitsfreien Sonntags besitzen. Denn der Sonntag ist für den Menschen da. Und – wie es Albert Schweitzer formulierte – „wenn Deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie“. 

Das Jubiläum fällt in die Fastenzeit - darf es dann nur mit fastenzeitlicher Zurückhaltung gefeiert werden. Nein, die andere, die Sonntage der Fastenzeit regelnde kirchliche (liturgische) Bestimmung lautet: Die Sonntage und deren Vorabende unterbrechen die Fastenzeit.

Einen schönen gesegneten Sonntag!

Pastoralreferent Stefan Mayer

Montag, 1. März 2021

Samstag, 27. Februar 2021

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" - Gedanken zur 2. Fastenwoche

 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Ps 31,9)

Seit Aschermittwoch hängt in Maria Hilf und in St. Jakobus das neue Misereror Hungertuch aus. In allen drei Kirchen finden Si Informations- und Gebetsmaterial dazu .

Ich möchte versuchen, Ihnen das doch eher ungewöhnliche und auf den ersten Blick frag-würdige Hungertuch der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sanchez näher zu bringen.
Die Künstlerin hat es zu Beginn der Pandemie 2020 gemalt.
Schauen Sie es an, was sehen wir auf den ersten Blick: feine und etwas dickere verschlungene Linien,  goldene Blütenblätter. Auf alle Fälle ein farblich minimalistisches Bild. Und was wir nicht sehen: das Original ist auf Bettwäsche gemalt – aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster.
Was erkennen wir auf dem Bild?
Die Künstlerin zeichnet in den schwarzen Linien ein Röntgenbild eines Fußes, der mehrfach gebrochen ist, auf die Leinwand.
Der Fuß gehört zu einem Menschen, der in Chile für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit demonstriert hat. Die Polizeigewalt hat ihn schwer verletzt. Das Bild hat zweifelsohne biografische Hintergründe, denn die Künstlerin hat diese Gewalt der Diktatur in Chile erlebt.

Was sagt es uns hier in Mannheim?
Misereror schreibt in der Interpretation dazu: „Die schwarzen Linien des Röntgenbildes, die verwendeten Materialien Zeichen-Kohle, Staub und Leinöl, die karge Bildsprache verweisen auf das Sterben Christi und das Leiden der Menschen; dagegen stehen Gold und Blumen für Hoffnung und Liebe.“
Das Röntgenbild vermittelt uns Schmerz und Krankheit. Die goldenen Blumen zeigen uns in allem Leid aber auch die Kraft eines neu erblühenden, geheilten Lebens. Und wenn wir genau auf die Linien schauen, spüren wir  auch ein Gefühl der Leichtigkeit, wie wenn wir frei schweben würden. Das Leben geht weiter – auch mit verwundeten Füßen.
Das Leben ist so verletzlich.
Das spüren wir auch in dieser Zeit der Pandemie. Wir spüren Verletzlichkeit in unserm sozialen, kulturellen und auch religiösen Leben. Wir haben das Gefühl alles bricht  - alles bricht zusammen. Soziale Kontakte, Zusammenhalt, gemeindliches Leben vor Ort.
Wir fragen uns, wie geht es weiter? Wir wollen unser altes Leben zurück. Gibt es ein Leben nach Corona?
Wir spüren alle, dass unser Leben anders sein wird.
Wir wissen nicht was diese neue Zeit uns bringen wird, wir unser Leben aussehen wird.
„Die Kraft des Wandels“ hat Lilian Moreno Sanchez ihr Bild noch untertitelt.
Unser Leben wandelt sich. Statt darüber zu jammern, sollten wir kraftvoll neue Möglichkeiten suchen und leben.
Diese Zeit des Abstandes, des Verzichten und Fastens, der Erkenntnis, dass eben nicht alles machbar ist, der Sorgen um die Existenz ist sicher schlimm und bedrohlich. Sie wird aber in Hoffnungslosigkeit nicht besser.
Sie wird besser im Vertrauen auf das was uns trägt.
So wie die Künstlerin in ihr Bild goldene Blumen als Zeichen der Heilung eingearbeitet hat. Sie will uns darauf aufmerksam machen, woher Heil und Heilung kommt: von Jesus Christus.
In Psalm 31 wird uns das hoffnungsvoll vor Augen geführt.
„Er beschreibt, was im Glauben alles möglich ist. Das Bild des Fußes lässt uns an Aufbruch, Bewegung und Wandel denken; das Bild des weiten Raumes lässt uns aufatmen, wenn die Füße schwach werden“ schreibt Misereor dazu.
Der Psalm kennt Erfahrungen von Krankheit, Einsamkeit und Verzweiflung. Immer schon haben Menschen in solchen Zeiten Zuflucht bei Gott gesucht: „aus der Enge der Angst blickten sie hinaus ins Weite und schöpften Kraft für einen Neubeginn.“

Auch für uns geht es  darum nicht in der Verletzlichkeit, in der Sorge zu verharren, sondern als Christinnen und Christen vertrauensvoll auf Jesus Christus zu bauen und darum wissen, dass unsere Verletzlichkeit und Angst  Heilung erfahren kann.

Ich erinnere mich an meine Krankenzeit vor 6 Jahren.
Damals wurde ich von den den existentiellen Fragen eines jedes Menschen in Krisensituationen herausgefordert: wie komme ich durch diese dunkle Zeit, wie kann ich weiterleben.
Auch in meinen Glauben wurde ich herausgefordert. Tragen die Zusagen unseres Glaubens, die ich in vielen seelsorgerlichen Gesprächen anderen Menschen zugesagt habe? Diese Krisenzeit wurde auch eine Anfrage an meinen persönlichen Glaubens. Und ich kann sagen: die Zusagen, sie haben getragen.
Gott ist an deiner Seite, er geht mit dir deinen Weg – ich durfte es erfahren.
In dieser Zeit ist mir das Wort des Mannheimer Jesuitenpaters Alfred Delp in die Hände gefallen: „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.
Er hat diesen Gedanken mit gefesselten Händen und zum Tod verurteilt geschrieben. Er formuliert damit die feste Überzeugung: Gott geht mit uns.
Ich vertraue auch in dieser Pandemiezeit darauf, dass Gott diese Zeit begleitet.
Dass er uns neue Ideen schenkt, diese Zeit zu bestehen.
Dass uns neu bewusst wird, was wichtig in unserem Leben, in unserem Glauben ist. Und das kann auch Wandel und Veränderung sein.

Lassen Sie uns mutig sein, lassen Sie uns ausdauernd und beharrlich sein, lassen Sie uns solidarisch sein mit denen, die sich schwer tun in dieser Zeit, und lassen Sie uns diesen weiten Raum beschreiten, in den uns Gott immer wieder mit seiner befreienden Botschaft der Liebe, der Gerechtigkeit, der Freiheit stellt
Lassen Sie uns die Kraft des Wandels leben.

In den Kirchen liegt zum Hungertuch einiges an Material aus – auch ein DinA 4 Bild des Hungertuchs. Bedienen Sie sich gerne!

Sabine Hansen, Pastoralreferentin

Das MISEREOR-Hungertuch 2021 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ von Lilian Moreno Sánchez © MISEREOR

Quelle: https://www.misereor.de/mitmachen/fastenaktion/hungertuch

Freitag, 26. Februar 2021

 26.2.2021


Die Vatikanischen Museen und Radio Vatikan laden ein zum virtuellen Museumsbesuch in Corona-Zeiten: Heute wird eine russische Ikone aus dem 15./16. Jhd. zur Taufe Jesu vorgestellt.

M. Wetzel

Mittwoch, 24. Februar 2021

 24. Februar - Fest des Hl. Apostels Matthias


Matthias wurde in den Apostelkreis nachgewählt nach dem Ausscheiden des Judas Iskariot. (siehe Apostelgeschichte 1, 15 ff)
Als einziger der Apostel fand er seine Ruhestätte nördlich der Alpen - in der Abtei St. Matthias in Trier.


Sarkophag mit den Gebeinen des Apostels Matthias, Trier, St. Matthias
Foto: 
Helge Klaus Rieder


M. Wetzel

Montag, 22. Februar 2021

 Kurzpredigt 22.2.2021



M. Wetzel

 22. Februar - Fest "Kathedra Petri"


Am 22. Februar 2006 erklärte Papst Benedikt XVI. in einer Ansprache während der Generalaudienz die Bedeutung des Festes 'Kathedra Petri':

"Die lateinische Liturgie feiert heute das Fest Kathedra Petri. Es handelt sich dabei um eine sehr alte, seit dem 4. Jahrhundert in Rom bezeugte Tradition, mit der Gott für die Sendung, die dem Apostel Petrus und seinen Nachfolgern anvertraut wurde, gedankt wird. Die »Kathedra« ist in der ursprünglichen Wortbedeutung der feste Sitz des Bischofs, der in der Hauptkirche einer Diözese aufgestellt ist, die deshalb »Kathedrale« heißt; sie ist außerdem das Symbol der Autorität des Bischofs und insbesondere seines »Lehramtes«, das heißt der Lehre des Evangeliums, die er als Nachfolger der Apostel bewahren und an die christliche Gemeinde weitergeben soll. Wenn der Bischof die ihm anvertraute Teilkirche in Besitz nimmt, trägt er Mitra und Hirtenstab und nimmt auf der Kathedra Platz. Von diesem Sitz aus wird er als Lehrer und Hirt den Weg der Gläubigen in Glaube, Liebe und Hoffnung leiten.

Was war also die »Kathedra« des hl. Petrus? Er, der von Christus als »Fels« ausgewählt worden war, um darauf die Kirche zu bauen (vgl. Mt 16,18), begann seinen Dienst in Jerusalem, nach der Himmelfahrt Jesu und nach Pfingsten. Der erste »Sitz« der Kirche war der Abendmahlssaal, und wahrscheinlich war in jenem Saal, wo auch Maria, die Mutter Jesu, mit den Jüngern zusammen betete, für Simon Petrus ein besonderer Platz vorgesehen. Danach wurde Antiochien zum Sitz des Petrus, die am Fluß Orontes in Syrien, heute in der Türkei, gelegene Stadt und damals nach Rom und Alexandrien in Ägypten die drittgrößte Metropole des Römischen Reiches. Von dieser Stadt, die von Barnabas und Paulus evangelisiert worden war und wo »man die Jünger zum erstenmal Christen nannte« (Apg 11,26), wo also für uns der Name Christen entstanden ist, war Petrus der erste Bischof, so daß das Römische Martyrologium vor der Kalenderreform auch ein eigenes Fest der Kathedra Petri in Antiochien vorsah. Von dort führte die Vorsehung Petrus nach Rom. Dies ist also der Weg von Jerusalem, wo die Kirche entstanden ist, nach Antiochien, dem ersten Zentrum der Kirche, die aus Heiden bestand und noch mit der von den Juden herkommenden Kirche verbunden war. Danach begab sich Petrus nach Rom, den Mittelpunkt des Reiches, Symbol des »Orbis« – die »Urbs«, die Stadt, die Ausdruck des »Orbis«, des Erdkreises, ist –, wo er seinen Weg im Dienst des Evangeliums mit dem Martyrium vollendete. Deshalb erhielt der Sitz von Rom, dem die höchste Ehre zuteil geworden war, auch die dem Petrus von Christus anvertraute Ehre, nämlich allen Teilkirchen zu dienen, für den Aufbau und die Einheit des ganzen Volkes Gottes.

Der Sitz von Rom wurde nach diesem Weg des hl. Petrus somit als Sitz des Nachfolgers Petri anerkannt, und die »Kathedra« des Bischofs von Rom repräsentierte die des Apostels, der von Christus beauftragt worden war, dessen ganze Herde zu weiden. Das bezeugen die ältesten Kirchenväter, wie zum Beispiel der hl. Irenäus, Bischof von Lyon, aber aus Kleinasien stammend, der in seinem Traktat Adversus haereses [Gegen die Häresien] die Kirche von Rom als »größte und älteste, bei allen bekannte…, in Rom gegründet und aufgebaut von den zwei glorreichsten Aposteln Petrus und Paulus«, beschreibt. Und er fügt hinzu: »Mit dieser Kirche muß wegen ihres besonderen Vorranges notwendig jede Kirche übereinstimmen, das heißt die Gläubigen von überall« (III, 3, 2–3). Wenig später äußert sich Tertullian so: »Wie gesegnet ist doch diese Kirche von Rom! Es waren die Apostel selbst, die ihr mit ihrem Blut die ganze Lehre weitergegeben haben« (De praescriptione haereticorum, 36). Die Kathedra des Bischofs von Rom verkörpert also nicht nur dessen Dienst an der römischen Gemeinde, sondern seinen Leitungsauftrag für das ganze Volk Gottes.

Die »Kathedra« Petri feiern, wie wir es heute tun, bedeutet daher, ihr eine starke geistliche Bedeutung zuzuschreiben und darin ein bevorzugtes Zeichen der Liebe Gottes zu erkennen, des guten und ewigen Hirten, der seine ganze Kirche zusammenführen und auf dem Weg des Heils leiten will. Unter den vielen Zeugnissen der Kirchenväter möchte ich gern jenes des hl. Hieronymus wiedergeben, das einem seiner Briefe an den Bischof von Rom entnommen und besonders interessant ist, weil es ausdrücklich auf die »Kathedra« Petri Bezug nimmt und sie als sicheren Ankerplatz der Wahrheit und des Friedens darstellt. Hieronymus schreibt: »Ich habe beschlossen, bei der Kathedra Petri anzufragen, dort, wo jener Glaube ist, den der Mund eines Apostels gerühmt hat; ich komme jetzt, um an jenem Ort Nahrung für meine Seele zu erbitten, wo ich einst das Kleid Christi erhalten habe. Ich folge keinem anderen Primat als dem Christi; deshalb setze ich mich mit deiner Heiligkeit in Verbindung, das heißt mit der Kathedra Petri. Ich weiß, daß auf diesem Fels die Kirche gebaut ist« (Briefe I,15,1–2)."


(gepostet von M. Wetzel)

Sonntag, 21. Februar 2021

 1. Fastensonntag


Das Evangelium vom 1. Fastensonntag gibt uns den kurzen Bericht des Markusevangeliums über die Versuchung Jesu:


12 Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. 13 Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm. 

14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes 15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1, 12-15)

Die seltsame Bemerkung, dass Jesus 'bei den wilden Tieren' war, versucht die folgende Auslegung zu deuten:

Die Wüste als Ort der Prüfung und der Befreiung liefert einen Anhaltspunkt für das Verständnis des merkwürdigsten Elements des Versuchungsberichts von Markus, seinen Hinweis darauf, dass Jesus "bei den wilden Tieren" war. Es gibt keine genaue Parallele zu dieser Aussage in der Bibel. Ein Versuch, ihre Bedeutung zu erklären, beruft sich auf Adams Benennung der Tiere in Eden (Gen 2,19), auf den neuen Bund (Hos 2,18-19) und vor allem auf die Verwandlung der feindlichen Schöpfung in ein friedfertiges Reich (Jes 11,6-9; Hiob 5,22-23). Nach dieser Deutung erinnern die wilden Tiere an ein Bild der Erlösung und der neuen Schöpfung, in der die einst feindlichen Tiere befriedet und Christus, ihrem Herrn, unterworfen werden. 
Dies ist jedoch keine völlig zufriedenstellende Interpretation. Keine der oben zitierten alttestamentlichen Stellen kommt dem Wortlaut oder dem Gedanken von V. 13 nahe genug, um einen überzeugenden Hintergrund oder eine Parallele zu bilden. Ebenso folgt die Erwähnung der Tiere unmittelbar auf die Erwähnung des Satans, des Versuchers und Widersachers, was auf ein Bündnis der Tiere mit Satan schließen lässt. 

All diese Einwände werden entschärft, wenn wir die Tiere als Symbole für "den Schrecken und die Gefahr" der weiten, gespenstischen und ungezähmten judäischen Wildnis sehen. Ich bin geneigt, in der Erwähnung der wilden Tiere einen ganz bestimmten Berührungspunkt mit den römischen Lesern des Markus zu sehen. Tacitus sprach von Neros Grausamkeit gegenüber den Christen in den sechziger Jahren des ersten Jahrhunderts mit diesen Worten: "Sie wurden mit den Häuten wilder Tiere bedeckt und von Hunden zerrissen" (Ann. 15.44).40 Angesichts der Verwüstung der Christen durch wilde Tiere während Neros Herrschaft ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass Markus die ungewöhnliche Formulierung "mit den wilden Tieren" einfügte, um seine römischen Leser daran zu erinnern, dass auch Christus den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen wurde, und wie die Engel ihm dienten, so werden sie auch den römischen Lesern dienen, die dem Martyrium entgegengehen. 

Obwohl Gott Jesus in die Prüfung in der Wüste führt - wie er die römischen Leser des Markus führt -, lässt Gott weder Jesus noch sie darin im Stich. Der Weg des Gottessohnes hat den Segen des Vaters, und selbst in seinen Prüfungen durch den Erzfeind wird Jesus von den himmlischen Begleitern des Vaters gestützt. (übersetzt mit DeepL)

aus: EDWARDS, JAMES R.: The Gospel according to Mark, The Pillar New Testament Commentary. Grand Rapids, MI; Leicester, England : Eerdmans; Apollos, 2002

M. Wetzel

Freitag, 19. Februar 2021

 Freitag nach Aschermittwoch


Museen und Ausstellungen sind zur Zeit nicht zugänglich - aber die Werke der christlichen Kunst bieten eine wesentliche Möglichkeit der Auseinandersetzung mit den zentralen Inhalten unseres Glaubens.
'Radio Vatikan' bietet eine Ausstellung im Internet an: ein Meisterwerk aus den Vatikanischen Museen, der Bilderzyklus "Die Werke der Barmherzigkeit" von Olivuccio di Ciccarello, gemalt 1404.

M. Wetzel

Donnerstag, 18. Februar 2021

 Donnerstag nach Aschermittwoch

Im 'Guardian' fand ich diese beeindruckende Photoserie über Aschermittwoch in verschiedenen Ländern.


M. Wetzel

Mittwoch, 17. Februar 2021

Aschermittwoch


Hier finden Sie einen Gruß zum Beginn der Fastenzeit.

Die 40 Tage der Österlichen Bußzeit haben einen mehrfachen geistlichen Sinn:
  •  Das Aschekreuz am Beginn dieser Zeit mahnt zur Besinnung auf die Vergänglichkeit: 
    "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst"
  •  Die Einladung zu den klassischen 'Werken der Buße' - Fasten, Gebet und Almosen - weist darauf hin, dass eine Anstrengung erforderlich ist, die in unsere eingespielten Gewohnheiten eingreift und Platz für Neues schafft
  •  Das Ziel des österlichen Weg ist das Osterfest, insbesondere die feierliche Erneuerung des Taufversprechens in der Osternacht. 

Papst Franziskus hat eine Botschaft für die Fastenzeit geschrieben:


BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
 ZUR FASTENZEIT 2021

 

»Siehe, wir gehen nach Jerusalem hinauf« (Mt 20,18)
Fastenzeit – Zeit der Erneuerung von Glaube, Hoffnung und Liebe

 

Liebe Brüder und Schwestern,

als Jesus seinen Jüngern sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung ankündigt, um den Willen des Vaters zu erfüllen, da enthüllt er ihnen zugleich den tieferen Sinn seiner Sendung und ruft sie, an dieser Sendung zum Heil der Welt teilzunehmen.

Auf dem Weg der Fastenzeit, der uns zur Feier der österlichen Geheimnisse führt, denken wir an den, der sich »erniedrigte [und] gehorsam [war] bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz« (Phil 2,8). In dieser Zeit der Umkehr erneuern wir unseren Glauben, schöpfen wir vom „lebendigen Wasser“ der Hoffnung und empfangen mit offenem Herzen die Liebe Gottes, die uns zu Brüdern und Schwestern in Christus werden lässt. In der Osternacht werden wir unser Taufversprechen erneuern, um durch das Wirken des Heiligen Geistes als neue Menschen wiedergeboren zu werden. Wie das gesamte christliche Leben wird schon der Weg der Fastenzeit gänzlich vom Licht der Auferstehung erhellt, das die Gesinnung, die Haltung und die Entscheidungen dessen beseelt, der Christus nachfolgen will.

Fasten, Gebet und Almosen sind, nach Jesu Verkündigung (vgl. Mt 6,1-18), sowohl Bedingung als auch Ausdruck unserer Umkehr. Der Weg der Armut und des Verzichts (das Fasten), der liebevolle Blick und die Wohltaten für den verletzten Mitmenschen (das Almosen) und das kindliche Gespräch mit dem Vater (das Gebet) erlauben uns, einen ehrlichen Glauben, eine lebendige Hoffnung und eine tätige Liebe zu verwirklichen.

1. Der Glaube ruft uns auf, die Wahrheit anzunehmen und ihre Zeugen zu werden vor Gott und unseren Brüdern und Schwestern

Die in Christus offenbar gewordene Wahrheit anzunehmen und zu leben heißt in dieser Fastenzeit vor allem, sich vom Wort Gottes ansprechen zu lassen, das uns von Generation zu Generation von der Kirche überliefert wird. Diese Wahrheit ist nicht ein Gedankengebäude, das nur wenigen erlesenen klugen oder vornehmen Köpfen zugänglich wäre. Sie ist eine Botschaft, die wir dank eines verständigen Herzens empfangen und begreifen können, das offen ist für die Größe Gottes, der uns liebt, noch bevor wir darum wissen. Diese Wahrheit ist Christus selbst, der unser Menschsein ganz und gar angenommen hat und so zum Weg geworden ist, der zur Fülle des Lebens führt. Dieser Weg ist anspruchsvoll, aber offen für alle.

Das Fasten als Erfahrung des Verzichtes führt alle, die sich in der Einfachheit des Herzens darum mühen, zur Wiederentdeckung der Gaben Gottes und zum Verständnis unserer Wirklichkeit als Geschöpfe nach seinem Bild und Gleichnis, die in ihm Vollendung finden. Wer fastet und sich freiwillig auf die Erfahrung der Armut einlässt, wird arm mit den Armen und „sammelt“ somit einen Schatz an empfangener und geteilter Liebe. So verstanden und praktiziert hilft das Fasten, Gott und den Nächsten zu lieben, da, wie der heilige Thomas von Aquin lehrt, die Liebe eine Bewegung der Aufmerksamkeit für den anderen ist, die ihn als eines Wesens mit sich selbst betrachtet (vgl. Enzyklika Fratelli tutti, 93).

Die Fastenzeit dient dazu, den Glauben zu vertiefen beziehungsweise Gott in unser Leben einzulassen und ihm zu erlauben, bei uns „Wohnung zu nehmen“ (vgl. Joh 14,23). Fasten heißt unser Dasein von allem befreien, was es belastet, auch von der Übersättigung durch – wahre oder falsche – Informationen und durch Konsumartikel, um so die Türen unseres Herzens für den zu öffnen, der ganz arm, aber zugleich »voll Gnade und Wahrheit« (Joh 1,14) zu uns kommt – für den Sohn Gottes, des Erlösers.

2. Die Hoffnung als „lebendiges Wasser“, das uns fähig macht, unseren Weg weiterzugehen

Die Samariterin, die Jesus am Brunnen bittet, ihm zu trinken zu geben, versteht nicht, als er ihr sagt, er könne ihr »lebendiges Wasser« (Joh 4,10) geben. Zunächst denkt sie natürlich an normales Wasser, Jesus aber meint den Heiligen Geist, den er im Ostergeheimnis in Überfülle schenken wird und der uns die Hoffnung eingießt, die nicht enttäuscht. Bereits bei der Ankündigung seines Leidens und Todes zeigt Jesus diese Hoffnung an, wenn er sagt: »Und am dritten Tag wird er auferweckt werden« (Mt 20,19). Jesus spricht zu uns von der Zukunft, die uns die Barmherzigkeit des Vaters weit aufgetan hat. Mit ihm und dank ihm hoffen heißt glauben, dass die Geschichte nicht einfach mit unseren Fehlern, unseren Gewalttätigkeiten und Ungerechtigkeiten und mit der Sünde, welche die Liebe kreuzigt, zu Ende geht. Es bedeutet, aus seinem offenen Herzen die Vergebung des Vaters zu schöpfen.

In der gegenwärtigen sorgenreichen Situation, in der alles zerbrechlich und unsicher erscheint, könnte es als Provokation wirken, von Hoffnung zu sprechen. Die Fastenzeit ist dazu da, um zu hoffen, um von neuem den Blick auf die Geduld Gottes zu richten. Er hört nicht auf, für seine Schöpfung zu sorgen, während wir sie allzu oft schlecht behandelt haben (vgl. Enzyklika Laudato siʼ, 32-33; 43-44). Es ist eine Hoffnung auf Versöhnung, zu der uns der heilige Paulus eindringlich ermahnt: »Lasst euch mit Gott versöhnen!« (2 Kor 5,20) Durch den Empfang der Vergebung im Bußsakrament, das im Zentrum unseres Weges der Umkehr steht, können wir unsererseits Vergebung weitergeben: Weil wir selbst Vergebung empfangen haben, können auch wir vergeben, wenn wir zum aufmerksamen Dialog fähig sind und dem Verwundeten hilfreich zur Seite stehen. Die Vergebung Gottes, auch mittels unserer Worte und Gesten, erlaubt uns, Ostern im Geist der Geschwisterlichkeit zu leben.

In der Fastenzeit wollen wir mehr darauf bedacht sein, »Worte der Ermutigung zu sagen, die wieder Kraft geben, die aufbauen, die trösten und die anspornen, statt Worte, die demütigen, die traurig machen, die ärgern, die herabwürdigen« (Enzyklika Fratelli tutti, 223). Um Hoffnung zu vermitteln reicht es manchmal schon, »ein freundlicher Mensch« zu sein, »der seine Ängste und Bedürfnisse beiseitelässt, um aufmerksam zu sein, ein Lächeln zu schenken, ein Wort der Ermutigung zu sagen, einen Raum des Zuhörens inmitten von so viel Gleichgültigkeit zu ermöglichen« (ebd., 224).

In der Sammlung und im stillen Gebet wird uns die Hoffnung als Inspiration und inneres Licht geschenkt, das die Herausforderungen und Entscheidungen auf dem Weg unserer Sendung erhellt. Deshalb ist es so wichtig, sich im Gebet zu sammeln (vgl. Mt 6,6) und im Verborgenen dem liebevollen Vater zu begegnen.

Die Fastenzeit voll Hoffnung leben heißt spüren, dass wir in Christus Zeugen einer neuen Zeit sind, in der Gott „alles neu macht“ (vgl. Offb 21,1-6). Es bedeutet, die Hoffnung Christi zu empfangen, der sein Leben am Kreuz hingibt und den Gott am dritten Tag auferweckt, und zugleich »stets bereit« zu sein, »jedem Rede und Antwort zu stehen, der von [uns] Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die [uns] erfüllt« (1 Petr 3,15).

3. Die auf den Spuren Christi in Aufmerksamkeit und Mitgefühl gegenüber jedem Menschen gelebte Liebe ist der höchste Ausdruck unseres Glaubens und unserer Hoffnung

Die Liebe freut sich, wenn sie den anderen wachsen sieht. Daher leidet sie, wenn der andere in Bedrängnis ist: einsam, krank, obdachlos, verachtet, bedürftig … Die Liebe ist der Impuls des Herzens, der uns aus uns selbst herausgehen und ein Band der Teilhabe und Gemeinschaft entstehen lässt.

»Ausgehend von der sozialen Liebe ist es möglich, zu einer Zivilisation der Liebe voranzuschreiten, zu der wir uns alle berufen fühlen können. Die Liebe kann mit ihrer universalen Dynamik eine neue Welt aufbauen, weil sie nicht ein unfruchtbares Gefühl ist, sondern vielmehr das beste Mittel, um wirksame Entwicklungsmöglichkeiten für alle zu finden« (Enzyklika Fratelli tutti, 183).

Die Liebe ist ein Geschenk, das unserem Leben Sinn verleiht und dank dessen wir den Bedürftigen als Teil unserer eigenen Familie, als Freund, als Bruder oder Schwester betrachten. Das Wenige, das man in Liebe teilt, wird niemals aufgebraucht, sondern wird zu Vorräten des Lebens und des Glücks. So geschah es mit dem Mehl und dem Öl der Witwe von Sarepta, die dem Propheten Elija ein kleines Gebäck anbot (vgl. 1 Kön 17,7-16), oder bei der wunderbaren Brotvermehrung, als Jesus die Brote segnete, brach und den Jüngern zum Austeilen an die Menge gab (vgl. Mk 6,30-44). Genauso geschieht es mit unserem – großen oder kleinen – Almosen, wenn es nur mit Freude und Schlichtheit gegeben wird.

Eine Fastenzeit der Liebe leben heißt sich um den kümmern, der aufgrund der Covid-19-Pandemie eine Situation des Leidens, der Verlassenheit oder Angst durchmacht. Angesichts großer Ungewissheit bezüglich der Zukunft denken wir an das Wort, das Gott an seinen Knecht richtet: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst!« (Jes 43,1), während wir durch unsere Liebe ein Wort des Vertrauens anbieten und den anderen spüren lassen: Gott liebt dich wie einen Sohn und eine Tochter.

»Nur mit einem durch die Liebe geweiteten Blick, der die Würde des anderen wahrnimmt, können die Armen in ihrer unfassbaren Würde erkannt und mit ihrem eigenen Stil und ihrer Kultur geschätzt werden und so wirklich in die Gesellschaft integriert werden« (Enzyklika Fratelli tutti, 187).

Liebe Brüder und Schwestern, jede Etappe unseres Lebensweges ist eine Zeit des Glaubens, Hoffens und Liebens. Dieser Aufruf, die Fastenzeit als einen Weg der Umkehr, des Gebets und des Teilens unserer Güter zu leben, soll uns helfen, in unserem gemeinschaftlichen wie persönlichen Erinnern den Glauben, der vom lebendigen Christus kommt, die Hoffnung, die vom Hauch des Heiligen Geist beseelt wird, und die Liebe, deren unerschöpfliche Quelle das barmherzige Herz des Vaters ist, zu erneuern.

Maria, die Mutter des Erlösers, treu zugegen am Fuß des Kreuzes und im Herzen der Kirche, stehe uns mit ihrer fürsorglichen Gegenwart bei, und der Segen des Auferstandenen geleite uns auf dem Weg zum österlichen Licht.

Rom, St. Johannes im Lateran, am 11. November 2020, Gedenktag des heiligen Martin von Tours.

 

Franziskus


(gepostet von M. Wetzel)

Samstag, 13. Februar 2021

Ab Aschermittwoch geht es im Blog weiter: 

jede Woche gestaltet ein Mitglied des Seelsorgeteams einen geistlichen Impuls

Dienstag, 29. Dezember 2020

 29. Dezember - Fünfter Tag der Weihnachtsoktav - Gedenktag des Hl. Bischofs und Märtyrers Thomas Becket


Heute vor 850 Jahren, am 29. Dezember 1170, wurde Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, in seiner Kathedrale ermordet. Damit fand sein Konflikt mit dem englischen König einen tragischen Höhepunkt. Thomas Becket war zunächst ein enger Freund des Königs, als Bischof legte er jedoch jeden weltlichen Prunk ab und setzte sich mit Nachdruck für die Ehre Gottes und die Rechte der Kirche ein.

Allmächtiger Gott,

du hast dem heiligen Thomas Becket

Starkmut und Tapferkeit geschenkt,

so dass er sein Leben

für Recht und Gerechtigkeit hingab.

Gib auch uns die Bereitschaft,

unser Leben in dieser Welt

um Christi willen zu verlieren,

damit wir es wieder finden im Himmel.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.


M. Wetzel

Montag, 28. Dezember 2020

 Fest der Heiligen Unschuldigen Kinder - 28. Dezember



13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. 


16 Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. 17 Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: 

18 Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren nicht mehr. (Matthäus 2, 13-18)


In einer Auslegung zu diesem Evangelium wird die Parallele zwischen der Jesus-Geschichte und der Erzählung von der Gefährdung des jungen Mose betont:

"Die ersten Kapitel des Buches Exodus erzählen von der Geburt und Jugend des Mose. Für die Auslegung der Kindheitserzählung des Matthäus sind die folgenden Punkte am wichtigsten. Pharao, der grausame König der Ägypter, ordnet an, dass Mose und alle männlichen Kinder der Hebräer getötet werden sollen (1. Mose 1,16.22). Aber Mose wird auf wunderbare Weise durch das Eingreifen der Tochter des Pharao gerettet (2. Mose 2,1-10). Aus Angst, für die Tötung eines Ägypters bestraft zu werden, flieht der junge Mann Mose vor dem Pharao in das Land Midian (2. Mose 2,15). Nach dem Tod des Pharaos (2. Mose 2,23) weist der Herr Mose an, aus Midian nach Ägypten zurückzukehren, "denn alle Männer, die dir nach dem Leben trachteten, sind tot" (2. Mose 4,19).

Es gibt also Parallelen zwischen den Geschichten von Mose und Jesus: das Todesurteil des bösen Königs, die Flucht, um dem Urteil zu entgehen, das Abschlachten von unschuldigen Kindern und die Rückkehr nach dem Tod des bösen Königs. Natürlich gibt es einige offensichtliche Unterschiede. Der Pharao ist der König der Ägypter, während Herodes behauptet, der König der Juden zu sein. Mose flieht aus Ägypten nach Midian, während Jesus aus Judäa nach Ägypten flieht. Die Geschichte von Mose umfasst seine Geburt und sein Leben als junger Mann, während Jesus in Matthäus 2 durchgehend ein Säugling bleibt. Die ersten beiden Unterschiede könnten bewusste Kontraste zu Mose sein, die die Aufmerksamkeit auf die schlechte Führung in Judäa zur Zeit Jesu lenken sollen und auf die Vorstellung von Jerusalem als dem Ort, an dem Jesus abgelehnt wird. Wir können davon ausgehen, dass Matthäus' Leser Anklänge an die Mose-Geschichte in Matthäus 2 gehört haben."
aus: HARRINGTON, DANIEL J. ; HARRINGTON, D. J. (ed.): The Gospel of Matthew, Sacra Pagina Series. vol. 1. Collegeville, MN : Liturgical Press, 2007 (übersetzt mit DeepL)


M. Wetzel

 Christi Himmelfahrt Predigt und Orgelspiel aus der Vorabendmesse M. Wetzel